Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 6 (1.2.1858)
- Date
- 1858-02-01
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Lenden Posten im Ausgabebudget des Staates ausmacht, bijetzt am wenigsten geschehen, um dem Judenthume Anerkennung und Achtung seines geistigen Momentes zu verschaffen. Wir find weit davon entfernt, den Werth der jüdisch -französischen Journalistik, namentlich der Arehives israelites de France gering anzuschlagen. Auch fie find unermüdliche Wächter, die jede Kränkung zurückweisen, jede mögliche Belehrung heranbringen. Aber Die jüdische Journalistik dringt zu wenig in die allgemeinen Kreise; fie wirkt vorzugsweise, und darin ist fie von unermeßlichem Werthe, nach innen. Außer dieser Journalistik, und hier und da einer kleinen Flugschrift, ist aber von den Franzosen unsres Glaubens wenig geschehen, um dem Judenthume in der allgemeinen Welt dauernde Anerkennung zu erringen. Da es selten und nur mit großen Opfern möglich ist, in der nichtjüdischen Journalistik den Tendenzen des Judenthums das Wort sprechen zu können, so kann hier nur durch selbstständige Werke, welche an Form und Inhalt geeignet sind, eine allgemeinere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und zu fesseln, geholfen werden. Wir haben in dieser Beziehung in Frankreich aber nur drei Namen zu nennen, Munk, Frank und Salvador. Der Erstere hat durch mehrfache Journalartikel aus der Literaturgeschichte des Judenthums, z. B. im 1emp8, durch seine Theilnahme am Journal asiatique, durch sein Werk über Palästina, endlich jüngst durch die Herausgabe der französischen Uebersetzung des ersten Theils des inore nebuchim, so wie durch sein Werk über Gabirol den Franzosen einen Einblick in die große Literatur des Judenthums eröffnet. Gerade an die letzteren schließt flch die Schrift Franks über die Kabbala an, durch welche, was man auch gegen die Gründlichkeit der Arbeit einwende, die mystische Religionsphilosophie der Juden neben der aristotelischen und scholastischen, welche ihre Vertretung in den beiden letztgenannten Arbeiten Munks finden, aufgedeckt wurde. Demungeachtet geben diese Schriften, von dem Gesichtspunkte aus betrachtet, welchen wir heute vorzugsweise im Auge haben, nur Einsichten in beschränktere Gebiete, noch dazu in Gebiete, welche den Franzosen durchaus nicht nahe liegen. Zu einer besonderen Wirksamkeit in der von uns besprochenen Richtung konnte Salvador berufen sein. Er vorzugsweise ist an Anschauung und Form achter Franzose. Aber gerade ihm fehlte Das, waS für eine Anerkennung des Judenthums zu wirken unentbehrlich ist, die Begeisterung für den jüdischen Glauben und die jüdisch-theologische Anschauung. Seine Geschichte des Römerkrieges war ganz dazu geeignet, die Franzosen für diese große Episode in der Geschichte der Juden zu interesstren. Die Behandlungsweise ist in ihren Vorzügen und Mängeln ganz französisch. Aber es ist dies ebenfalls nur ein Stück Antiquität. Dasjenige Werk Salvadors, welches allgemeines Aufsehen erregte, ist die Geschichte der mosaischen Institutionen. Aber, so viel Bedeutendes in diesem Werke enthalten ist, so ist es doch von einer Ansicht aus verfaßt, welche dem Judenthume schnurstracks widerspricht, und für dasselbe eher zu bekämpfen ist, als daß es für eine Schutzschrift des Judenthums anzusehen wäre. Die mosaischen Institutionen ihres religiösen Charakters entkleiden, fie lediglich vom politischen, juridischen und materiellen Standpunkt aus betrachten, ist, mag man in ihnen dabei noch so viel Herrliches aufdecken, abgesehen, daß darin eine völlige Verkennung des Motivs, des.Zweckes und Zieles liegt, eher ein Dolchstoß für das Judenthum, als eine Verherrlichung desselben. Nur die religiöse Idee, nur das religiös-sittliche Leben, das religiös-sociale Princip in ihnen hebt die mosaischen Institutionen aus dem Bereiche der Alterthümer heraus, und stellt fie als die lebendige Wurzel des religiösen Lebens der höheren Menschheit auf. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 17. Januar. Wir haben in No. 3. über die von den Herren Aguilar und De Sola herausgegebenen Melodien der spanischen Synagoge referirt. Da uns aber diese Erscheinung von großer Wichtigkeit dünkt, so haben wir einen sachkundigen Mann veranlaßt, dieselben genauer durchzugehen und uns sein Urtheil darüber zu geben. Er schreibt uns folgendermaßen: Vorliegende 71 Nummern sind für gemischte Stimmen — Sopran und Baß bearbeitet und enthalten theils Solo-, theils Chorsätze; letztere mit wenig Ausnahmen vierstimmig. Die meisten Melodien sind von großer Eigenthümlichkeit. Sehen wir die erste Nummer — Chor — an. Sie beginnt in G-dur und schließt mit E-moll, aber dies Gewand der Tonart ist nur Schein, gehört, wie unverkennbar, weder G-dur noch E-moll an, sondern stand ursprünglich itTber äolischen Tonart (a), eine jener Kirchentöne, die vor Einführung unserer modernen Tonarten im Gebrauche waren, von den Griechen zunächst auf die römisch-christliche Kirche kamen, und noch durch Ambrosius 6*