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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-01 · Heft 1 (1.1.1858) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 1 (1.1.1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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eine Lehranstalt für die Theologie eristirt. Abgesehen davon, daß eS nur einer geringen Anzahl von Schülern, namentlich aus den deutschen Juden, wozu wir hier einige benachbarte Länder rechnen muffen, möglich sein wird, nach diesem einen Orte zu gehen, und 8ch daselbst zu erhalten: so würde dadurch auch eine Einseitigkeit unter den jüdischen Theologen mit der Zeit Platz greifen, welche von den nachtheiligsten Folgen sein würde. Befinden sich aber in den größeren Gemeinden mehrere tüchtige Theologen angestellt, bilden diese RabbinatScollegien, so ergeben stch mit der Zeit die Lehranstalten für jüdische Theologie von selbst. Nur ein Moment, welches gegen die Besetzung der Rabbinate durch mehrere Männer zu sprechen scheint, ist von Wichtigkeit, nämlich daß man voraussetzt, es würde der Parteigeist in den Gemeinden dadurch genährt, und Reibungen unausbleiblich sein, welche den Frieden der Gemeinde mehr oder weniger erschüttern,würden. Wir geben die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit zu, halten aber dafür, daß dieses üble Moment durch die Gewöhnung, neben einander zu wirken, bald überwunden sein wird. Ja, dadurch, daß die Herren Rabbinen sich daran gewöhnen, daß fick jeder Einzelne nicht als ein HeroS anfieht, der einzig dasteht und dastehen muß, und allein die Huldigung der Gemeinde zu beanspruchen hat, wird auch die Parteisucht bald ihr Ende erreicht haben. Am meisten Gewicht legen wir aber darauf, daß die Vorstände den Wirkungskreis, die Rechte und die Pflichten jedes Anzustellenden genau bestimmt, und im Contracte ausdrücklich jede Verletzung eines Collegen durch Wort und Thal, jeden offenbaren Friedensbruch mit sofortiger Auflösung des amtlichen Verhältnisses belegt. Dieser erzwungene Friede wird bald zu einem wirklichen, herzlichen, zu Verständniß und Zusammenwirken führen. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, im November. Die Londoner sntigurrrisn Society hat wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben und aus den reichen Schätzen der Orforder Bibliothek ein Werk edirt, das, wenn der Kaufpreis für die gewöhnlich nicht mit Glücksgütern gesegneten jüdischen Leser diesseit des Canals nicht so hoch wäre, die größte Verbreitung zu erwarten hätte. Es ist dies der vollständige Juchasin, so wie der Verfasser ihn geschrieben hat. Wenn wir nicht irren, so bat Carmoly zuerst darauf aufmerksam gemacht, daß der erste Herausgeber des Juchafln, S. Schulam, denselben verstümmelt habe, und in der That ist dem so. Außer den vielen Verkürzungen in der rabbinffchen Periode, ist es besonders die amoraitische, von welcher Schulam fast nur ein Namensverzeichniß gegeben und die vielen wiffenswerthen Erläuterungen, literarischen und historischen Notizen des Verfassers auf die unverzeihlichste Weise zurückgelaffen hatte. In der vorliegenden Ausgabe, die Herr Filipowßki bearbeitete, ist diese literarische Sünde gesühnt. Die typographische Ausstattung ist vortrefflich und der Abdruck ziemlich correct; nur muffen wir berichtigend hervorheben, daß S. 167. Z. 2. die Worte nbsnit 'sä "w zu streichen find, die nur im fünften Schlagnamen Mar am rechten Platze find; S. 219. ist in dem Geburtsjahr Maimun's diLpnn, derBuchstabe K u f zu streichen. Der Herausgeber hat die verschiedenen Perioden in'Capitel eingetheilt und die saburäische Periode, welche der Verfasser aus dem S. Hakabala ercerpirte, vollständig nach dieser Quelle gegeben, dagegen aber die verschiedenen Beilagen von S. Schalum, den Abschnitt aus Farizol's Orchoth Olam, das berühmte Schreiben von R. Scherira und die Erzählung aus dem samaritanischen Buch Josua zurückgelaffen — für eine spätere Bearbeitung. Eine Verbesserung des Originaltertes ist nur an wenigen Stetten wahrzunehmtn und so manches Unverständliche in den fruhern Editionen ist auch hier nicht verbessert, so z. B. der räihselhaste Schluß des Buchstabens Gimel (S. 123.); ein Citat in dem Schlagnamen Aba hakohen (S. 101.) u. a. m.*) — Haben wir bisher das Gute und Rühmliche dieser Edition hervorgehoben, so wird es uns auch erlaubt sein, einige Mängel zu rügen, die durch eine ernste Mitwirkung von Seiten der lllemberZ ot the comraitee, unter welchen die Gelehrten Adler, Dukes und Schiller sich befinden, hätte vermieden werden können. Ein Hauptmangel dieser Ausgabe ist, daß man sich nicht die Mühe gab, die talmudischen Citate genau anzugeben, und dennoch hatte der Herausgeber die Kühnheit, in der Vorrede zu sagen: er habe die meisten Citate im babylonischen Talmud nachgeschlagen, das Citat angegeben und die unrichtigen Lesearten nach der Prager Talmud-Ausgabe berichtigt, während in der That in diesem an talmudischen Citaten so reichen Werke wenige Spuren von dieser angepriesenen Genauigkeit zu finden find. Wir wissen wohl, *) Dem unverständlichen WP riN bsitt rriNU) S. 23. sind hier noch zwei verstümmelte, vielleicht arabische Wörter zur Erklärung beigefügt ifirbs isn'b.

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