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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 49 (sequence 7)
Language
German
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49 in vollem Maße gewürdigt und suchten dieselben durch das Anerbieten einer sehr ansehnlichen Gehaltszulage den würdigen Mann ihrer Gemeinde zu erhalten, was dieser mit Rücksicht auf seine für seinen neuen Berufskreis bereits eingegangencn Verbindlichkeiten abzulehnen sich veranlaßt fühlte. Das Scheiden war für beide Theile ein schweres, da während der 16jährigen segensreichen Amtsthätigkeit des Herrn Haas sich ein enges Band gegenseitiger Achtung, Liebe und Anhänglichkeit um ihn und seine Gemeinde geschlungen hatte. Mehrere, von Mitgliedern seiner Gemeinde und von Angehörigen seines RabbinatSbezirkes dem Herrn Rabbiner Haas vor seinem Abgänge überreichte, sehr werthvolle Geschenke, so wie ein sehr anerkennendes Schreiben des kurfürstlichen Vorsteheramtes der Provinz Niederhessen begleiten denselben als freundliche Zeugen der ihm hier zu Theil gewordenen Anerkennung, Liebe und Freundschaft an seinen neuen Bestimmungsort. Möge sein Wirken alldort ein eben so segensreiches sein und einer gleichen Anerkennung sich zu erfreuen haben! In dem niederhessischen Städtchen Borken rückte uulängst ein Israelit, Namens Rvsenbusch, dem dortigen Justizbcamten, von dem er sich in einer Rechtsangelegenheit verkürzt glaubte, in dem Zustande größter Aufregung vor die Thür in der Absicht, diesen zu ermorden, und verwundete einen herbeigerufenen Gensd'armen der Art, daß man Anfangs an dessen Aufkommen zweifelte. Der Mann ist vor einigen Jahren aus Nordamerika zurückgekommen, von wo er bedeutendes Vermögen mitgebracht haben solll, welches aber in unüberlegten Handelsspeculationen bald sehr zusammenschmolz. In seinem Benehmen zeigte sich stets viel Eraltirtheit, vielleicht eine Folge seiner amerikanischen Erlebnisse, so daß wohl eine Geistesstörung als das ursächliche Motiv seiner Verbrecherthat anzunehmen ist. Jetzt sitzt er in festem Gewahrsam und es wird nun darauf ankommen, ob die Aerzte ihn für zurechnungsfähig erklären. Am meisten ist die dem Manne erst vor ungefähr zwei Jahren angetrcjutc jugendliche Frau zu bedauern. Möchte doch dieser Fall aufs Neue dazu beitragen, die israelitischen Eltern darauf aufmerksam zu machen, daß bei der Verheirathung der Kinder doch auch noch andere Moinente als der bloße Geldpunkt zu berechnen seien. Es ist ein bedauerliches Zeichen der unter den Jsraeten der Gegenwart herrschenden verderblichen Zeitrichtung, daß die bloßen Geldheirathen jetzt bei ihnen mehr als je wieder im Schwange sind. Als Gott den Menschen zum ehelichen Leben bestimmte, war es schwerlich in Dessen Willen, daß das Heirathen das — bloße Facit eines Rechenerempels und die Ehe nichts als eine — Versorgungsanstalt sein solle. B. H. Preußen. Gleiwitz, 11. Januar. (Privatmitth.) In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes, No. 52., befindet sich eine Correspondenz aus Schlesien mit einer Notiz über hiesige Verhältnisse, einen so sonderbaren Jrrthum enthaltend, der nothwendig der Berichtigung bedarf. Es wird nämlich hervorgehoben, daß unter 12 Stadtverordneten 4 Israeliten gewählt wordeij, und darunter Hausbesitzer Fabisch gezählt, welcher aber ein achter Katholik ist und eS stets war. Thatsächlich aber sind für dies Jahr 4 Israeliten neu gewählt und 2 wiedergewählt worden. Die erstem heißen Dr. mell. Freund, Kaufmann Friedländer, Maurermeister Lubowsky, Tischlermeister H. Löwi; wieder gewählt sind Banquier E. Fränkl, Kaufmann H. Langer. Außerdem sind aus früherer Wahl noch 5 im Amt, so daß unter 36 hiesigen Stadtverordneten 11 Israeliten gezählt werden. Bemerkenswerth dabei ist noch, daß sämmtliche 11 der ersten Wahlabthcilung angehören; dagegen giebt es nur einen jüdischen Rathsherrn, Hrn. L. Wallner. Ferner sind hier 6 jüdische Dr. med. und 4 dergleichen Dr. pliil.j von letztem sind 3 an der Schule angestellt.' Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 4. Januar. Je mehr sich in der Geschichte der hiesigen Handelsakademie ein Princip ausprägt, desto näher liegt es, auch in diesen Blättern die Entwickelung dieser Angelegenheit zu verfolgen, und so geben wir hier einen desfallsigen Artikel aus der „Allg. Ztg.": „Mit der Vertagung der Eröffnung der Handelsakademie hat es, nach den heute an sehr zuverlässiger Stelle von mir eingezogenen Erkundigungen, die folgende Bewandtniß. Inhaltlich der bestätigten Statuten müssen der Director der Akademie und der Lehrer der Geschichte der katholischen Confesston an-

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