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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-01 · Heft 6 (1.2.1858) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 6 (1.2.1858)
Date
1858-02-01
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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374 verbessert wurden. Dadurch, daß die äolische Tonart in ihrer Tonleiter die kleine Terz, auf- und absteigend aber die kleine Serte und kleine Septime hat, wird sie gerade der Gegensatz zu unserm Dur und Moll, und zeigt eine Eigenthümlichkeit, die sich in unfern Tonarten nirgends findet. Die christliche Kirche gebraucht noch viele Melodien, die in den alten Tonarten geschrieben sind, theils im Urtone, theils wie hier, transponirt, um sie dem Sänger bequemer zu machen; überall aber tragen sie den Stempel einer eigenen Persönlichkeit. So ist in dieser Sammlung, um nur noch Einiges anzuführen, die Nummer 11., ursprünglich mirolydisch, 22. und 32. dorisch, 37. lydisch, 54. phrygisch, 59. äolisch, und nur durch Transpostlion in ihrer jetzigen Gestalt. — Eine andere Eigentümlichkeit dieser Melodien spricht sich in ihrem rhythmischen Baue aus. Gleich die erste Nummer, Viervierteltact, enthält das Einschiebsel eines Zweivierteltacres, 13. sogar einen eingeschobenen Fünfvierteltact und so wiederholt sich dies Verfahren in 3., 16., 19., 51. und mehreren. Wird dies auf der einen Seite dem Taktgefühl unbehaglich, so erschwert es auf der anderen die Auffassung, und, — was hier gewiß mitspricht, es vergrößert die Schwierigkeit in der Ausführung ungemein; dennoch findet sich in manchen Nummern vergleichen mehr als einmal. Beispiele dieser Art sind in der musikalischen Literatur so selten, daß man sich darnach umsehen muß, um sie zu finden. Beethoven in der Symphonie Ervica schiebt einmal in einen längeren Satz Dreivierteltact zwei Zweivierteltacte ein, aber die Wirkung davon ist so gewaltig, geht so sehr aus einer inneren Nothwendigkeit hervor, daß sich dieser Fall mit denen in der Sammlung gar nicht vergleichen läßt. Eine innere Nothwendigkeit ist hier nirgends zu erkennen, denn auch der starreste Text beugt fick; so muß denn der Grund dafür anderswo gesucht werden. Vielleicht findet er sich aber in der Annahme, daß die Melodien zu einer Zeit geschrieben wurden, in der nicht wie jetzt die Dauer des Tones an Tact gebunden war, wo nur die Sylbenlänge entschied, also vor Einführung unserer Tactarten, mindestens vor dem 15. Jahrhundert. Wollte bei dieser Annahme der Herausgeber treu bleiben, so blich entweder nur das angewenvete Verfahren übrig, oder eine Darstellung, wie sie in 27. geschah, die für Chöre unmöglich wurde. Wie Dem aber auch sei, in Frage steht es jedenfalls, ob die Vermischung der Tactarten die Brauchbarkeit und die Verbreitung der Sammlung befördert. Von den Solosätzen, wie ste 6., 9., 19., 21. und mehrere Nummern enthalten, sei nur gesagt, daß sie wahrscheinlich mit der Begleitung eines Instruments ausgeführt werden sollen. Dafür sprechen sowohl die dazu gesetzten aushaltenden Noten, noch mehr aber Nummern, wie 39., wo die Noten im zweiten System gar nicht in dem Umfange irgend einer Stimme liegen, wenigstens nicht so, daß darauf gerechnet werden könne. Fassen wir endlich das Ganze zusammen, um ein Urthcil darüber auszusprechen, wie es sich durch Notenschrift begründen läßt, so sei gesagt, daß vielen Nummern bei guter Ausführung durch Melodie und Harmonie die schöne Wirkung nicht fehlen wird, schwachen Sängerkräften dagegen alle Behutsamkeit dabei empfohlen werden muß. F. Seltner. Magdeburg, 18. Januar. Jüdische Literaturbriefe von Di*. B. Beer, Leipzig, 1857. Zur Charakterisirung dieser höchst interessanten Broschüre geben wir hier statt eines Referats das Vorwort, welches der geehrte Verfasser seiner Schrift vorangesteüt hat. „Nachstehende bereits in Frankel's Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums Jahrgang 1853 und 1854 veröffentlichte Briefe erscheinen hier auf mehrseitiges Verlangen in besonderem unverändertem Abdruck für weitere Kreise. Obgleich seit deren Abfassung manche werthvolle Erzeugnisse im Bereiche der jüdischen Literatur und Geschichte ans Licht traten, auch vielleicht manche abweichende Anschauungen über Einzelnes sich kund gaben, so dürfte ihr Inhalt doch nicht an Interesse verloren haben. Im Gegentheile will es mich bedünken, daß gewisse in neuester Zeit beliebte Ausschreitungen, theils nach techts, theils nach links hin, eines Correctivs bedürfen. Es thut Noth, daß die größere Menge der intelligenten und gebildeten sogenannten „Laien" klare Einsicht gewinne in daS Wesen des Judenthums, seiner Lehre und Literatur, — daß die Ueberzeugung allerseits durchdringe und erstarke, wie weder in einem Systeme, das jeden unbegründeten und minutiösen Gebrauch symbolistrend festhalten oder wiederherstellen möchte, noch in einer sich überstürzenden, alle- Herkömmliche lavinenartig niederreißenden Eregese, Heil für die israelitische Religion zu finden sei. — „Kein Judenthum ohne Wissenschaft und Er^kenntniß, kein Judenthum ohne gottesfürchtigen Sinn"; dies find die Losungsworte, denen gegenwärtige Priese (t>ie

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