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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-01 · Heft 1 (1.1.1858) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 1 (1.1.1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ebeln! 3a, in dieser stetigen Fortbildung und Veredelung wird erst der rechte, der hochwürvige Charakter begriffen sein! Und darum, wenn das erste Erforderniß ist, daß wir wissen, was wir wollen in unserm Leben — so kommt Alles darauf an, daß wir auch das Rechte wollen! Und wer Du nun auch seiest, und was Du auch in den einzelnen und eigenthümlichen Beziehungen Deines Lebens wollest — es muß seine Höhenspitze, seinen Gipfel- und Mittelpunkt finden in Dem, worin auch Koheleth den höchsten Erfolg seines Lebens findet: DK DiNit i"!T *o “mp nsi „Gott fürchte und seine Gebote bewahre, denn dies ist der ganze Mensch" (12, 1.3J Dies muß Dein höchster Wille, der Lebens- Punkt all' Deines Wollens in Demem Leben sein, von dem aus und zu dem hin alle Adern Deines Daseins führen —- dann ist der Charakter, den Du erstrebest, ein wahrhafter. Und wenn es das zweite Erforderniß ist, daß Du Dir feste und unerschütterliche Grundsätze bildest, so kommt Alles darauf an, daß es die rechten und ächten seien. Und wer Du nun auch seiest, und was Du im Einzelnen erstrebest, Dein oberster Grundsatz, den Du auf die Pforte Deines ganzen innern Lebens schreibest, muß sein, den auch'Hiob als den höchsten für den Menschen ausspricht: nra 9*110 *tjoi rnsiDn.arn-wK IN „stehe, Furcht des Herrn, fle ist Weisheit, und das Böse meiden Einsicht!" (28, 28.) Diesen Grundsatz schreibe mit Demantgnffel in vie Tafeln Deines Herzens ein, und von diesem seien alle Deine Grundsätze die Folgerungen und Ausläufe! Denn daun, je klarer Du weißt, was Du willst, wirst Du unter dem hellen Lichte dieses rechten Willens allerzeit leicht erkennen, wo Dein Wille geirrt, worin Du Unrechtes erstrebt und erkämpftest; und unter dem hellen Lichte jenes rechten Grundsatzes um so deutlicher erkennen, worin Du falscher Ansicht gefolgt und darum Unrechtes getban und geübt, und von Jahr zu. Jahr und von Zeit zu Zeit wirst Du Deinen Willen veredeln und Deine Grundsätze berichtigen, und so Deinen Charakter immer reiner, geläuterter, Gottdurchdrungener hinausstellen, bilden und bethätigen, und so die Höhe erreichen, von der wir demüthig, aber vertrauensvoll das ganze Leben überschauen! — Unv darum sage Niemand: ach, das Fest der Makkahi iKj^jjt, und Zuda Mafkabi längst im Grabmal seiner.Vät^ztz Mtzpein verweset, und das Grabmal selbst in Staub gesunken, wozu also seiner gedenken? Und.Niemand sage: Jahrtausende sind es, daß Josephs Reste in seiner Lade mit Israel durch die Wüste zogen und von Josua in Sichern begraben wurden, längst also verschwunden, wozu also sein Andenken immer erneuern — wir gehören dem Leben an und nur das Lebende lebe! Denn das Lebende ist wirre und verstürmt, aber an jenen leuchtenden Beispielen der Vorzeit werden wir klar, und schauen, was bleibend, und erkennen, was vor Gott und Menschen bestehend, und erfahren, wie wir uns retten können aus den Wirrnissen und Jrrsalen des Lebens.—- Rein! nicht das Lebende lebt, sondern das Ewig-Lebende, das Gottähnliche, das Göttliche, Gort! — in Vn! Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Die Verschickung der ersten Sendung der diesjährigen Schriften des Institutes beginnt, wie in den früheren Jahren, mit dem 15. Januar. Die Seelsorge in den größeren Gemeinden. Obwohl wir uns über diesen Gegenstand vor einiger Zeit in diesen Blättern schon ausgesprochen, so haben wir doch zwiefache Veranlassung, noch einmal darauf zurückzukommen. Vor Kurzem ersuchte uns der Vorstand einer größeren Gemeinde, ihm für ihren vaeanten Rabbinatsstuhl mehrere Candidaten in Vorschlag zu bringen. Es ist hier nicht der Orr, über die Qualificationen, welche gefordert wurden, uns auszusprechen. Wir nahmen aber Gelegenheit, unsre Meinung dem Vorstande motivirt vorzulegen. Eine zweite Veranlassung giebt uns aber ein höchst besonnener und schön geschriebener Artikel aus Hamburg in dieser Zeitung, welcher die Gründe besprach, aus denen der dortige Tempel seine zwei Predigerstellen auf eine reducirt. Der Gegenstand ist aber von so großer Wichtigkeit, daß er wiederholter Prüfung unterworfen werden muß. Es ist schon oft genug ausgesprochen, daß gerade in den größeren Gemeinden der religiöse Sinn auf die bedauerlichste Weise geschwunden, daß gerade da alle Liebe für das Judenthum, alles religiöse Bedürfnis unter Null herabgesunken, so daß die großstädtische Bildung geradezu religionsseindlich erscheint. Wir schreiben allerdings einen großen Theil dieses Verfalls auf den Verfall der seelsor-

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