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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 51 (sequence 9)
Language
German
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51 Chassidim und Halbchassidim bewohnten Stadt sagen, so wie von Leitschau; in Eperies ertheilt schon mit mehr Erfolg, wenn auch provisorisch, der Cantor der Gemeinde diesen so wichtigen Unterrichtsgegenstand. Von Jgn. W. Back, Bezirksrabb. zu Gyula, ist vor Kurzem ein Religionsbuch für isr. Schulen, Verlag L. Hollosy, Großwardein 1857, 1. Th. Ladenpr. 30 Fr. C., erschienen, welches Werkchen sich zur Aufgabe stellt, die Pflichten gegen Gott und die Nebennienschen durch die zehn Gebote zu erläutern» Das Büchlein ist für die 2. und 3. Classe der österreichischen Volksschulen bestimmt und behandelt ebenso faßlich wie gründlich das für diese Stufe Nothwendige. Wer da weiß, wie schwer verständlich der magyarischen Jugend die deutsche Sprache ist und wie nur allmählig sich dieser Unterrichtsgegenstand in einem großen Theile von Ungarn Bahn brechen kann, wird für die ungarischen Volksschulen dieses Büchlein begrüßen. Nur wolle uns der geehrte Verfasser nicht verargen, wenn wir, trotz seiner in der Vorrede gemachten Bemerkung, die Sprache des Büchleins zuweilen noch immer zu hoch finden; auch hätten für diese Stufe Stellen, wie: Die Ceremonie der Scheidung geht auf folgende Weise vor fich: ic. (S. 87.), lieber wegbleiben sollen; auch hätten wir lieber die in den österreichischen Lesebüchern gebräuchliche Orthographie gewünscht. Der geehrte Verfasser will die biblische Geschichte in besonderen Lehrstunden vorgetragen wissen; ob dieses wegen Mangel an Zeit in den Knabenclassen möglich ist, müssen wir dahin gestellt sein lassen; in der Mädchenschule finden wir jene Forderung natürlich und haben uns in dieser Beziehung Eh-. Philippsons kleiner Katechismus der Geschichte Israels je. (Leipzig, Baumgärtners Buchhandlung), so wie Eh. Wolfs Geschichte Israels (Wien, Knöpflmachers Buchhandlung), vortreffliche Dienste geleistet. So wurde von uns der erste Abschnitt aus Dr. Philippsons Katechismus als Wiederholungsbuch benutzt, während die Bibelkunde jenes Merkchens, so wie der Abriß der Landeskunde vom heiligen Lande, der Abriß der Liturgik, Satz für Satz von uns in der Mädchenclasse erläutert ward und so Geisteseigenthum der Jugend wurde. Schließlich wollen Ew. Hochwürden mir gestatten, dem geschätzten Berichterstatter der Zeitung des Judenthums No. 52. aus Tarnow versichern zu dürfen, daß nicht die Presse, sondern eigene Anschauung auf galizianischem Boden uns vor mehreren Wochen Veranlassung zu jenen Combinationen und Reflexionen gab und wolle der geehrte Berichterstatter die Versicherung hinnehmen, daß wir gern einer Gemeinde unsre Hochachtung zollen, worin 504 Familien einstimmig der Errichtung einer deutsch-hebräischen Gemeindeschule das Wort reden. Wollte Gott, daß in allen Gemeinden unseres großen Vaterlandes die öffentlichen israelitischen Lehranstalten mit solch einer Majorität zu Stande kämen, es würde dann gewiß Vieles besser sein. Oberlehrer Js. Rosenmeyer. Eperies, im December. (Privatmitth.) Unter einer in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums erschienenen Concurs-Ausschreibung für einen Rabbinen war der Name „Eperies" zu lesen. Ein deutscher Aspirant, der vielleicht auf diese Stelle reflectiren möchte, wird vergebens in seinen geographischen Hülssbüchern irgend eine nähere Auskunft über die israelitische Cultus-Gemeinde dieser nordungarischen Stavt sucheir, und es dürften ihm daher einige Notizen über dieselbe nicht unwillkommen sein. In dem letzten Decennium hat unsere Gemeinde quantitativ bedeutend zugenommen; das Minjan hat sich ungefähr verzehnfacht, so daß sie jetzt über 100 Glieder in ihrer Mitte zählt, großentheils intelligente Leute, die sich mit Producten- und Waarenhandel, mit Agricultur und sonstigen Gewerben befassen. Sie besitzt einen herrlichen, allen akustischen Anforderungen entsprechenden Tempel, in welchem der wackere Cantor, Herr C. D. Lippessohn, ein Mann, der mit einer herrlichen Stimme auch bedeutende musikalische und literarische Bildung vereint, den Gottesdienst in einer sehr erhebenden Weise leitet. Leider hat aber, auch bei uns der eisige Hauch des Jndifferentismus jedes warme Gefühl nicht nur für Religion, sondern für jedes geistige Streben erstarrt; leider wird auch bei uns dem Götzen deS Luxus und der Mode mit einer solchen Wuth von Israel gefröhnt, daß das Dichten und Trachten auch seines bessern Theiles nur auf Herbeischaffung Desjenigen gerichtet sein muß, wodurch auf den Altären jenes haarbleichenden Baals geräuchert werden kann. Nur einem für Israels Wohl, für alles Löbliche und Nützliche, für Sittlichkeit und Ordnung wahrhaft begeisterten und energisch thätigen Manne wird es da-

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