Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Hannover, 20. December. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen wurde in Ausführung eines vor einiger Zeit gefaßten Gemeindebeschlusses in eine Wand der hiesigen Synagoge ein Stein mit einer hebräischen Inschrift eingesetzt, in welcher die Gemeinde dem Herrn Obercommerzrath Simon Hierselbst ihre Anerkennung zollt für das Geschenk von 3800 Thalern Gold, welches derselbe ihr vor mehreren Monaten aus Pietät gegen seinen Vater, den verstorbenen Hofagenten Ezechiel Simon, zu dem Zwecke Übermacht hat, damit Letzterer für alle Zeiten in ihrer Mitte in ehrenvollem Andenken verbleibe. In Einbeck wurde unlängst der jüdische Arzt vr. Rosenstein mit großer Majorität zum Bürgervorsteher gewählt, ein Ehrenposten, zu welchem bis jetzt noch kein Israelit in Einbeck gelangt war. Es ist diese Wahl aber auch nicht minder ehrenvoll für die Wähler als für den Gewählten, weil Erstere dadurch den Beweis geliefert haben, daß sie, erhaben über die noch hie und da spukenden Vorurtheile, Demjenigen ihr Vertrauen schenken, von dessen Freimuth und Fähigkeit sie eine wirksame Vertretung ihrer Interessen erwarten dürfen. Wie wir aus Berlin erfahren, haben sich plötzlich die Verhältnisse des bekannten jüdischen Gelehrten Senior Sachs günstiger gestaltet, indem derselbe eine Stelle als Erzieher in Paris erhalten hat, die er schon in nächster Zeit antreten wird. Gleich uns wird diese Nachricht gewiß auch den vielen Gönnern des strebsamen Gelehrten, der nun schon so manches Jahr mit den drückendsten Nahrungssorgen zu kämpfen hatte, höchst erfreulich sein. giebt jetzt eine ganze Reihe von Possen und Komödien, in welchen die Juden nach jeder Seite hin carikirt und lächerlich gemacht werden — und ist dieselbe aus den Händen jüdischer Komödienschreiber, denen anderweitig Stoff und Witz mangeln, hervorgegangen. Wir gestehen, daß wir nur sehr mangelhafte Kenntniß dieser armseligen Producte von Juden, die ihre eigne Stammesgenoffenschaft an den Pranger stellen, besitzen, und fordern daher eine geübte und sebarfe Feder auf, diese ganze Masse von schmutzigen Erzeugnissen eines gesunkenen Geschmacks in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zu zeichnen und zu geißeln. Man erinnere sich, wie unsre Väter, als die abgeschmackte Posse „Unser Verkehr" die Runde machte, sich so tief verletzt fühlten, und wohl schwerlich ahnten, daß ihre entarteten Söhne dereinst mit eignen Händen viel größern Schmutz aus ihre Glaubensgenossen werfen würden! Aus Kassel wird uns mitgetheilt, daß der jüdische Maler Louis Katzen st ein von einer größeren Kunstreise durch Frankreich und Portugal kürzlich in seine Heimath zurückgekehrt sei. Während dieser Reise hielt sich Katzenstein längere Zeit in Lissabon auf, woselbst er im Aufträge des Königs Dom Ferdinand ein Genrebild, „ein venetianischer Pfandleiher" malte, welches, wie die portugiesischen Blätter derzeit meldeten, vom Könige sowohl als auch vom Publikum mit großer Anerkennung ausgenommen wurde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Horic, im December (Privatmitth.) Die von den öffentlichen Blättern bereits erwähnte Entscheidung in Betreff der vielbesprochenen Beschneidungöangelegenheit, ist mir auf amtlichem Wege durch den Herrn provisorischen Kreisrabbiner Grünfeld bereits vor zwei Wochen zugekommen, und hätte ich in diesen geschätzten Blättern bereits damals die Bestätigung der von politischen Blättern als Notiz gebrachten Entscheidung veröffentlicht, wäre es nicht ein gewisses Widerstreben, das mich bis jetzt zurückhielt in dieser unliebsamen Angelegenheit das Wort zu führen, um so mehr, als von gewisser Seite in der Journalistik gleich im Vornherein eben nicht der freundlichste Ton gegen mich angestimmt, ja mir sogar zugemuthct wurde, ich wollte durch mein, wie jeder Eingeweihte weiß, nothgedrungenes Auftreten „von mir sprechen machen." Einen derartigen Vorwurf, den ich übrigens mit Entrüstung zurückweise, verdient derjenige Rabbiner kaum, der nur Angesichts der drohendsten Gefahr und auch dann nur für die heilige Sache Schritte macht — seine eigne Persönlichkeit aber ganz auö dem Spiele läßt. — Doch die Gefahr ist beseitigt — was die religiöse Scheu nicht erhalten dürfte, wird die Kraft des Staatsgesetzes schützen — ich habe im Angesichte Gottes und der Menschen meine Schuldigkeit gethan, ich will mit denjenigen meiner Amtsgenossen, die fein stille zugeschaut, nicht rechten, und danke denen, die der heiligen Sache ihre Theilnahmc schenkten. Rabbiner Ehrentheil. Palästina. Jerusalem, im December. Von dem Rabbinen Herrn Joseph Schwarz erhalten wir nachstehende Erklärung.