Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22, Jahrgang. Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her aus gegeben von Rabbiner Nr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 1. Januar 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers n. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. sur den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate 22^2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. : Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Charakter! Eine Betrachtung zu S. Chanukka und Par. Mikez. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Seelsorge in dm größeren Gemeinden. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Weilburg, Fürth, Hannover. Oester re i chi scher Kaiserstaat: Hone. Palästina: Jerusalem. Leitende Artikel. Magdeburg, 20. D.ecember. Charakter! Eine Betrachtung zu S. Chanukka und Par. Mikez. Es ist eigenthümlich, daß in der Regel mit dem Sabbath Chanukkah die Sidra Mikez zusammentrifft, die S. Mikez, welche uns von der Erhebung Josephs aus der Tiefe des Kerkers und Sclaventhüms in die Höhe des• Thrones berichtet, wie uns der S. Chanukkah von der Erhebung des Juda Makkabi erzählt aus der Dunkelheit hes gewöhnlichen Priesterstandes in die Höhe des Verdienstes und des Ruhmes, dadurch Beide alle Jahrhunderte durchleuchten. Beide sind Helden, der Eine des Geistes, der Andre des Schwertes; Beide errangen die höchsten Erfolge, der Eine, zahlreiche Völker aus tövüicher Roth und Drangsal zu retten, der Andre, die Fesseln seines Volkes tzu zerbrechen, die Erdrückung der Religion Gottes zu beseitigen, und der Welt ein strahlendes Beispiel zu geben, wie mächtige Heere vor kleinem Häuflein fallen, kriegsgeübte Schaaren vor waffenunkundigen Männern, wie jene das Unrecht, diese das Recht, jene Tyrannei, diese die Freiheit, jene der Frevelmuth, diese der Heldenmuth, jene die Raublust, diese die Gottesidee leitet und begeistert. Was aber Beide insonders und in seltenem Grade auszeichnet, was sie in allen Bedrängnissen aufrecht erhielt, sie alle Hindernisse überwinden ließ, ja was wesentlich ihnen ihre Erfolge und Siege sicherte, das war — sie besaßen Beide Charakter, und zwar den edelsten, erhabensten Charakter, der sie darum aus Helden zu— Gotteshelden machte!... Charakter? Was heißt das? Charakter hat, wessen Geist eine bestimmte, alle Regionen seiner Seele beherrschende, überall folgerichtig waltende Richtung besitzt, die ihm unabänderliche Grundsätze giebt, von denen er nie abweicht, die in seiner Denk-, Sprech- und Handlungsweise sich unter allen Umständen, in allen Lagen des Lebens ausprägen. Das ist eine seltene und immer seltnere Erscheinung unter den Menschen! Wer Charakter hat, der läßt sich nicht vom Augenblicke beherrschen, nicht vom augenblicklichen Vortheil oder Gelüste leiten, der wanket nicht bald dahin, bald dorthin, hinkt nicht auf zween Seiten, wie es ihm heute oder morgen gut dünke, folgt nicht bald diesem, bald jenem Einflüsse — sondern früh schon faßt er in seinem Leben bestimmten Zweck und Absicht, unabänderlich verfolgt er diese, und fällt nicht ab von diesem Pfade, nicht vor den Reizen in Versuchung, nicht vor den Drohungen in Gefahr! —-