Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-01 · Heft 6 (1.2.1858) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 6 (1.2.1858)
Date
1858-02-01
Page
Seite 78 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226100--16680-3245545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 Kreise), wurde als Lehrer und Cantor der israelitischen Gemeinde zu Chicago (Nordamerika) engagirt. Herr Marx gehört zu den tüchtigsten Lehrern Rheinhessens. I» letzterer Gemeinde wurde ein Herr Dr. Mensor auS Dublin zum Rabbiner gewählt. — In Folge des Ablebens des Erzbischofs zu Bamberg hat die vereinigte israelitische Gesellschaft „Casino" mit vielem Tact und anerkennenswerther Pietät den auf den 9. d. M. anberaumten Festball noch im Laufe deS TageS absagen lassen. Der „Nürnberger Courier" hebt dieses anerkennend hervor. Frankfurt am Main, im Januar. (Privatmitth.) Die große Frage, welche schon zwei Jahre die Gemeinde-Diplomatie beschäftigte, ob die Constrmation ausschließlich eine rabbinische Function sei, oder ob auch die Schule daran participirm könne, wurde von der Gemeindeverwaltung, nachdem alle Vergleichungsvorschläge von dem Rabbinat zurückgewiesen wurden, endgültig zu Gunsten der Schule entschieden. In Folge dieses Beschlusses, so wie auch wegen so mancher andern zurückgewiesenen hierarchischen Anstrcbungen unsres Rabbiners, welche die Selbstständigkeit der Verwaltung bedrohten, hat R. Stein am 18. dieses seine Demission beim Gemeindevocstand eingereicht; jedoch in Berücksichtigung, seine begonnenen Cultusreformen nicht unvollendet zurückzulassen, sich erboten, noch so lange im Amte zu bleiben, bis er diese segenverbreitende und die Menschheit beglückende Arbeit zu Ende gebracht habe. Der Gemeindevorstand bat noch keinen darauf bezüglichen Beschluß gefaßt, und man gicbt der Hoffnung Raum, daß R. Stein diesen nur von einer momentanen Aufregung hervorgerufenen Schritt bald bereuen und seine Demission zurückziehen werde.*) K. *) Wir geben die obige Korrespondenz wortgetreu. Wir kennen die Sachlage und den Gang der Angelegenheit in Frankfurt nicht genau. A priori müssen wir aber, abgesehen von allen „hierarchischen Anstrebungen", uns dahin aussprechen, daß auch uns die Confirmakion allein dem Geistlichen zuzustchen scheint; die Cvnfirmation ist Synagvgalact, nicht Schulart, gehört in die Synagoge, nicht in die Schule. So sehr wir allen ungehörigen Eingriffen der Geistlichen i» das Schulwesen abhold sind, so darf doch auch die Schule nicht in das geistliche Amt eingreifen, wodurch sie nicht minder ihren Standpunkt verrückt. Es giebt Schulen, die in religiöser Beziehung einen völlig freien Standpunkt einnehmen wollen; um so Preußen. Cleve, im Januar. (Privatmitth.) Mit dem 1. Januar d. I. ist endlich das Gesetz vom 23. Juli 1847 hier in Kraft getreten, trotzdem daß eine kleine aber mächtige Partei während fünf Jahren alles Mögliche gethan, um der Einführung dieses Gesetzes entgegenzuarbeiten. Diese Leute gefielen sich zu sehr in der früheren Willkürherrschaft und Gesetzlosigkeit, daß sie mit Schrecken einem legalen Zustande entgegensahen. Auch jetzt noch ist deren Treiben zu spüren, und eS wird wohl noch einige Kämpfe kosten, bis man allenthalben den gesetzlichen Weg einschlägt. Dadurch, daß man den ganzen Kreis als einen Synagogenbezirk umwandelte, können sowohl Schule als Synagoge wesentlich gewinnen, weil die Parteilichkeit, welche in kl»inen Gemeinden nichts gedeihen läßt, in einem so großen Verbände sehr zurücktreten, wenn nicht gar schwinden muß. Mögen die Männer, welche die Verwaltung jetzt in Händen haben, ihre Stellung so wie ihre Aufgabe wohl erkennen und nur dahin zu wirken suchen, daß die Schulen besser erblühen, in die Verwaltung Ordnung und in die Synagoge Anstand und Gottesfurcht komme und auch bleibe! In unserer Nachbarschaft will das Gesetz noch nicht zur Einführung gelangen, welches aber größtentheilS in der Apathie der Juden seinen Grund hat. Man gefällt sich zu sehr in dem Sich geh enlassen und wenn auch Schule und Synagoge dadurch ganz zu Grunde gingen. DieS gilt sowohl von den kleinern als von den größern Gemeinden. — Nächstens ein MehrereS hierüber. Berlin, 21. Januar. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat in diesen Tagen das von dem Ober-Präsidenten der Provinz Brandenburg, Staatsminister vr. Flottwrll Erc. bestätigte Gemeinde-Statut ohne principielle Aenderungen zurückerhalten. Danach wäre das darin mit der hiesigen Reformgcmeinde getroffene Abkommen gleichfalls genehmigt. Die erste Einreichung des Statuts erfolgte um die Mitte deS Jahres 1855. 'Wir werden durch die Freundlichkeit des Vorstandes im Stande sein, die wesentlichsten Punkte weniger geziemt «S diesen-, zuletzt den Geistlichen spielen zu wollen. Die Redaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.