Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-08 · Heft 7 (8.2.1858) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 7 (8.2.1858)
Date
1858-02-08
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226101--16690-3245556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

87 über den römischen Geist, und ein Sieg, der Alles umgestaltet hat durch seine Energie. Entweder muß man sich dem Alterthum unterwerfen, oder man muß erkennen, daß wir der aus einem semitischen Volke hervorgegangenen Religion diese Art von Leben verdanken, die die Kraft und die Größe der Europäer ausmacht. Und um nur von der Poesie zu sprechen, dieses Gebiet der Empfindung sowohl als der Einbildungskraft, ist es wohl gewiß, daß die Semiten darin so tief stehen, als sie Renan stellt? Ohne Zweifel giebt es Nichts in der Bibel, das den Epopöen der Inder gleicht, und die Griechen find vielleicht ohne Nebenbuhler in der eleganten Form, die sie ihrem Gedanken geben; aber hat man nicht hundertmal die Bibel und Homer verglichen, ohne daß die Bibel durch diesen Vergleich gelitten? Die Griechen sind bewunderungswürdige Künstler; aber nur zu oft ist ihre Poesie Marmor, wie ihre Statuen; die hebräische Poesie im Gegentheil ist eine ganz menschliche, und die Klagen Hiobs und Davids haben immer ein Echo in unsrem Herzen. Pindar in künstlerischer Beziehung dem Jesaias vorziehen, ist eine erlaubte Sache, aber daraus schließen, daß der hebräische Prophet einer untergeordneten Race angehöre, das heißt zu viel seinem persönlichen Geschmacks Raum geben und zugleich vergessen, daß in der Erhabenheit der Ideen und in der Größe der Bilder kein Volk sich zu der Höhe erhoben hat, wie die Juden. Ist es nicht Herr Renan, der gesagt hat: „Unter allen Völkern des Orients hat Israel allein das Privilegium gehabt, für die ganze Welt zu schreiben"? Und sind diese schönen Worte nicht die beste Antwort, die man auf die vorgegebene Inferiorität der Hebräer geben kann?" Diese Anerkennung ist um so glänzender, je mehr sie auf einer völligen Parteilosigkeit beruht, und wenn daher der geistvolle Kritiker aus unsrem Buche die Beweisführung herausliest, daß derselbe Genius, welcher die alten Schriften der Hebräer beseelt, seine Lebenskraft durch alle Jahrhunderte bis auf die neueste Zeit bethätigt hat, so kann uns dieses Resultat nur befriedigen. Wir verbinden hiermit am füglichsten den Hinweis auf eine Besprechung in einer der jüngsten Nummern der kevue kr-sn- Qaise*), deren Verfasser nicht minder gegen diese Schule, welche in Deutschland Ewald, in Frankreich Renan zu ihren Häuptern zählt, zu Felde zieht, namentlich gegen die Art und Weise, wie. man den Pentateuch in Stücke zu zerreißen pfiegt. Wir führen nur einige Worte desselben an: „Um eine solche Hypothese zuzulassen, muß man vor allen Dingen auch nicht den geringsten Begriff vom Genius der hebräischen Sprache haben. Moses Styl, einfach, klar, gedrängt, poetisch, zeichnet sich aus und unterscheidet sich von allen anderen Stylen der Bibel. Es ist ziemlich gleich, ob es Moses oder ein Anderer sei, der den Pentateuch geschrieben; aber wer, der das Hebräische versteht, wie man eine Sprache verstehen muß, könnte einen Augenblick die Gleichartigkeit deS Styles der fünf Bücher des Pentateuchs bezweifeln. Der Siegesgesang beim Auszuge aus Aegypten und der Schwanengesang vom Berge Nebo sind sicherlich Ausflüsse desselben poetischen Gemüthes. Vom Beginne des Buches Josua an, ist es weder dieselbe Sprache noch dieselbe Wendung. Derjenige, der das Hebräische mit der Muttermilch eingesogen, wird Dir bei dem ersten Satze sagen, ob Moses, David, Jesaias oder Hiob dessen Verfasser ist. Herr Ewalv, der das Hebräische nur vermittelst des Gesenius'schen Dictionairs übersetzt, hat nicht einmal einen Begriff von seiner Unwissenheit." Der Verfasser dieser Kritik spricht sich übrigens dahin aus: „Wir empfehlen das Buch des Dr. P. allen Gelehrten, die zu erfahren wünschen, wozu der Pentateuch und der Talmud gedient haben, und warum es noch eine jüdische Wissenschaft und eine jüdische Nation giebt. Die Juden selbst, deren größter Theil nicht wissen, warum sie noch eristiren, namentlich die Frauen — werden gut thun, dieses Buch zu studiren, wäre es auch nur, um daraus die geschichtliche Größe der Mission des Volkes Israel zu ersehen." (Schluß folgt.) Vam Institute §ur Förderung der israelitischen Literatur. Durch eine Verzögerung, welche im Schluß deS Druckes einer der Schriften eingetreten, hat sich die Verschickung der ersten Sendung um 12 Tage verzögert, so daß sie erst den 27. Januar beginnen konnte. Wir bemerken hier zugleich, daß alle Abonnenten in England ihre Eremplare durch Vermittelung der Buchhandlung A. Asher u. Comp, erhalten, so wie sämmtliche Abonnenten in Amerika (auch die in Sacramento- City in Californien) durch B. Western:an u. Comp, in New -Uork. *) Vom 10. Januar 1858. 7*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.