Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Solch* ein Charakter war Joseph. Diesen bethatigte er, als jenes Weih, peß Potiphar ihn, den niedrigen Sclavenmih ifyttn MerzE bOMen wKllje, und er es wetzerte rtnd.rieA also simdjgen vor Gott!" diesen bethätigte er, alö er laut vor dem Backmeister Pharav's bekannte: „aus dem Lande der Jbrim bin ich!" Als er vor Pharao stand, und dieser sagte: „Du verstehst die Träume der Menschen zu deuten", antwortete er: „nicht ich! Gott wird beantworten das Heil Pharao's!" Als seine Brüver vor ihm standen, die er seit mehr als zwei Jahrzehenven nicht gesehen, fie, die Bittenden, vor ihm, dem Herrscher •*— die Liebe bezwang er, und die natürliche Lust, ihnen seine Herrschergröße zu zeigen, bezwang er, um erst zu prüfen, ob sie Haß unv Hader aus fich entfernt, und Liebe für einander hegten, und darum in fremdem Lande bestehen könnten, oder nicht. Als sein Pater bei ihm war, die Sehnsucht, ihn bei sich zu haben, überwältigte er, und brachte ihn nach der Provinz Goschen, weil da allein die Familie Jakobs, die verachteten Hirten, ruhig leben unv anwachsen konnte zu einer zahlreichen Nation. Und selbst im Tove noch verschmähte er den Prunk, den die Aegypter mit ihren Tovten trieben, und ihre himmelanstrebenden Grabmäler, und ließ seine Gebeine in einfache Lave legen und bewahren, bis Israel einst nach der Bäter Lande zurückkehren würde. Solch ein Charakter war Juda Makkabi. Zehnmal verhieß ihm der syrische König Schätze unv Ehren wie Keinem, wenn er sich ihm zuwende — mit Verachtung wieg er es von sich. Ob Völker ihn umringten „wte Bienenschwärme, aufloderten wie Dornenfeuer" — er wankte'nicht, stürzte fich in tausend Tode und siegte. AlS er als Sieger auf der Höhe des Glückes stand, nichts blieb er als der gewöhnliche Priester, als der einfache Krieger, als Führer seines Volkes, nicht den h. Kopfbunv des Hohenpriesters, und nicht die Königskrone setzte er auf sein Haupt, obschon er es zehnmal gekonnt. Und als er endlich auf dem Felde von Elasa, fich, verlassen von zwei Dritteln seines Heeres, umgeben nur noch von 800 Getreuen, aber eingeschlossen von zahllosen tapferen und geordneten Feinden sah, da zauderte er nicht, er ergab fich nicht, er stürzte in die Fluthen des feindlichen Heeres, Verderben vor fich her breitend, bis er — den Heldentod gestorben. Aber fürwahr! mustern wir die Reihe der großen Männer unsres Stammes alle durch, Charakter ist es, den wir an ihnen zu beobachten, zu rühmen, durch den sie ihre Streite stritten, ihre Siege siegten. Wer will die Fülle des Charakters in Moscheh, dem Gottesmanne, mit Worten genügend verherrlichen, der mit dem Hirtenstab vor Pharao trat: „laß mein Volk ziehen, oder ich übe Strafgerichte an Dir!"? Wer bewundert nicht Schemuel, der dem murrenden Volke wie dem übermüthkgen Könige gegenüber ein und dasselbe Ziel im Auge hatte, in Israel die Gotteslehre zu verjüngen. David, der vor seinem schlafenden Todfeinde stand, und. nur den Zipfel seines Mantels als Zeugniß abschnitt. Jeremias, der seinen Rücken der Geißel, seine Füße dem Stock darbot und den Herker nicht scheute, dir Wahrheit entgegenzuvonnern den entarteten Fürsten und Priestern und Bürgern. Und wer zählet sie Alle auf bis auf den geringsten Rabbi des Mittelalters, der Hohn und Roth, Spott unv Tov über fich nahm, nur um dem Worte des Herrn zu leben! Aber noch mehr. Ueberblicken wir die ganze Geschichte des Stammes Juva, Israels, so gewahren wir, daß der Grunvzug derselben — Charakter ist. Mögen selbst vie gehässigsten Gegner ihr Urtheil über uns sprechen, mag Lob und Tavel noch so gemischt in alter und neuer Zeit über uns Juven erfloffen sein: das erkannte man zu aller Zeit an, daß wir Charakter besitzen. Ja, wir wußten, von unserm Urahn Abraham an, zu jeder Zeit, was wir wollten: frei anberen den Einig-Einzigen, unv war' es einer Welt gegenüber, und von dieser Welt nichts Anvrrs wollenv, als diese Freiheit und Sicherheit. Und in diesem unserm Wollen gingen wir nicht rechts unv nicht links, unv beugten uns nicht, und gaben nicht nach, unv ließen kein anderes Gelüste über uns kommen, unv opferten ihm alles Andere auf. In diesem Charakter besiegten wir Aegypter und Syrer, gaben dem Römer nicht nach unv allen herrschenden Völkern, die auf jene folgten, verkauften unser Bckenntniß nicht nm Ehren und Güter der Welt, und waren die Pilger der Welt um dessentwillen! Ja, so sehr waren wir Charakter, daß sich dieser bis auf kleinsten Brauch und Sitte', in Sprache und Geberde ausprägre bis auf den heutigen Tag. Unv fürwahr! durch diese Fülle von Charakter ist es erreicht, nicht blos daß wir noch heute bestehen, sondern daß unsere Helden von allen Völkern der Erde gekannt, gerühmt und verehrt werden, daß bis in die letzte Hütte der Welt sie genannt uuv geachtet sind, während die eigenen Helven der Völker in die Nacht der Vergessenheit sinken, und daß wir noch heute das Fest der Siegesweihe des Makkabi feiern und uns ihrer freuen, wie vor zwanzig Jahrhunderten, während die Siege der Nationen