Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 so hat er 6 Tage scharfen Arrest!" Der Jude dankte dem Hauptmann und fügte hinzu, „es sei ihm auch gar nicht Angst gewesen deswegen, und seine Religion lehre dasselbe, was der Herr Capitän gesagt habe." — Diese in militärisch kräftiger Sprache (drastischer als hier gegeben) gehaltene Standrede, welche vom Herrn v. Z., schon aus Vorsicht, „damit man seine Worte nicht verdrehe," auch anderweitig wiederholt wurde, fand, wie sein Auftreten überhaupt, verdienten Beifall. — Meinerseits glaubte ich nun, daß eine theoretische Erörterung der Unsterblichkeitslehre im Judenthum oder eine Polemik gegen das Dogma von der allein seligmachenden Kirche durchaus nicht am Platze sei, ebensowenig wollte ich mich mit tadelnden „Artikeln" gegen das Auftreten des katholischen Pfarrers an die Oeffentlichkeit wenden (da jenes nur hier etwas Neues und Befremdendes war); ich verfaßte daher eine „tertgemäße Abwehr der-ausgesprochenen Verdammungsurtheile gegen die Juden*)", *) Nachdem Texte über die Unsterblichkeitslehre, die Nichtewigkeit der Strafen und Einschlägiges angeführt waren, hieß es weiter: Wir (Juden) glauben auch nicht, daß der Herr sich von einem Menschenkinde wird vorschreiben lassen, wen er in sein Reich aufnehmen solle: „Ich bin gnädig, wem Ich gnädig sein will, und weß Ich mich erbarme, deß erbarme ich mich" (2 Mos. 32,19), noch daß Er, im Allgemeinen oder Besonderen, darüber mit einem Erdensohne sich benehmen wird: „Wer hat im Rathe des Herrn gestanden rc." (Jer. 23,18). Wir sehen auch picht ein, wie man uns mit den Heiden zusammenwerfen kann? „Wir sagen ja nicht zu den Werken unsrer Hände: das ist unser Gott!" (Hos. 14, 4.) Solcherlei Reven sind nicht wohlüberlegt; „wer seinen Nächsten schmähet, dem fehlt es an Verstand" (Spr. 11, 12), und was sollen sie in einer Stadt, da man früher von Religionsgezänk nichts wußte? „Hatten wir nicht gute Ruhe, und kommt solche Unruhe!" (Hiob 3, 26.) Wenn sie aber gar auf einem Friedhofe, von dem cs doch heißt: „Klein und Groß find da und haben Alle mit einander Frieden" (das. 18, 19), geführt werden, so sollte man fast sprechen: „Siehe um den Frieden wird mir gar bange" (Jes. 38, 17); denn freilich: „wie Kohlen eine Gluth und Holz ein Feuer, also fachet ein zänkischer Mann Hader an" (Spr. 26, 21). Aber bei dem gesunden Sinne unsrer Mitbürger wird es wohl verhallen, wie der Schall der Ehrensalven, und verfliegen wie der Pulverdampf, „wie Spreu von der Tenne verweht wird und wie Rauch aus der Luke" (Hos. 13,3). — Soviel wollten wir zur Antwort geben, nach Analogie des Spruches: „Antworte dem Thoren nach seiner Thorheit, damit er sich nicht gar weise lasse dünken" (Spr. 26, 1b). welche als Flugblatt gedruckt wurde und in hohen und niederen Kreisen Verbreitung fand, während gleichzeitig über die Rede des Herrn v. Z. im „Frks. I." referirt und eine Parallele zwischen den Worten des Priesters auf dem Friedhofe und denen des Mannes im Kriegerkleide gezogen wurde. Der Pfarrer, welcher jetzt finden mochte, daß der Pfeil auf den Schützen zurückfiel, sann auf Gegenwehr und erklärte am nächsten Sonntag von der Kanzel herab, daß er den Verfasser des Flugblättchenö bereits abgefertigt habe, den Artikel im „Fr. I.", sowie die Rede des HauptmanneS aber öffentlich beantworten werde. Jene Abfertigung bestand in einem Tags zuvor mir überschickten — Privatbriefe, voll trivialer Witzeleien u. dgl.; was dem Hauptmanne zugedacht war, erfuhr man einige Tage nachher aus einer Bemerkung der Redaction des „Fr. I.", es sei ihr von Weilburg, angeblich vom Pfarrer R. daselbst, eine Entgegnung zugegangen, dieselbe bestehe aber in so gemeinen Ausfällen, daß sie unmöglich von einem Geistlichen herrühren könne. Jetzt wurde von der Gegenpartei zu altprobaten Mitteln gegriffen: cahimniare audacter und si fecisti nega. Die Calumnien wurden iit „Deutschland" und „Mainzer Journal" niedergelegt, worin, außer jenem vom „Fr. I." zurückgewiesenen, noch eine Reihe von Artikeln erschien, worin dem „Kleeblatt", bestehend aus einem christlichen Hauptmanne, einem Judenrabbi und einem Gymnasiallehrer (dem Correspondenten des „Fr. I.", der, weil er Mehreres über Mythologie geschrieben, als Heide figuriren mußte) allerlei Schmeichelhaftes gesagt war. Sodann aber wurde die betreffende Aeußerung in der Grabrede frischweg abgeläugnet, und während die — 'wenigen — Parteigänger des Pfarrers N. ihn anfänglich damit vertheidigt hatten, daß auch bei der Beisetzung der verwittweten Herzogin von Nassau (im vorigen Jahre und in Wiesbaden und — angeblich!) etwas gegen die Katholiken gesprochen worden sei, wurde nun sowohl Hiese versuchte Rechtfertigung, als der Angriff auf die Juden selbst in Abrede gestellt; die Aeußerung sei entstellt, aus dem Zusammenhänge gerissen, unter „Juden" seien Die verstanden, welche noch heute-Christum kreuzigen u. d. m. All diese Tactik hatte lediglich die Folge, daß die Anfangs locale Sache in immer weiteren Kreisen discutirt und durch Persönlichkeiten gehässiger wurde, obgleich auf die Artikel in den ultramontanen Blät-