Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1858)
- Date
- 1858-01-11
- Page
- Seite 41 (sequence 11)
- Language
- German
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41 chen vor sich hinfingend, neben ihm steht ein jüdischer Kaufmann, der ihn zum Fleiß ermahnt. Hier siehst Du Israeliten jeden Schlages, Schuster, Schneider, Schmiede, Bäcker, Händler rc. in bunten Reihen auf dem Markte, Alle, um mich in der Sprache der Polen auszudrücken, ehrliche Juden, treue Anhänger der heiligen Rebbes. Wie man mir erzählt, giebt es in Dukla große jüdische Kauf- Uitte und ist das Handelshaus Weinberg und Horovitz sehr renommirt. Dukla ist dermalen ohne Rabbi; die eine Partei möchte einen hochdeutschen Rabbinen anstellen, die andre hingegen einen Chasfid. Auf ein Mittagsmahl mußten wir auch heute verzichten, da unser Wirth ohne koscheres Fleisch war. Wir kehrten darum in den Alas zurück und verzehrten hier unsern mitgenommenen Braten. Wir begegneten hier den verschiedensten Physignomien. Dort siehst Du einen langbärtigen Mann mit weißem Haar, in Bekeschell, Schlappet, langem Lab ze dakel, welcher sich mit russischen Osficieren unterhält, die von ihm nach Lemberg gefahren sein wollen. Der jüdische Fuhrmann giebt den Mäklern Schmusgeld, und eilt mit seinen Passagieren von dannen. Demuthsvoll neigt sich mir ein altes Mütterchen in goldener Haube, sie reicht mir zitternd ihre Hand und eilt freudetrunken zu den Ihrigen. Dort steht ein junges Weib mit Zwetschen und Birnen, bietet selbige an und erzählt von dem Fortschritte des Chassidismus, vom häufigen Wallfahren der Deutsch - Magyaren nach den Städten Sandec und Berepolya. Daß in Dukla von Volksschulen keine Rede sein kann, brauche ich kaum nach dem so eben Gesagten auseinanderzusetzen; der immer mehr um sich greifende Chasfidismus läßt deutsche Bildung nimmer aufkommen und tritt dem Schulwesen feindlich entgegen. Leider verbergen die hier lebenden Deutschen unter dem deutschen Hut oftmals so viel Unreligiosität, daß dadurch der unwissende Pole von jedem Fortschritte in Schul- und Synagogenwesen ab geschreckt wird. Gegen 1 Uhr verließen wir Dukla, und setzten unsre Reise fort. Es war ein kalter, stürmischer Tag, der Himmel klar und wolkenlos. Wir berührten im Fluge mehrere Dörfer, unter andren den Marktflecken Zmigrod, in welchem sehr viele Israeliten wohnen, die von Leinwandhandel und Fischen leben und deren Rabbi das Verdienst hat, die rntfg zu pflegen; Solche seiner Gemeinde, welche das Lockenhaar in der Nähe der Augen abscheren, werden in den Bann gethan. Es waren mehrere Stunden verflossen, bis wir gegen Abend Jaslo erreichten. Jaslo ist eine Bezirkshauptstadt mit 2600 Einwohnern und sehr schön gebaut. Als wir durch Dukla fuhren, sahen wir auf den Straßen nur Juden und Finanzbeamten; hier sind die Israeliten sehr selten zu treffen, nur hie und da siehst Du einen im Waffenrocke stecken. Wie wir hören, ist den Israeliten dahier bis auf wenige Familien der Aufenthalt untersagt. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Die hiesige Elementarlehrerstelle, verbunden mit einem Gehalte von 200 Thlrn. jährlich, nebst freier Wohnung und Holz, ist vacant, und soll sofort besetzt werden. Qualificirende wollen sich sogleich in portofreier Einsendung ihrer Prüfungs- und moralischen Zeugnisse beim Unterzeichneten melden. Bemerkt wird noch, daß derselbe außer den von der Königlichen Regierung festgesetzten 6 Stunden Elementen auch noch 2 Stunden Hebräisch täglich ertheilen muß. Tirschtigel, den 1. Januar 1858. Der israelitische Schulvorstand. Die israelitische Gemeinde Binningen, Regierungsbezirk Coblenz, sucht bis zum 1. März k. I. einen Elementarlehrer, der fähig ist, sowohl im Deutschen als im Jüdischen Unterricht zu geben, und welcher zugleich das Vorbeten in der Synagoge übernimmt. Der Gehalt ist nebst freier Wohnung auf 180 Thlr. für das Jahr festgesetzt. Reflectanten wollen sich baldmöglichst an Herrn S. Kaufmann in Lutzerath wenden. Die hier erledigte Prediger - und Religionslehrerstelle, welche mit einem Gehalt von 500 Thlrn. verbunden, soll wieder besetzt werden. Akademisch gebildete, mit der Qualification einesMabbiners ('i 'rV-inin) versehene Bewerber wollen sich gefälligst unter Beilegung ihrer Zeugnisse baldigst bei dem Unterzeichneten Vorstand melden. Culm, im December 1857. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. B. L. Gabriel«. H. PlonSker. B I. Meyer. Die Stelle eines Schächters, Vorbeters und Religionslehrers, verbunden mit einem jährlichen Einkommen von circa 400 Thlrn., soll bei unserer Gemeinde entweder sofort, oder zum 1. April 1858 besetzt werden. Qualificirte Bewerber wollen sich unter Darreichung ihrer Zeugnisse persönlich an uns wenden. Reisekosten werden nicht vergütigt. Züllichau, im December 1857. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde»