Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1858)
- Date
- 1858-01-04
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Gemeinde auf einen grünen Zweig bringen werden. Wir meinen nicht etwa, daß die Ausgaben vermindert werden, um ein übelverstandenes Sparsystem einzuführen, sondern daß die Einnahmen vermehrt werden, und die Mittel dazu sind bald gefunden und ist keine Opposition zu fürchten. Auf eine eigenthümliche Erscheinung muß ich bei dieser Wahlangelegenheit aufmerksam machen. Die sogenannte orthodore Partei hier hat keinen Candidaten aufgestellt und ist für keinen eingestanden. Selbst der Candidat dieser Partei, der von Seite des Vorstandes empfohlen wurde, weil man dieses Element vertreten wissen wollte, erhielt nicht die genügende Anzahl von Stimmen. Gelegenheitlich sei bemerkt, daß wiederholenllich ein Erlaß von Seite der Behörden erftoffen ist, des Inhaltes : daß die beiden Fraktionen, die polnische und die sich nennende orthodore, sich zu vereinigen haben. An demselben Tage, wo das Scrutinium der Vorstandswahl stattfand, erlitt der Vorstand einen sehr bedeutenden Verlust. Der Herr Beirath Israel Mauthner, k. k. Großhändler, starb an diesem Tage. Es war ein Mann voll Ehrenhaftigkeit der Gesinnung und Biederkeit des Charakters. Die letzte Zeit, die in der kaufmännischen Welt so sehr die Schlacken aufdeckte, stellte die Solidität dieses Hauses in das rechte Licht. Ergreifend war die Rede Mannheimers am Grabe des Hingeschiedenen, um so ergreifender, da das Lob, das diesem Manne in gerechter Weise gezollt wurde, die Blößen und Schwächen der Zeit desto crasier zeigte. Wie der Patriarch Jakob hinterläßt er 13 Kinder. Mögen sie den edlen Namen und Ruf des Frühverblichenen stets in Ehren halten. Ein 83 jähriger Vater, in voller Rüstigkeit der Kraft, überlebt den allgemein hochgeachteten Sohn. — Die Handelsakademie hat bereits die Lehrer angestellt. Es befindet sich darunter Ei» Jude, der bekannte Mathematiker Spitzer. Es ist bis jetzt blos Eine Classe eröffnet, und werden voraussichtlich bei der Eröffnung der andern Classen noch Lehrer angestellt werden, hoffen wir, daß dann die jüdischen Capacitäten nicht leer ausgehen werden. Herr Winternitz, emeritirter Professo/ an der Realschule zu Preßburg, der Gesundheitsrücksichten halber von seinem Amte zurückgetreten ist, hat von dem dortigen Professorencollegiuin so wie vom Bürgermeisteramte sehr anerkennende Zuschriften erhalten. Derselbe ist bekanntlich Verfasser des „Lcsespieles" zur Erlernung des Lesens, das seiner sinnreichen Methode wegen sich den Weg durch ganz Deutschland gebahnt hat. Jetzt hat derselbe ein „Sprachspiel" zur Erlernung der französischen Sprache herausgegeben, das hoffentlich in weiten Kreisen Anerkennung finden wird. Die Allg. Zeit. d. Jud. berichtete jüngst, daß Herr vr. Lettens nicht mehr die hebräischen Beilagen zu seiner Zeitschrift gebe. Herr Dr. Lekteris erklärt nun, daß er bereit gewesen sei, diese Beilagen denjenigen Abonnenten zu geben, die sie "verlangen würben. Es haben sie aber nur sehr wenige verlangt. Es ist sonst nicht meine Art, über Prüfungen zu berichten. Ich gehe heute davon ab und zeige Ihnen an, daß die Prüfung der Handwerkslehrlinge aufs vollkommenste befriedigte. Eben so zeigten die ausgestellten Arbeiten von vieler Geschicklichkeit. Es befinden sich jetzt hier beiläufig 500 jüdische Handwerkslehrlinge. Ein hiesiges Blatt, das trotz seiner geringen Abonnentenzahl sich einen Namen gemacht, durch den „höher» Blödsinn", den es vertritt, kann das ack notam nehmen. Der 4. Theil des KoSmos, der jetzt erschienen ist, wird dem Redakteur des gedachten Blattes wieder Gelegenheit bieten, seine tiefe Gelehrsamkeit und seinen gläubigen Sinn zu offenbaren. Bei dieser Gelegenheit muß ich auch noch eines andern Roscho erwähnen, der dabei den Gutmüthigen spielt. Der Dichter Bauernfeld veröffentlichte jüngst ein Buch: „Von uns Wienern." Es ist hier nicht der Ort, dasselbe literarisch zu besprechen. Dieses Buch wimmelt von Bosheiten gegen Jude», und doch zählt Herr Bauernfeld zu seinen Freunden gar viele Juden, und läßt er sichs am Tische der Juden sehr behaglich schmecken. Ich bin nicht blind für die jüdischen Gebrechen; aber Spott und Hohn zu treiben, darüber sollte ein freisinniger Mann hinaus sein. Prag, im Dccember. (Privatmitth.) Am 22sten November d. verstarb allhier der bekannte Buchhändler Wolf Paschelcs, Herausgeber des Volkskalenderö, der Sippurim, von Bibeln und Gebetbüchern u. s. w. Doch wird das Geschäft unter derselben Firma von seiner Frau und seinem Sohne fortgesetzt. Temesvar, im December. (Privatmitth.) Mein verehrter College, Herr Dircctyr Lederer in Pesth, hat Ihnen in seinem Berichte über die dortige k. k. israelitische Musterhauptschule zugleich die Eröffnung un-