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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-04 · Heft 2 (4.1.1858) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 2 (4.1.1858)
Date
1858-01-04
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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IS nicht mindestens die Hälfte Dessen, was Ln seinem Geschäfte steckt, sein eigen nennt, bedarf unausgesetzt günstigster Umstände, um bestehen zu bleiben; er ist das Kind de^ Zufalls, und wer diesem vertrauet, fällt früher oder später in den Staub! Es ist hier nicht der Ort, alle die Folgen zu entwickeln, die ein Verkehr auf blauen Dunst mit sich führt. Wer in einer Handelsstadt lebt \ und seit Jahzehenden beobachtet, all' die Kommenden und ^Schwindenden an sich vorübergehen sieht, der wird die Nichtigkeit unsres zweiten Satzes wohl erkennen. Fange Lein an, vergrößere nach und nach, erwirb mühsam, aber M)er; verbrauche mäßig und sammle Etwas für unvorhUgesehene Fälle und für die Zukunft, deren Du nicht He« bist — dies sind Regeln, die unsrer Zeit ganz entschMnden sind, die ihr schwer werden, wieder zur Richtschnur zu nehmen, die aber Gesetze find, welche durch alle Zeiterlt herrschen. Wenn in unsrer Zeit bartlose Jünglinge <k der Börse herrschen wollten, wenn es jeden jungen Mmn gelüstete, den großen Kaufherrn zu spielen, wenn mga nicht durch Arbeit, Mühe, Sparsamkeit und Mäßigkeiten Besitz gelangen wollte, sondern wie im Fluge Reichthum^und Ansehen zu erwerben wähnte: so mußte daraus eirn trügerisches Gespinnst entstehen, welches die Hand der Vergeltung erbarmungslos zerriß. Trauriges Schicksal so Kieler Jünglinge, die ihre Eltern, so vieler Männer, die "ihre Frauen und Kinder mit in ihr Verderben rissen. Aber wir wiederholen, nur derjenige Gewerbsmann, vw boch oder niedrig, befindet sich in einer gesunden und sicheren Lage, der bei weitem nicht so viel Credit braucht, wie er haben könnte. Endlich 3) strVbe nicht nach Reichthum. Vier kleine Worte, wiedccholt von Religion, Weisheit und Leben in allen Zeiten und an alle Geschlechter; immer vergebens gehört, und chch ohne Unterlaß zu predigen. Den Erwerb mußt Du in^Auge haben, nicht aber den Reichthum; wer nur den Eftverb will, achtet auch das Kleine, prüfet das Große um so mehr, je lockender es vor ihm erscheint; hebet den Fuß zu einer höheren Stufe nicht eher, als bis er genau erprobt hat, ob er sicher auf ihr stehe; er erfreuet sich auch des geringen Gewinnes und ist seines Theiles zufrieden. Wer aber nach Reichthum hascht, der füllet sein Herz mit Unruhe, lvjrft sich den Täuschungen in die Arme und verliert zuletzt Das, was er besessen. Nicht blos in religiös-sittlicher Beziehung verrücket das Jagen nach Reichthum den Menschen vom richtigen Standpunkt, sondern auch im Materiellen gefährdet es seinen ganzen Bestand, und treibet ihn hinaus in die weite Wüste, wo er den Pfad verliert, und im glühenden Sanve endet, während er ruhig auf der heimischen Flur wandeln könnte zum Ziele. Sage nicht, lieber Leser, daß ich Dir wohlfeile Weisheit vorgetragen — sie ist der Eckstein alles Wohlgedeihens, und wer diesen verwirft, mag Zusehen, wie er bestehen bleibe. Euch aber sage ich, wer das Haus bauet von oben, mit dem Dache beginnt, ehe er den Grund gelegt und die Säulen aufgerichtet: der beklage sich nicht, wenn es über ihm zusammenbricht und ihn erschlägt. Und so scheiden wir für jetzt von diesem mehrfach besprochenen Gegenstände mit der Mahnung: Erwäge jene Sprüche der Erfahrung und richte Dich nach ihnen, so schwer es Dir auch ankomme. Literarischer Wochenbericht. Aus Württemberg, im December. (Von A. Elsäßer.) Der „lustige Volkskalender für 1858 von Adolph Brenriglas" — Glasbrenner — hat seinen zehnten Jahrgang angetreten. Seine satyrische Lauge beizt an der alten, schmutzigen Wäsche verrotteter Zustände und unsere Glaubensgenossen werden auch sich öfters darin getroffen finden. Wir geben hier nur einige seiner satyrischen Sentenzen: „Ganz London in furchtbarer Aufregung, weil ein deutscher Israelit die Sonntagsfeier durch das 'Rauchen einer Cigarre in seiner Schlafkammer entheiligt hat. — Nathan der Weise, der eine Reise durch Deutschland machte, um die kirchlichen Zustände kennen zu lernen, übersiedelt nach Indien. — Herr Sebastian Brunner kehrt als Sieger von einem Feldzuge gegen die Steinkohlen nach Wien zurück und wird von den Holzhändlern jubelnd empfangen. — Das Grab eines kürzlich verstorbenen großen Banquiers in Frankfurt erhält die Inschrift: „Nun war sein Vaterland am meisten schuldig.“ Doch verweisen wir auf das Buch selbst, da§ jedem Leser angenehme Stunden bereiten wird. — Das sonst treffliche Buch: „Angelroder Dorfgeschichten oder die Amerikaner in Deutschland, von Herrmann Jäger. Weimar, Ferd. Jansen u. Comp.", das in novellistischer Form den rationellen Betrieb der Landwirthschaft zu verbreiten sucht, hat ein eignes Kapitel, das Io., mit der Ueberschrift: „Versuch, Den jüdischen Viehhandel zu verhindern", das die jüdischen Viehhändler als gemeinschädlich darstellt. Die Novelle spielt in Mitteldeutschland, in den sächsischen Landen; da wir 3*

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