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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-01 · Heft 6 (1.2.1858) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 6 (1.2.1858)
Date
1858-02-01
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
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81 Wien, 15. Januar. (Privatmitth.) Nach langen und harten Kämpfen wurde Mittwoch den 13. d. M. die „Handelsakademie" eröffnet. Es erhoben sich bekanntlich in letzter Zeit Schwierigkeiten gegen die Anstellung akatholischer Lehrer. Nach dem Concordat werden Mittelschulen im Allgemeinen als katholische Schulen betrachtet und stehen unter der Aufsicht des Episkopates. Die Frage war daher, ob die Handelsschule als Mittelschule zu betrachten sei, und wurden für diese Ansicht mannigfache Gründe angeführt. Man vereinigte sich endlich dahin, die erste Claffe als VorbercitungSclaffe zu erklären, die, als Mittelschule betrachtet, unter Aufsicht des Episkopates stehet. In dieser Claffe ist Religionswissenschaft als obligater Unterrichtögegenstand ausgenommen. Die andern Classen werden als Akademien betrachtet, die nicht unter Aufsicht deS Episkopates stehen. In diesen Classen können akatholische Lehrer unterrichten. Für das heurige Jahr, wo blos die Vorbereitungsclasse eröffnet ist, sind die «katholischen Lehrer Herr Spitzer Israelit, und Herr Zckeli Protestant, provisorisch bestätigt. Im nächsten Jahre ist ihre Anstellung in der Akademie eine definitive. Bei der Eröffnungsfeierlichkeit waren die höchsten Würdenträger deS Staates zugegen. Der Herr Präsident des VerwaltungSratheS, Friedr. Schey, hielt eine Ansprache, aus welcher ich folgenden Passuö hervorhebc: „Zur besonder« Befriedigung gereicht es unö, „daß das Statut, welches dieser Anstalt gegeben „ist, im Geiste der Humanität und deS Wohl- „wollens für alle Staatsbürger abgefaßt worden und daß in demselben die kosmopolitische „Stellung deS Kaufmannsstandes Berücksichti- „gung gefunden hat, innerhalb dessen unermes- „senen Grenzen jede Nationalität und jeder „Glaube ihre Vertreter zählt." Bei Gelegenheit der Stadterweiterungspläne trügt man sich mit dem Gerücht herum, daß den Juden Grundbesitz gestattet werden soll, welches im Interesse der Sache läge; doch kann ich Ihnen diese Nachricht blos als Gerücht geben. Der „Sensenmann" räumt im neuen bürgerlichen Jahre unter den Celebritäten auf. Drei R sind ihm als Opfer gefallen, alphabetisch geordnet: Rachel, Radetzky und Reschid. Alle positiven Heligionen sind vertreten und wie verschiedenartig vmx ihre Wirksamkeit! — Ich habe Ihnen noch von einem schweren Verluste zu berichten. Der auch in weiten Kreisen bekannte und berühmte Augenarzt vr. Groß in Großwardein ist gestorben. Er war ein ächter und rechter Priester der Wissenschaft und der Humanität. Von dem bekannten Schriftsteller Herrn M. E. Stern erschien ein Drama „Einer Lüge Folgen", gewidmet dem Dichter der GriseldiS. Wien, 22. Januar. Wir heben aus einem Wiener Blatte aus einem Referat über die Sitzung der k. k. Akademie der Wissenschaften am 27. Januar Folgendes hervor: „Hierauf zeigte vr. Frankl in einem anziehenden Vortrage, wie er in den Besitz der menschlichen Schädel gelangte, die er im Aufträge der Akademie auf seinen Reisen im Oriente gesammelt und gestern der Claffe vorlcgte. Ein in Athen in einem Felsengrabe aufgefundener altgriechischer Schädel ging durch einen unglücklichen Zufall zu Grunde, vr. Frankl brachte ihn in seinem Gepäcke nach Konstantinopel. Als dieses bei der Landung von einem Türken durchsucht wurde, entdeckte dieser den Schädel. Sogleich versammelten sich mehrere Muselmänner. Einige riechen, den Kopf ins Meer zu werfen, Andere ihn zu beerdigen. Um den Schädel zu retten, rief vr. Frankl: „Was wollt Ihr mit dem Kopfe? Er gehört einem Griechen, Eurem Feinde!" In demselben Augenblicke zog ein Türke seinen krummen Säbel und schmetterte mit einem donnernden „Giaur!" den Schädel in Stücke. Professor Hyrtl hofft die Stücke noch zusammensetzen zu können. Hierauf gab vr. Frankl eine lebendige Schilderung seiner Besteigung deö Libanon. Diese ist äußerst gefährlich und nur der sichere Tritt der Pferde, die mit gleicher Behendigkeit neben steilen Wänden an Abgründen hinschreiten und die steilsten Felsenhügel erklimmen, rettet den Wanderer vor einem grauenvollen Tode. Endlich gelangte er zu den weltberühmten Cedern, die,,wie wcißgraue Felsen durch Erdbeben und Blitze zerrissen dastehen." In der Mitte des Wäldchens, welches die riesigen Stämme bilden, befindet sich eine kleine Capelle, neben welcher ein griechischer Priester, ein ehrwürdiger Greis, wohnt, vr. Frankl erstieg einen gebeugten Cedernstamm und gewahrte in dessen Höhlung etwas Weitz **

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