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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-21 · Heft 52 (21.12.1857) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 52 (21.12.1857)
Date
1857-12-21
Page
Seite 713 (sequence 7)
Language
German
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713 gehalten wurde. Erst nach Mitternacht endete die Feier, die in jedem Anwesenden eine bleibende Erinnerung zurückgelassen haben wird. Bei der am 23. d. M. hier stattgefundenen Ersatzwahl der ausgeschiedenen drei Vorsteher wurden neu gewählt: Herr S. Staub und Herr M. Silbergleit, wiedergewählt: Herr Wilh. Blumenreich. Auch die Ersatzwahl der Repräsentanten ist vorüber, und lieferte den Beweis, daß unsere Gemeinde viel conservative Elemente enthält, und daß der JndifferentiSmus in der Minorennität sich befindet. Unsere Schule ist im Gedeihen. Die Ausdauer des Dirigenten ist bewundernswürdig, und die Zukunft birgt zuversichtliche Hoffnung des besten Erfolgs. Oesterreichischer Kaiserstaat. Tarnow, Ende November. (Privatmitth.) So ungern wir auch eine Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit bringen, die, rein localer und überdies unerquicklicher Natur, gar nicht dahin gehört, so sehen wir uns dennoch genöthiget, im Interesse der Wahrheit ein Factum zu berichtigen, daö, entstellt und verzerrt wie eS vorliegt, sehr geeignet ist, eine große Gemeinde Galiziens stark zu compromittiren. Wir meinen die Notiz über Tarnow, welche der geschätzte Correspondent „auö dem Tokayergebirge" einer Wiener Zeitung frommgläubig nachschreibend, in No. 47. dieses Blattes mittheilt, und die selbstgeschaffenen Combinationen und Neflerionen, in welche er dieselbe einrahmt; nur wolle uns die löbliche Redaction den Raum in diesem Blatte und die geneigten Leser die Geduld nicht entziehen. — Vor einer ziemlich langen Reihe von Wochen machte ein animoser Artikel aus Tarnow im „Czas" Aufsehen, in welchem die Verdienste des hiesigen Bürgermeisters mit hochrother, der Zustand der Jsraelitengemeinde hingegen mit pechschwarzer Tinte aufgetragen waren, so daß die Wahrscheinlichkeit der Annahme auf der Hand lag: daß der Bürgermeister selbst, wenn nicht der Schöpfer, doch der Veranlasser desselben sei. Bedetltend modificirt und von nüchternen Bemerkungen begleitet, ging jener Artikel auch in eine Wiener Zeitung über, und in dieser Form möge er auch hier angeführt werden, damit dem geehrten Leser ein fester Halt zur unparteiischen Bcurrheilung und dem Schreiber dieses eine sichere Unterlage zur Berichtigung geboten werde. Die „Presse" Ro. 238. läßt sich nämlich auS Krakau Folgendes schreiben: „Der Bürgermeister von Tarnow hat einen Kreuzzug gegen die kleinen israelitischen Winkelschulen unternommen und dadurch den Zorn der Orthodoren auf sich geladen. Wir können diese Maßregel nur unbedingt loben, vorausgesetzt, daß die projectirte israelitische Normalschule bald zu Stande kommt, denn...«. Weitere Maßregeln des gedachten Bürgermeisters in Bezug auf die jüdische Gemeinde, als die genaue Achtung auf die Matrikelbücher, auf das Stellungswesen u. s. w., obgleich sie nothwendig und unerläßlich sind, steigerten die Erbitterung der Orthodoren bis zur lauten Klage oder vielmehr Beschimpfung des Bürgermeisters vor dem Bezirksvorsteher. Endlich bekam daS Stadtoberhaupt einen im jüdisch-deutschen Jargon ahgefaßten Drohbrief, des Inhalts, daß sich zwölf Juden gegen ihn verschworen haben, daß ihm rin jeder Tropfen Wasser den Tod bringen werde u. s. w., wenn er nicht alsbald sein Amt niederlege. — Solche Vorfälle sind traurig genug, denn sie beweisen erstlich die Stärke des Fanatismus, weicher noch in Einigen ungeschwächl lodert; andererseits aber zeugen sie für den geringen Tact, den mau bei der Durchführung auch der heilsamsten Maßregeln anwendet. Wir sind vollkommen überzeugt, daß, wenn die Sache etwas weniger brüöque und besser eingeleitet und vorbereitet inS Leben getreten wäre, weder diese bedauerlichen Vorgänge, welche eine Criminaluntersuchung hervorgerufen haben, stattgefunden hätten, noch auch der Fanatismus so wach gerüttelt worden, daß vielmebr Alles im ruhigen Geleise geblieben wäre." Wie sehr hier die Wahrheit entstellt, Namen und Personen, Ursachen und Wirkungen verwechselt und durcheinander gewürfelt, und allgemein bekannte Thatsachen auf den Kopf gestellt werben, ist leicht ersichtlich, wenn man — wie hier Jedermann — weiß, daß nicht „wegen des Kreuzzuges gegen die kleinen jüdischen Winkelschulen der Bürgermeister den Zorn der Orthodoren auf sich geladen", sondern daß er wegen herzloser Handhabung polizeilicher Vorschriften und Mißbrauchs der Amtsgewalt schon zur Zeit, als noch die kleinen jüdischen Winkelschulen in höchster Blüthe standen, den Unwillen — nicht nur der Juden, sondern — fast aller hiesigen Einwohner erregt hat; der'sogenannte Kreuzzug gegen die Winkelschulen, der bloö in Folge sei-

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