Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 vor. Sie wird unter dem Titel: Bea-Chananja, Monatschrist für jüdische Theologie, in monatlichen Lieferungen a 3 Bogen geheftet, und zu Mitte Januar 1858 beginnend, erscheinen. Diese Monatschrift ist für jüdische Theologie, aber nicht ausschließlich für jüdische Theologen bestimmt. Das darin zu bearbeitende Material wird in folgende 6 Rubriken vertheilt: 1) Abhandlungen jüdisch-theologischen Inhalts; 2) Schilderungen interessanter Momente aus der jüdischen Geschichte; 3) Lebensbe-- schreibungen hervorragender, verstorbener Israeliten; 4) literarische Ueberfichten und Recenfionen; 5) authentische Berichte über Gemeindezustände, mit besonderer Rückficht auf Schul- und Jugendunterricht; 6) alle Regierungsverordnungen, welche jüdische Cultus- und Schulangelegenheiten zum Gegenstände haben; Predigten und erbauliche Betrachtungen bleiben ausgeschlossen, dock sollen kurze und gelungene Casualreden, deren Veranlassung allgemeines Interesse hat, ausgenommen werden; auch sollen von Zeit zu Zeit gestellte theoretische und praktische Aufgaben über wichtige Specialitäten Licht verbreiten helfen, auf den Bibelnnv Religionsunterricht anregend und verbessernd wirken und jüngere Gelehrte zu tieferer Forschung aufmuntern. — Wird diese Monatschrift — obgleich freilich! die aufgeführten Zwecke uns zu gehäuft erscheinen — mit %act redigirt, so kann sie für die Gesammtjudenschaft deS großen österreichischen Staates von segenreicher Wirkung sein; uns aber in Galizien, einem Lande, dessen zahlreiche jüdische Bewohnerschaft am meisten der Anregung, Aufmunterung und Belehrung von Außen bedarf, muß diese neueste, zeitgemäße Schöpfung um so willkommener erscheinen, als wir die trostreiche Hoffnung hegen, daß es dem neugeborenen Rabbi Ben-Chananja in Ungarn gelingen werde, sich aus den Reihen der bildungsfähigen, nach Wissen durstenden, israelitischen Jugend Galiziens eben so warme und begeisterte Anhänger zu gewinnen, wie es dem vor Kurzem in Krakau verstorbenen Rabbi Ben-haniflaoth in Galizien gelungen war, sich solche aus den Reihen der bildungsscheuen, die Wissenschaft hassenden Juden und Jüdinnen Ungarns zu erwerben. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Weilburg, 11. December. (Privatmitth.) Nachdem Sie in No. 49 nach der „Mitt. Z." einen Bericht über den Ausgang des von dem hiesigen kathol. Pfarrer Noll gegen den Hauptmann Frhr. v. Ziege sar eingeleiteten Processes gedacht haben, theile ich Ihnen mit, daß heute auch die vou demselben in derselben Sache gegen mich erhobene Anklage mit meiner Freisprechung geendet hat. Da diese Angelegenheit, wenngleich weder an sich, noch in ihren Folgen von Wichtigkeit, doch in mancher Beziehung charakteristisch ist, in den benachbarten Blättern eine weitschichtige Polemik veranlaßt und in wie außer den Grenzen deS Herzogthums Nassau viel Aufsehen erregt hat, so wird eine Relation in der „A. Z. d. Jud." am Platze sein. Am 8. Juli hatte der kathol. Pfarrer bei Beerdigung eines Veteranen die Aeußerung gethan, daß Juden, getaufte und ungetaufte Heiden, keine Seligkeit zu erwarten, auch keine Hoffnung auf Unsterblichkeit hätten, wobei Kor. 3, 21 citirt wurde. Diese Rede erregte in der Stadt, deren Bewohner — größtentheils Evangelische — seit Menschengedenkcn in ungetrübtem Religionsfrieden gelebt hatten, einen Sturm der Erbitterung, wurde auch von den meisten Katholiken mißbilligt. Hauptmann v. Z., welcher einen Juden — zufällig eben den einzigen in der Garnison — in seiner Compagnie hatte, ergriff die Gelegenheit zu einer Demonstration. (So war eS; wenn er auch keine solche beabsichtigt hat, sondern nur seiner Pflicht nachzukommen gedachte.) Er ließ gleich am folgenden Morgen die Compagnie antreten, den Paragraphen der Kriegsartikel, worin der Mannschaft Ehrfurcht vor der Religion rc. sowie Verträglichkeit mit den Cameraden anderer Confession eingeschärft wird, vorlesen und fuhr dann fort: „Ihr habt gehört, waS Herr Pf. N. gestern auf dem Kirchhofe von den Juden (die Heiden gehen unS hier nichts an) gesagt hat. Ich bin evangelisch, achte aber jeden guten Katholiken und seine Religion, doch glaube ich nicht, daß diese solches lehrt. Was aber der Herr Pf. auch gesagt haben mag, ich, 'als Euer Hauptmann, sage Euch, wer rechtschaffen ist, der kommt in den Himmel, einem Schurken aber bleibt er verschlossen, welches Standes und Glaubens er auch sei. Soldat N. (er ließ den Juden vortreten), hier haben Sie meine Hand! Fahren Sie fort, sich gut zu betragen, so werden Sie so gewiß selig werden, als ich und jeder ehrliche Mann eS hoffen. Und Ihr Mannschaft, wenn Einer sich untersteht, den Soldaten N. wegen der Aeußerung des Pfarrers zu necken,