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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-21 · Heft 52 (21.12.1857) · p. Seite 710

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 52 (21.12.1857)
Date
1857-12-21
Page
Seite 710 (sequence 4)
Language
German
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710 ner ärztlichen Prüfung über seine Befähigung unterzogen, prakticiren dürfe, daß überall, wo ein jüdischer Arzt vorhanden, dieser veranlaßt werde, als Mohel zu fungiren, und insbesondere nach dem Vorgänge so vieler jüdischer Autoritäten und geistlicher Behörden (z. B. daS Konsistorium zu Paris, die israelitische Oberbehörde deS Königreichs Württemberg) die Mezizah zu verbieten. Literarischer Wochenbericht. Hannover, im December. Von einem jungen israelitischen Philosophen in Berlin, Herrn Dr. M. LazaruS auS Filehne, einem Anhänger des Philosophen Herbart, jrneS großen Mannes, der zuerst den Versuch gemacht hat, die Gesetze deS Seelenlebens festzustellen, ist kürzlich (in Berlin bei Schindler) der zweite Band seines trefflichen Werkes: „Das Leben der Seele, in Monographien über seine Erscheinungen und Gesetze" erschienen, nachdem er bereits im vorigen Jahre im ersten Bande drei psychologische Abhandlungen herausgegeben hatte, welche gewisse mittelbare oder konventionelle Erscheinungen des Seelenlebens, wie Bildung und Wissenschaft, Ehre und Ruhm u. s. w. behandeln. Der Inhalt dieses zweiten Bandes ist folgender: I. Geist und Sprache: Wechselwirkung zwischen Seele und Leib. Ursprung der Sprache. Erlernung und Fortbildung der Sprache. Einfluß der Sprache auf den Geist. Die Kongruenz von Geist und Sprache und das Verständniß. II. Der Tact. III. Die Vermischung und Zusammenwirkung der Künste, 1) Malerei und Musik; 2) Baukunst, Bildhauerei und Malerei; 3) plastische, und redende Künste. Diese drei Abhandlungen beziehen sich demnach aus die unmittelbaren Aeußerungen und Thätigkeiten der menschlichen Psyche, über welche der Verfasser mit einer wahrhaft platonischen Anmuth spricht. Da die Sprache aber fast mit allen Offenbarungen und Thätigkeiten der Seele verbunden ist, so war von jeher die Beschäftigung mit ihr, in so fern eS nämlich galt, dem Zusammenhänge derselben und ihren Wechselwirkungen mit dem Geiste nachzugehen, eine Lieblingsforschung nicht blos für Diejenigen, die sich vorzugsweise mit den Gesetzen der Sprache, sondern auch für Solche, die fich mit den Gesetzen des Geistes beschäftigen, und auch Herr Lazarus hat es im ersten Theile seiner Untersuchungen unternommen, die bei der Sprache zusammenwirkenden, gegenseitigen Beziehungen der Seele und des Leibes, des Ueberfinnlichen und des Sinnlichen nachzuweisen, wobei er Denen entgegentritt, die in ihrer einseitigen Auffassung der Natur einen solchen Dualismus nicht erkennen, und darum Alles auf die Materie zurückführen. Ueberall, ist die Meinung des Verfassers, muß man mit Hülfe der Psychologie zur Gotteserkenntniß gelangen. Den Ursprung der Sprache betreffend, findet Herr Lazarus es in hohem Grade beachtenswerth, daß die einzige Quelle einer religiösen Tradition über dieselbe, nämlich die Schöpfungsgeschichte im 1. Buche Mosts, nicht den göttlichen, sondern den menschlichen Ursprung der Sprache lehre; „und Gott brachte sie (Alles, was er gebildet hatte aus dem Erdboden, Gethier und Vögel) zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und alles Lebenathmende, wie es der Mensch nennen würde, der Name soll ihm bleiben."*) Wir scheiden von dem Verfasser in der Ueberzeugung, daß neben den dieselbe Materie behandelnden Schriften eines Herder, Wilhelm von Humboldt (in seinem berühmten Buche über die Kawi-Sprache), Becker, Jac. Grimm, Steinthal und Anderer, sein Werk sicher eine ehrenvolle Stelle einnehmen werde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dessau, 13. December (Privatmitth.) Nachdem unser verehrter Professor Louis den Entschluß gefaßt hat, sich von seiner Wirksamkeit an der hiesigen Herzoglichen Franzschule zurückzuziehen, um den Abend seines Lebens im Schoße seiner Familie ruhig zu verleben, ist ihm, auf sein desfallsiges Ansuchen, am heutigen Tage das nachstehende Rescript Seitens Herzogl. Consistorii zugefertigt: „Indem wir Ihnen hierdurch eröffnen, daß Se. Hoheit, der ältestregierende Herzog, unser gnädigster Herr, die von Ihnen erbetene Versetzung in den Ruhestand mit Belastung Ihres ganzen DiensteinkommenS als Ruhegehalt gnädigst zu genehmigen geruhet hat, gereicht es uns zu einer besvndern Befriedigung, unsere dankbare Anerkennung Ihres pflichttreuen, eifrigen und erfolgreichen Wirkens während einer mehr als fünfzigjährigen, vielfach gesegneten *) Doch ist hierbei die Geschichte des Thurmbaus von Babel zu beachten! Redact.

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