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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 47 (sequence 5)
Language
German
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47 vollkommen gerechten Grund, seines Dienstes entlassen hat. Rabb. Dr. Levi.*) Darmstadt, 7. Januar. (Privatmitth.) Die „Fr. P. Z." läßt sich von hier aus schreiben: „Die Frage, ob eine Ehe zwischen Christen und Israeliten statthast sei, wird immer praktischer, da die Scheidewand immer niedriger wird. Im vorigen Jahre wurde ein Israelit, welcher, aus Nordamerika zurückkehrend, sich in einem unserer Stadt nahen Dorfe niederließ und sich dort mit einer Jüdin verheirathete, wegen Bigamie in Untersuchung gezogen, weil er während seines Aufenthalts in Nordamerika in dem Staate Maine schon eine Ehe eingegangen habe. Da das Mädchen, welches er dort geheirathet haben sollte, eine Christin war, so machte sich, der Anschuldigung gegenüber, die Frage geltend, ob diese Ehe gültig abgeschlossen worden sei? Die Jüristenfaeultät in Gießen sprach sich in einem Gutachten dahin aus, daß diese Ehe nach dem in unserer Provinz geltenden Rechte, das hier entscheidend sei, nichtig sei, weil es Ehen zwischen Christen und Israeliten nicht erlaube. Die Folgerung besteht darin, daß von einer Bigamie keine Rede sein könne, weil nur Der dieses Verbrechen begeht, „welcher bei noch fortdauernder gültiger Ehe eine neue Ehe schließt." Wohl noch aus andern Gründen wurde neulich die Untersuchung niedergeschlagen." Hannover, Januar. (Privatmitth.) Wie auch wir bereits mitgetheilt haben, findet das neueste Werk Julius R o d e n b e r g's „Ein Herbst in Wales" großen und ungetheilten Beifall bei dem Publikum und der Kritik. WaS uns zuerst für das Buch interessirte, ist die schöne Weise, in welcher Rodenberg *) Der hochgeschätzte College fragt zugleich an, ob uns jüdische Schriften oder Schriften von Juden für jüdische Sträflinge zum Lesen für sich und unter einander bekannt sind? Diese Frage ist schon mehrere Male an uns gerichtet worden, und wir können sie nur dahin beantworten, den Sträflingen eine gute deutsche Uebersetzung der Bibel, von Juden verfertigt, in die Hand zu geben. Besondere, zu diesem Zwecke verfaßte Schriften sind uns nicht bekannt. Die Erklärung der Sprüche der Väter von vr. Meisel ist, so trefflich an sich, doch für Menschen dieser Classe in zu hohem Style abgefaßt. Populäre Predigten könnten ebenfalls zweckdienlich erscheinen. Würde Jemand noch irgend etwas hierzu empfehlen können, so würden wir anpassende Bemerkungen gern annchmen. Die Redaction. zu Anfang seines Buches sagt: „Ich bin ein Jude und ich widme mein Buch einer Jüdin!" Mit diesem Worte stellt sich Rodenberg auf den einzig möglichen Standpunkt, den er — als Jude — den christlichen Zügen in der walisischen Sagendichtung und Sittenbildung gegenüber einnehmen konnte. Daß aber die christlichen Parteiblätter von diesem Worte einen eben so unehrlichen als unanständigen Gebrauch machen würden, ließ sich voraussehen und darf uns nicht wundern. Wolfgang Menzel eröffnete in seinem „Literaturblatt" den Reigen. Es heißt darin: Warum sich Rodenberg mit so gar großem Abscheu von einem verlassenen Priestercolleg und von dem „Modergeruch , ein abgestandenes Pfaffenthum aus dessen Dunsthöhlen" abwendet (S. 73.), würden wir nicht begreifen, wenn nicht schon die Dedication „an eine Jüdin" uns orientirt hätte! — Die „Berliner Revüe" des Grafen Pinto (bekanntlich Organ des Johanniterordens) eröffnet ihre Recension des R.'schen Werkes — an dem sie freilich so wenig als Menzel's Literaturblatt umhin kann, seinen culturgeschichtlichen Werth anzuerkennen — mit den Worten: „Der Verfasser ist Jude" — und behauptet dann aus diesem Grunde, daß er gar nicht fähig sei, christliche Sitten re. zu schildern. — Gegen diese und ähnliche Ausfälle erheben sich in der vorurtheilsfreien Presse aber schon gewichtige Stimmen. So sagt unter Andern! Schmidt-Weißenfels in den trefflichen zu Prag erscheinenden „kritischen Blättern für Literatur und Kunst" (No. 13.): „Die Berliner Revüe und die K r e u z z e i t u n g haben freilich ihre Grundsätze in Betreff der Juden; aber wir glauben, daß eine derartige Behauptung eben so ungehörig als ungerecht ist. Wie Rodenberg, als Jude, einen Ostersonntag beschrieben hat, so können sich die Christen ihn wohl gefallen lassen, um so mehr, als von dessen kirchlichem Charakter gar nicht die Rede ist und die Berliner Revüe gar keinen Grund hatte, ihr evangelisches Gewissen beunruhigt zu fühlen." — Aber nicht blos die Kritik bemüht sich, solche läppische Angriffe zu Widerlegen: erst in diesen Tagen erhielt Herr Rodenberg in Anerkennung seiner poetischen Leistungen ein kostbares Tintenfaß als Geschenk von — Ihrer Durchlaucht, der Fürstin von Nsenburg und Büdingen, geb« Prinzessin von Hanau! Es scheint doch mithin, als ob es auch in den höchsten Kreisen der Gesellschaft noch Personen gäbe, die den Mann

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