Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 5 (25.1.1858)
- Date
- 1858-01-25
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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65 wo dieselbe Neigung vorherrschend war, so daß wir darin eine Andeutung, ja einen Beweis finden, daß die Juden in Deutschland einmal schon sich dem allgemeinen Culturzustande sehr genähert hatten, und daß sie erst durch die gräßlichen Verfolgungen und gänzlichen Ausschließungen seit den Kreuzzügen wieder davon zurückgedrängt wurden. So hatten die Juden neben ihren Synagogalnamen in großer Zahl deutsche Namen angenommen, welche, nachdem fie stch eingewurzelt hatten, neben jenen in den Dokumenten durch bezeichnet wurden. Es gab z. B. den Synagogalnamen Jehuda; der Träger dieses Namens wollte einen deutschen Namen annehmen, und wählte dafür das alte Symbol dieses Stammes, den Löwen, er nannte stch daher Löw; daraus machte man im niederdeutschen Dialekt Leb, Leib; dieser Name verblieb durch die ganze spätere Zeit, bis zu der neuesten, wo man in der neuen Culturperiode Louis oder Ludwig machte. Das Zwischenglied ist jetzt verbannt, und an das alte Jehuda das neue Ludwig dicht hinangerückt. Solcher Beispiele lassen sich viele aufführen; die Folgerungen find von Bedeutung; wir begnügen uns heute mit dieser Andeutung. Zeitrirrgsnachrichteu. Deutschland. Württemberg, im Januar. (Privatmitth.) Seine Majestät, König Wilhelm, der Nestor aller Monarchen, ist seit den ersten Tagen des Januars erkrankt, doch die amtlichen Bulletins geben die beruhigende Versicherung, daß die Krankheit im Abnehmen begriffen ist. Der Staatsanzekger bringt die Nachricht: Nachdem schon am Dreikönigsfeste in den evangelischen Kirchen und seither alle Tage in der katholischen Kirche besondere Gebete für Seine Majestät gehalten wurden, wurde derselbe auch heute — Samstag den 9. Januar — in der Synagoge in besondere Fürbitte genommen, und als Kirchenrath Maier das Gebet mit den Worten schloß: „Herr Gott, die Kinder erhöre, die für den Vater flehen, das Volk erhöre, das für seinen König betet", stieg ein andächtiges Amen aus Aller Herzen zum Himmel empor. — Unmittelbar vor seiner Erkrankung hat Se. Majestät noch 100 Fl. der israelitischen Waisenanstalt „Wilhelmspflege" überwiesen. — Rabbiner Güldenstein, der in Alzei alle Chancen für sich hatte und besonders als Prediger die schwer zu befriedigende Gemeinde durch seinen Vortrag, nach Form und Inhalt, zu fesseln Verstand, wird uns erhalten bleiben, denn feine Gemeinde Buchau hat ihm denselben Iah-. resgehalt bewilligt, der ihm von Alzei geboten war. Es ist diese Thatsache ein ehrender Beweis für daS schöne Berhältniß, in dem Rabbiner und Gemeinde zusammen stehen und wünschen wir diesem schönen Bunde auch weiteren gedeihlichen Erfolg auf dem Gebiete der Seelsorge, der pastorlichen Wirksamkeit in Synagoge, Schule und Haus. — Auf das Rabbinat Lehrensteinsfeld wird ein Ausländer berufen und da voraussichtlich von Staatöwegen die Rabbinatsgehalte in nächster Zeit aufgebeffert werden, so dürfte diese Stelle manchen Rabbiner zur Concurrenz um dieselbe bestimmen. Dr. Frankfurter hat das Rabbinat LehrensteinSfeld einige Jahre verwaltet und von dorther hattet sich auch dessen innige Beziehung zu dem greisen Dichter Justinus Kerner, der den Prediger am Tempel in Hamburg schon besuchte. — In WeinSberg, eine halbe Stunde von Lehrensteinsfeld, ist der Sohn des Rabbincn Mainzer aus Weikersheim als Oberamtswundarzt angestellt; der Bruder desselben ist Rechtsconsulent in Neckarsulm und in Heilbronn fungirt Rechtsconsulent Kollmann, früherer RabbinatScandidat, noch jetzt eifriger Beförderer jüdischer Literatur und Vorsteher des israelitischen Lesevereins. — Buchhändler Heß in Ellwangen hat jetzt eine größere Druckerei an sich gebracht, verlegt ein vielgelesenes Wochenblatt und eine landwirthschaftliche Zeitschrift. — In Laupheim ist auch ein Israelit Verleger und Drucker eines Wochenblattes und wenn wir nicht irren, so ist auch in Rottweil der jüdische Arzt, Dr. Rothschild, Inhaber eines Tageblattes. — In Württemberg betreiben drei Israeliten den Buchhandel : Heß in Ellwangen, Adolph Degzinger in Rottweil und Levi in Stuttgart. Kreis Giessen, im Januar. (Privatmitth.) Der Friedhof des israelitischen Gemeinde-Verbandes Lollar, Mainzlar, Daubringen und Ruttershausen wird von einem sehr ergiebigen, der Gemeinde Staufenberg gehörigen Steinbruch begrenzt, dessen Bearbeitung die Aushöhlung einer Seite des Friedhofs und dadurch den Einsturz einiger Gräber zur Folge hatte. Es sollen sogar Grabsteine in den Steinbruch gestürzt und unter die dort herausgebrochcnen gekommen sein. — Die Bemühungen des israelitischen Vor- S