Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1858)
- Date
- 1858-01-04
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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seres gleichnamigen Institutes angezeigt, welche zwar nicht, wie dieser Bericht lautet, in den ersten Tagen, sondern wegen der verzögerten Baulichkeit an den Schullocalitäten erst am 15. November stattfinden konnte. Ich hätte nicht gezögert, dieses' wichtige Factum Ihrem geschätzten Blatte sogleich mitzutheiten, wenn ich nicht einige Zeit hätte abwarten wollen, bis Alles recht in Gang und Geleise gebracht sein wird, um Ausführliches über Plan und Einrichtung berichten zu können. Ich nannte die Eröffnung dieser Anstalt ein wichtiges Factum; denn als solches ist es schon in so fern anzusehen, als wir darin einen neuen Beweis der väterlichen Fürsorge unseres erhabenen Monarchen auch für seine israelitischen Untcrthanen erblicken. Wie ganz anders verhält es sich mit diesen Schulen, als mit jenen, die im vorigen Jahrhunderte von einem andern hochherzigen Regenten unseres großen Kaiserstaates begründet wurden. Damals sollte der österreichische Jude der europäischen Bildung zugeführt und für das bürgerliche Leben herangereist werden; die hebräische Sprache blieb vom Unterrichte gänzlich ausgeschlossen. In den neuen vom Staate begründeten Schulen soll aber diese Sprache ein vorzüglicher Factor für die religiöse und sittliche Bildung der israelitischen Jugend werden. Diese väterliche Absicht der hohen Regierung giebt sich schon in dem Umstande kund, daß an jeder der neu begründeten israelitischen Musterhauptschulen eigene Lehrer für das hebr. Sprachfach angestellt wurden. Und in der That, sollen diese Anstalten sich ihres Namens als israelitische Musterhauptschulen würdig machen, so muß dem Unterrichte in der heiligen Sprache und dem heiligen Gottesworte vorzüglich Rechnung getragen werden. Daß unsere Schwesteranstalt in Pesth sich dieser Aufgabe bewußt ist, dafür bürgt die tüchtige Leitung und die vorzüglichen Lehrkräfte, die für dieselbe gewonnen wurden. Wie sehr auch wir dieses Ziel vor Augen haben, mag der Umstand beweisen, daß wir dem hebräischen Sprachunterrichte 35 Stunden wöchentlich einräumten und daß nebst dem für dieses Fach angestellten Lehrer sich auch drei Classenlehrer daran betheiligen. Die Eröffnungsfeierlichkeit wurde eben so wie in Pesth durch Se. Hochwürden, den um das hierländische Schulwesen hochverdienten k: k. Schulrath Kümmer mit einer herzlichen Ansprache eingeleitet. Einige entsprechende Choräle und Gelegenheitsreden, so wie Vas prächtig decorirte und mit den Bildnissen Sr. Majestät deS Kaisers und Sr. Ercellenz unseres Herrn Civil- und Militärgouverneurs gezierte Schullocal gaben der Feierlichkeit die angemessene Weihe. Auch unsere Cultusgemeinde hat sich rühmliche Verdienste um diese Anstalt, namentlich durch die Herstellung entsprechender Locale und der nothwendigen Schulgeräthe und Lehrmittel erworben; auch wir besitzen in unserer Mitte vorzügliche Schulfreunde, von denen ich besonders die Herren M. S. Magyar und Alb.'Roth namhaft mache. Doch zählen auch wir leider solche Mitglieder im Schoße der hiesigen Gemeinde, die, wie Ihr Pesther Berichterstatter meint, statt Schulzimmer Waarenniederlagen angelegt wissen möchten, weil sie ohne den Besitz der Schreib¬ und Lesekunst dennoch zu ihrem gegenwärtigen Geldbesitz gelangt sind.*) Was den Lehrplan und die innere Einrichtung unserer Musterhauptschule anbelangt, so behalte ich mir vor, um heute meinen Bericht nicht zu sehr auszudehnen, in einer nächsten Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift darüber Mittheilung zu machen, und glaube, daß dieselbe vielen der geehrten Leser nicht unwillkommen sein wird. Ich kann meinen Bericht nicht schließen, ohne noch zweier jüdischer Schulen zu erwähnen, die sich in unserem Kronlande eines besondern guten Rufes erfreuen und denen von Seiten der Vorgesetzten Behörden volle Anerkennung zu Theil wird; es sind dies die israelitische Hauptschule zu Baja und die dreiclassige israelitische Schule zu Gr. Becskerek unter der Leitung des rühmlich bekannten Rabbiners David Oppenheim und deö Oberlehrers Herrn S. Pleß. Und so beende ich für heute meinen Bericht über unsere Schulanstalten mit den Worten des Propheten, mit welchen der ehrwürdige Prediger Herr Bach in Pesth die Weihrede bei Gelegenheit der Eröffnung der dortigen k. k. Musterhauptschule schloß: nnn 'n riNTi rm imiasi na» rrn 'rinn. A. Kohn, k. k. Musterhauptschulen-Director. Großbritannien. London, 13. December. Es ist aus den öffentlichen Blättern bekannt, daß schon in der kurzen, au- *) Wir glauben, daß die gegenwärtige Krisis in der Handelswelt sie eines Bessern belehren könnte.