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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-11 · Heft 3 (11.1.1858) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 3 (11.1.1858)
Date
1858-01-11
Page
Seite 39 (sequence 9)
Language
German
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39 schon unglücklich genug, daß Verfügungen solcher Art so lange gedauert, daß man nicht früher schon die Abschaffung gewünscht; man hatte aber nicht daran gedacht. Der Präsident will den Antrag auf die Tagesordnung des folgenden Tages bringen, worauf Herr Tourte sich nochmals erhebt. Es ist nichts Unrechtes, nichts Intolerantes, Bürger anderer Länder, die daselbst kein Recht haben, als Genferbürger aufzunehmen, während es sehr unwürdig und intolerant von unserer Civilisation wäre, einem Menschen den Titel und die Vorzüge eines Bürgers unseres Landes aus religiösen Gründen zu versagen. ES ist nicht zu verwundern, daß Franzosen nicht wie Schweizer behandelt werden; befremdend ist es aber, daß Ausnahmen auf religiösen Motiven ruhen. Wiederholt glaube ich, daß es besser wäre, ungesäumt zur Abstimmung über dm gemachten Antrag (von Vuy) zu schreiten. Es handelt sich um eine Lücke, die uns angedeutet worden ist und ich danke dem Herrn Vuy, die Bemerkung davon gemacht zu haben; wir wollen diese Lücke ausfüllen, und unser Beschluß hat die nämliche Kraft, als würden wir ein besonderes Gesetz daraus machen, daS sich in die Länge ziehen und Unkosten verursachen würde. Der Antrag von Herrn Vuy wurde mit einer großen Stimmenmehrheit angenommen. Nicht eine einzige Stimme that sich gegen die Juden auf. Einige Tage darauf wurde allen Israeliten, die 1816 in Carouge gewohnt, das Bürgerrecht gratis angeboten. Es wäre zu wünschen, daß die Regierungen der übrigen Cantone der Schweiz vom nämlichen Geiste der Toleranz beseelt wären, gewiß würde die anstößige Clausel im Vertrage mit Amerika bald gelöst sein. Unsere Israeliten zeigen sich seit jüngerer Zeit sehr thätig und eifrig in Beziehung der Religion. Die Herren Jules Blum, Wolf und Nordmann sind an der Spitze, ttiisere Interessen zu wahren; wackere Männer, die ihre Aufgabe mit Pflicht erfüllen. Die Sorge des religiösen Unterrichts ist meiner Leitung übergeben und obschon bei diesem wichtigen Gegenstand mir noch Manches zu wünschen übrig bleibt, so gebe ich dennoch die Hoffnung nicht auf, meine Anstrengungen mit guten Früchten belohnt zu sehen. Wir verdanken den Herren Jules Blum und Bloch, Opticien, eine wohlthätige Gesellschaft, Lveiete de bienfaisance du secours mutuel; die Statuten, die uns genannte Herren sogleich dazu auSarbeiteten, verdienen allgemeine Anerkennung. Unsere Synagoge ist im Bau begriffen, nach dem Plane verspricht sie recht schön zu werden*). Nicht unerwähnt kann ich lassen, daß unsere Damen, durchdrungen von einem frommen Gefühle, ebenfalls ihr Scherflein zur Verschönerung des Tempels beitragen wollen, zu welchem Zwecke sie eine Gesellschaft unter der prssidence der Mad. Wolf gebildet und eine Lotterie veranstaltet haben, deren Ertrag erwähntem Zwecke gewidmet wird. I. Gröner. Correfpondenz. Meine Reise über Galizien nach Deutschland. Von Jsaae Rosenmeyer, Oberlehrer in Homonna. I. „Steht auf zu schrie mit einer Baßstimme der ibüib und klopfte gewaltig an unser Fenster. Es war eine kalte Herbstnacht, die Lust wehte kühl durch die Fensterscheiben, und unsere ^tadt glich heute einer galizianischen Iudenstadt. War man doch in aller Frühe aus den Dörfern der Umgegend in die Stadt gekommen, um den heutigen Fasttag in der Mitte der Frommen zuzubringen und hatte doch Rebbi Elisch, zwar noch ein kleiner Heiliger, aber immer noch größer, als der kleinste, eine Fastenpredigt zugesagt. Anstatt in die Synagoge zu gehen, packten wir ein und um 6 Uhr war der jüdische Fuhrmann Mordchai, ein kleines Männlein, vor unserer Thüre und bald rollte unser Wägelchen, bespannt mit ungarischen Pferden, davon. Die Lust war ein wenig feucht, es hieß sich darum gut einhüllen. Nur hier und da begegneten uns Bauernweiber, welche Eier auf den Markt, und rrns? in bunten Tüchern auf dem Rücken trugen. Unsre Pferde liefen gut, noch besser aber Rebbi Elisch; denn ehe wir uns versahen, stand der ijn der Gemeinde und noch andre Wallfahrer vor unsrem Wagen. Wir waren guten Muthes, nicht so unser Kutscher. Da sich der Arme ganz allein glaubte, nahm er heimlich einen Schluck Branntwein, war jedoch nicht wenig überrascht, als er sich von „guten Jüden" umgeben sah, die ihm mit Donnerworten den heutigen Fasttag ins Gedächtniß zurückriefen. Wie ein geisterhaftes Wesen bog sich der durch *) Eine kräftige Stütze unserer Baucommission ist Herr Simon, vireeteur de la banque generale Suisse. 3

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