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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-11 · Heft 3 (11.1.1858) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 3 (11.1.1858)
Date
1858-01-11
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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35 gen stets zu den Zwecken des geistlichen Redners gehören muffen. Wir sagen es offen: die alte Draschah muß überall verdrängt werden, weil sie das Product der Geschmacklosigkeit, der Geistesrohheit und des Mangels an aller wahren religiösen Innerlichkeit ist; aber die Draschah nach den oben gezeichneten Lineamenten, ein eigenthümliches Erzeugniß der jüdischen Homiletik, bietet ein neues Feld der Bearbeitung dar, welches unter rechter und genialer Pflege ausgezeichnete Blüthen und Früchte treiben kann. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, im Januar. Während nunmehr der dritte Band des „Siloah", Predigtsammlung des vo. Philippson, im Druck vollendet ist, ist die erste Auflage des ersten Bandes (1000 Erempl.) so vergriffen, daß eine zweite Auflage desselben veranstaltet werden muß. Für jüdische Predigten eine seltene Erscheinung! Magdeburg, im Januar. Phönizische Studien, von Di-. M. A. Levy, Breslau 1857, 2. Heft. Der Vers, setzt seine verdienstlichen Arbeiten fort, theils um gewonnene Resultate zu befestigen, theils neue vorzubereiten. In dem vorliegenden Hefte prüft er anderweitige Inschriften mit altsemitischer Schrift, um weitere Schlüsse über das Princip und das Vaterland unsrer Schrift zu ziehen. Eine Erklärung sämmtlicher neuphönizischer Schriften schließt sich daran, um einen Einblick in die jüngste Gestaltung der phönizischcn Schrift und Sprache zu gewähren. Die Abhandlung gegen Ewalv, so viel Begründetes sie enthält, hätte in ihrer Fassung doch ruhiger und milder sein sollen. Wir sehen dem dritten Heft mit Spannung entgegen, da der Vers, in demselben die feste Begründung seiner Ansicht über die altsemitische Schrift zu geben verspricht. Nicht an den Pflegern der neuhebräischen Literatur liegt es, wenn dieselbe nicht den Grad der Vergünstigung findet, auf welchen sie Anspruch hätte. Vor uns liegt das 22ste und 23ste Heft der Kochbe Jizchak des unermüdlichen M. E. Stern in Wien; eben so das 3. Heft des Jeschurun von Joseph Kobak in Lemberg. Diese Hefte zweier verschiedener Sammlungen, von denen die erste mehr einen gemischten, letztere einen strengeren Charakter hat, enthalten sämmrlich viel Gutes und Beiträge von unsren besten hebräischen Prosaikern und Poeten. — Als ein schönes Erzeugniß der neueren hebräischen Poesie, und zwar welches weniger auf Nachahmung moderner Dichter hinausläuft, sondern auf selbstständigen Füßen steht, wenn man ihm auch hier und da einen höheren Schwung der Sprache und mehr dichterische Fülle wünschen sollte, ist das epische Gedicht des Herrn Hermann Wassertrilling über die Thaten des Propheten Elischa in 9 Gesängen mnft, Breslau 1857. — Mögen die Opfer, mit welchen der Fortbau dieser Literatur von seinen Förderern erkauft wird, wenigstens durch gegenseitige Anerkennung belohnt werden! — The ancient melodies of the liturgy of the spanish and portuguese jews. Harmonired byEmanuelAguilar. Preceded by an historical essay on the poets, poetry and melodies of the sephardic liturgy, by the Rev. D. A. De Sola, ministre of the spanish and porluguese congregation of jews, bevis marks, London, 1857. (Preis 7 Schilling.) Die jüngste Zeit hat eine Menge von Bearbeitungen der Melodien der deutschen Synagoge gebracht. Um so mehr müssen wir das vorliegende Werk, welches 70 Melodien der spanischen Synagoge, in Harmonie gesetzt, darbietet, hervorheben. Wenn auch wohl die Hälfte der Gebetstücke, deren Melodien hier erscheinen, in der deutschen Synagoge nicht angewendet wird, so bietet doch die Gesammtheit der Gesangstücke einen großen Schatz für Synagogalmusik und wir empfehlen daher aufs Dringendste dieses Werk unsren Cantoren und Musikleitern zu eifrigstem Studium. Die Melodien haben sämmtlich einen tiefen Charakter, der zwar weniger beweglich und leidenschaftlich als der der polnischen Melodien ist, aber gerade dadurch dem neueren Geschmack in der Synagoge mehr zusagt. Unser Publikum wird sich auch eher eine Entlehnung daraus gefallen lassen, weil die Autorität einer großen Synagoge dafür spricht. Einige dieser Melodien sollen noch älter sein als die Niederlassung der Juden in Spanien, die größere Zahl ist in Spanien entstanden, andere später. Ein leeha dodi hat eine ältere Melodie als dieses Lied selbst. Die Melodien zum Halle! sind höchst beachtenswerth; eine Melodie, die an den letzten Festtagen gesungen wird, La Despidida (Lebewohl) genannt, ist sehr bedeutend. Einige Gesänge tragen den maurischen Styl. Die jüngsten sind anderthalb Jahrhunderte alt. In der Einleitung giebt Herr de Sola genauen Bericht über die Gebet- und Gesangstücke und fügt eine englische Uebersetzung der ersteren hinzu. Wir halten jedenfalls dieses Werk für eine große Bereicherung unsrer liturgischen Musik.

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