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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 48 (sequence 6)
Language
German
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48 nach Dem beurtheilen, was er leistet, und nicht nach Dem, was er glaubt! Aus Oberhessen in Kurheffen, im Januar. (Privatmitth.) In meiner Correspondenz in No. 37. der Zeit. d. Jud. habe ich gesagt, daß die Stellung der israelitischen Lehrer der Provinz Oberhessen Manches vor denen der übrigen Provinzen voraus habe; ich kann indessen nicht verschweigen, daß es, wie bei Allem unter der Sonne, auch an manchen Schattenseiten nicht fehlt. Jetzt will ich nur von einer derselben berichten. Die zur strengeren Jnnehaltung der Sonntagsfeier von Seiten des Staates ergangene Vorschrift, daß alle Amtshandlungen an den Sonntagen unterbleiben sollen, wurde hier auch auf die israelitischen Lehrer angewendet, so daß dieselben an diesem Tage keinen öffentlichen Schulunterricht ertheilen dürfen. Um nun aber an den wöchentlichen Unterrichtsstunden nichts abzukürzen, wurden die früher am Sonmag abgehaltencn auf die übrigen Tage vertheilt, wobei zwei Stunden auf den Samstag kommen. Da aber die meisten Lehrer am Sabbath auch zugleich die Vorsängerfunctionen zu verrichten und meistens auch in einer oder gar mehreren Chebroth Vorträge zu halten haben und so an diesem Tage schon vollauf und auf anstrengende Weise beschäftigt sind, so können durch die Verpflichtung, allsabbathlich zwei öffentliche Unterrichtsstunden abhalten zu müssen, sie in ihrer Arbeitskraft nur überbürdet werden. Und das am Tage der Ruhe! Daß am Sabbath auch die Schüler keine allzu große Lernlust mit in die Schule bringen, ist leicht begreiflich. Es wäre daher sehr wünschenswerth, wenn von dieser Einrichtung wieder Abstand genommen würde. Freilich hat ein ganz schulfreier Wochentag in jeder Woche auch sein recht Angenehmes, vermag aber jene Schattenseite nicht aufzuwiegen. Mancher mag freilich denken: “p-1 ri8 N2N bis nna aai N72 fnisn ‘tbjn 272, das heißt zu Deutsch: „Es wäre schön, den Sabbath und den Sonntag frei zu haben!" Aus der Provinz Fulda lassen sich von Seiten der Schochtim, resp. der Lehrer, welche zugleich Schochtim sind, Rothrufe hören. Es ist aber kein Nothgeschrei nach Brot; das würde nichts Auffallendes haben, da man sich in den Theuerungsjahren ja schon an dergleichen gewöhnt hat. Es ist ein Nothgeschrei nach — Messern! Der dortige Provinzialrabbine, Herr Dr. Enoch, der übrigens wegen seiner tüchtigen Kanzelberedsamkeit und seines Glaubens- und Amtseifers in seinem Sprengel sehr beliebt ist, muß nämlich ein Mann heroischen Muthes sein, weil er es wagt, gegen schlachtenbewährte Schwerter zu Felde zu ziehen. Den alten Militärsäbeln wird bekanntlich, nachdem sie in zahlreichen Schlachten in der Menschenschlächterei Großthaten -geübt haben, sehr oft das Loos zu Theil, in die Hände der Schochtim zu gerathen und da als Schächtmesser Jnvalidendienste thun zu müssen. Dieses will aber Herr Dr. Enoch ferner nicht dulden. Zu Schächtmessern sollen in Zukunft nur von vornherein eigens hiezu, also niawb, gearbeitete Messer verwendet werden dürfen. Die Sache hat ihre sentimental-religiöse Seite. Ob diese bestimmend war, ist nicht bekannt; aber das ist bekannt, daß auf Ausführung der neuen Vorschrift mit Strenge gesehen wird. Ein Lehrer, der (da die neuen Chalofin sehr theuer sind) bei der Prüfung in der Noth, die oft erfinderisch, aber nicht immer aufrichtig macht, sich des Messers eines Andern bedient und dieses für das seinige auSgegebeu hat, soll dieserhalb auf einige Zeit als Schochet dispensirt worden sein. In Fulda wird dem längst gefühlten Bedürfnisse eines der Zeit so wie den numerischen Verhältnissen der dortigen Synagogengemeinde entsprechender» Gotteshauses nunmehr durch einen bereits vor geraumer Zeit in Angriff genommenen Synagogenbau abgeholfcn. Der Zug aus der alten, nunmehr abgebrochenen Synagoge in das provisorisch eingerichtete Betlocal fand auf sehr feierliche Weise statt, wobei jedes Gemeindeglied eine brennende Wachskerze trug. Durch den Abgang des Kreiörabbiners Haas von Hofgeismar als Rabbiner näch Freudenthal im Königreich Württemberg hat die Synagogengemeinde Hofgeismar einen Verlust erlitten, der für dieselbe nicht so leicht wieder zu ersetzen sein wird. Herr Haas ist nicht nur ein sehr würdiger Geistlicher, der mit tüchtigen talmudischen Kenntnissen die entsprechende akademische Bildung verbindet, sondern auch, was weniger häufig ist, ein ausgezeichneter Schulmann und hat die dortige israelitische Gemeindeschule, an der er einen Theil des Unterrichts zu versehen hatte, während seiner 16jährigen Amtsthätigkeit auf einen schönen Standpunkt gebracht. Seine Verdienste wurden auch von den dortigen Gemeindeangehorigen

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