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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-11 · Heft 3 (11.1.1858) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 3 (11.1.1858)
Date
1858-01-11
Page
Seite 40 (sequence 10)
Language
German
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40 ununterbrochenes Fasten kranke zu der im Wagen fitzenden Dame und sprach: So lebe denn wohl, theuerste Ester, gedenke meiner ermahnenden Worte, die ich Dir noch als Kind gegeben, bleibe treu dem heiligen Glauben, lasse Dich nicht verführen im Lande der Apekoosem, und komme nicht schlechter heim, wie Du heute bist. Wir neigten uns zurück, reichten jenem bigotten, sonst sehr braven Manne die Hand und so ging es vorwärts über Berg und Thal, in Betrachtungen vertieft. Die Pferde liefen im schnellsten Trabe bergunter, immer auf der Landstraße weiter. Vergebens suchten wir die Rebhügel der Hegyalja, vergebens den ernsten und doch freundlich sich bewegenden Magyaren, immer häufiger wurde die slavische Physiognomie, die langen Haare der Männer, die aus den Röcken hervorschauenden 921*$ rnD32, die kurzen Hörner der Ochsen und Rinder sagten uns, daß wir in Galizien sind. Schon fing die Buche und Birke uns zu verlassen und Gestrüpp uns zu begleiten an, schon war die sonst nicht gute, doch mittelmäßige Straße zu einer Einöde geworden, schon hingen wir am Felsen und glaubten in einen Abgrund zu stürzen, als die Sonne sich neigte und unser Kutscher zu überlegen anfing f wo er zu übernachten habe. Es wären noch einige wenige, doch gefährliche Stunden zu fahren gewesen, bis wir ein gutes Wirthshaus erreicht haben würden; um uns jedoch keiner Lebensgefahr auszusetzen, entschlossen wir uns, in Csertisne, einem Dorfe, inmitten der Karpathen gelegen, Halt zu machen. Das Elend, welches sich hier überall zeigte, machte auf uns einen niederschlagenden Eindruck; Schuhe werden hier zu Lande nur als Lurusartikel angesehen, der gemeine Bauer und die israelitische Jugend geht barfuß einher; sahen wir doch Säuglinge ohne Kleid und Hemdchen, nackt, so wie sie Gott geschaffen, umher tragen. Dörfer, wie unter andren Csertisne, Mesce Labore, welche wir berührten, werden von 4 bis 5 ü’OJ'e Israeliten bewohnt, welche sich nothdürftig ernähren und meistens Ackerbauer, Wirthshäusler oder Fruchthändler sind. So ging es vorwärts durch Berg und Thal, oftmals durch steile Höhen und tiefe Abgründe; nur selten bemerkt man einen Hirten, der sich am Kohlenfeuer erwärmt; selbst die Pflanzenwelt zeigt sich öde und einförmig, Tannen, Weiden und Wolfsmilche, wovon letztere eine ungewöhnliche Höhe erreichen, ersetzen unsere Eichen, Buchen und Herbstblumen. Als wir Abends nach Csertisne gelangten, sagte man unS deutsch heraus, daß hier weder Quartier noch Nachtmahl zu bekommen sei. Unser Kutscher fuhr nun tüchtig darauf zu und bald kam ich nach Cheremehe. Cheremehe ist ein stilles, im Karpathengebirge gelegenes Dorf, in welchem ein Jude wohnt, der uns freundlich aufnahm. Die Wirthin bereitete uns etwas saure Suppe und erzählte von ihrem einsamen Leben im Gebirge, wie oft fie von Wölfen und wilden Schweinen heimgesucht werde und empfahl uns für diese Nacht die größte Vorsicht. Noch graute der Morgen, als wir von dannen fuhren. Nicht ohne Bangigkeit unternahmen wir die Fortsetzung der Reise, doch ging es besser, als wir erwartet hatten. Zwar war der Weg noch herzlich schlecht, doch die Hoffnung verließ uns nicht. Die verschiedenen Dörfer, welche wir heute berührten, zeigten noch mehr Elend und Armuth, als die gestern durchflogenen. Hier stehst Du eine muntere Zigeunergruppe, die singend und scherzend jeden Fremden begrüßt, dort ein Judenmädchen, ohne Schuhe und Strümpfe, hier fahren jüdische Fuhrleute, welche Nüsse nach Galizien führen, dort eilen an uns Landsleute vorbei, die vorn heiligen Rebben kommen und uns befragen, ob wir die heilige Täg in Sandec zubringen werden. Gegen Mittag kamen wir nach Dukta, einem Städtchen, an der ungarischen Grenze gelegen, mit 4000 Einwohnern; es hat ansehnlichen Handel mit galizischer Leinwand, ungarischen Weinen und Trüffeln, und ist seit Kurzem ein Stapelplatz des ungarischen Verkehrs mit Galizien. Noch nie habe ich in einer Stadt eine solche Ueberzahl von Juden im Vergleich zu der christlichen Bevölkerung angetroffen, wie hier in Dukla. Wohin Du blickst, siehst Du Kinder unseres Volkes. Dort steht ein junges vierzehnjähriges Judenweib, sie trägt ein kurzes, weißes Hemdchen, ein niedliches Häubchen, vor das sie ein Atlasband in ziemlicher Breite gelegt hat, um täuschend das Haar der Mädchen nachzuahmen; die mit Diamanten verzierten Ohrgehänge, welche vor der Haube und in den Ohren herabhängen, verleihen der schwarzäugigen Jüdin einen besondern Reiz. Dort eilen an uns Männer vorüber, die mit rpbü und *p!psri versehen, aus dem Veth Hamedrisch kommen. Dort steht ein kleiner Chassiv im Bekeschell (Rock), Schlappe! (Mütze) und Lab ze dakel (rViL^2 22^) gehüllt, welcher sich einige Kreuzer erbettelt und auf Verlangen der Umstehenden nach Herzenslust tanzt; hier siehst Du einen Gepäckträger im chasfidischen Gewand, ein Lied-

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