Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1858)
- Date
- 1858-01-04
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Wechsel über den Austritt aus dem Judenthume" hat — wie vorauszusehen war — in Breslau große Sensation erregt. Mindestens eine Woche lang war dieser „Briefwechsel" mit eines von den Tagesgesprächen in jüdischen Kreisen, wo die Stimmen pro und contra nicht selten sehr laut und gereizt sich vernehmen ließen. In Breslau selbst hat das Schriftchen bereits zwei „Entgegnungen" hcrvorgerufen, deren eine von einem „Laien" und die andere von I. G. Hoffmann herausgegeben worden. Eine dritte Gegenschrift von einem „jüdischen Theologen" soll nächstens in die Oeffentlichkeit kommen. Die Beurtheilung, welche die Geiger'sche Broschüre im „literarischen Wochenbericht" der No. 5V. dieser Zeitung gefunden, war, obwohl kurz, doch so treffend, daß sie in der That jede andere Beurtheilung, Beleuchtung, Entgegnung — und wie man's sonst nennen mag — ganz überflüssig macht. — Margarethe Hamburger, die dreizehnjährige Tochter des jüdischen Arztes vr. Leopold Hamburger zu Liegnitz, hat am 5. d. M. daselbst mit dem besten Erfolge auf dem Piano concertirt. — Bei der neulich in der Gemeinde Gr. Glogau stattgehabten Ergänzungswahl für die Repräsentantenversammlung sind — wie gewünscht und erwartet wurde — sämmtliche ausgeschiedene Repräsentanten wieder von Neuem gewählt worden. — Die Gemeinde Görlitz hat unlängst durch das Ableben des Banquiers H. Prausnitz eines ihrer wackersten Mitglieder verloren. — Ratibor hat in der Person des Herrn Elkan aus Fraustadt (im Posenschen) einen „zweiten Cantor" ausgenommen. — Der tüchtige Cantor der Gemeinde Gleiwitz, Herr Winkler, gehört mit zu den Bewerbern um die Wiener Stelle und ist aufgeforvertermaßen bereits vor acht Tagen nach der Kaiserstadt abgereist, um „Probevorträge" zu halten. Oesterrelchischer Kaiserstaat. Wien, 23. December. (Privatmitth.) Die Wahl ist vorüber! Gestatten Sie mir jedoch, eine kleine revue rctrospective über den Wahlact zu halten. Der Wahrheit gemäß muß ich bekennen, daß das wählende Publikum sich bei dieser Gelegenheit in einer Weise benommen hat, die gerade nicht erhebend war. Man weiß cs, daß die Vorstandswahl höchst wichtig ist, denn, abgesehen von allen innern Fragen, noch immer sind die jüdischen Verhältnisse provisorisch und doch wie wenig scheint das verehrliche Publikum, das stets kritikfertig ist, sich dieses zu Herzen genommen zu haben. Fünf Stunden lang saßen die Vorstandsmitglieder am Wahltage versammelt, um die Stimmzettel in Empfang zu nehmen; doch es galt, persönlich zu erscheinen, und man ließ die Herren ruhig sitzen, kaum 400 Wähler erschienen. Es ist überhaupt eigenthümlich: die Wiener Gemeinde hat es zu wiederholten Malen bewiesen, wie bereit sie ist, Geld mit vollen Händen zu spenden, desto zurückhaltender ist man, wo man mit der Persönlichkeit einzustehen hat. Es zeigt sich dies auch bei den hiesigen Vereinen. ES fehlt denselben nicht an materieller Theilnahme, wohl aber ist die persönliche Theilnahme nicht in dem Maße vorhanden, wie sie sein sollte. Man zahlt jahrelang einen Beitrag und ftsa 'w nnn sieht kaum den jährlichen Bericht an, geschweige denn, daß man näher und tiefer schaut. Und doch wäre diese moralische Theilnahme von großer Wichtigkeit! — Ich komme vielleicht einmal auf den Gegenstand zurück, trotzdem man in ein „Wespennest" sticht, und fahre jetzt fort, über die Wahl zu berichten. Es wurde eine zweite Wahl angeordnet. Die Amtsdiener holten die Zettel ab und nach vieler Mühe kamen 806 Stimmzettel zusammen, wahrend J022 wahlberechtigte Mitglieder in der hiesigen Gemeinde sind. So unerquicklich der Wahlact war, so sehr kann man mit dem Resultate zufrieden sein. Es sind Männer von edlem Charakter, von biederer Gesinnung und energischem Streben. Es sind dieses Bedingungen, die uns sehr nothwendig sind. Fast einstimmig wurde Herr Leop. v. Wertheimstein zum Vertreter gewählt. Es fehlten blos 28 Stimmen. Unter den Beiräthen erhielt Herr l)r. Engel die überwiegendste Stimmenzahl. Außer diesem wurden gewählt die Herren: Jac. Brandeis, Götsch, Strauß, welche zu gleicher Zeit Bethausvorsteher sind, A. Landesmann, Secretair des Handwerker- und Commisvereins*), und F. Schey, Präsident der Handelsakademie. Zu den innern Fragen, die gelöst werden sollen, gehört in erster Reihe die Finanzfrage und ist es zu hoffen, daß die Männer der haute finance, die als solche Namen und Ruf genießen, die Finanzen der *) Die Statuten dieses Vereines wurden in letzter Zeit von Seite der Behörden genehmigt.