Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1857)
- Date
- 1857-12-14
- Page
- Seite 702 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bis allher über 200 israelitische Kinder hie hier bestehende Missionsschule besuchten und eine vielleicht noch größere Zahl ganz ohne Unterricht ausgewachsen war. Der löbliche Gemeindevorstand zu Pesth erkannte auch die Größe und Wichtigkeit dieses allerhöchsten GnadenaeteS und äußerte seinen aufrichtigen Dank und seine ungeheuchelte Freude für diese landesväterliche Sorgfalt nicht nur durch die bei der Schuleinweihung vom Herrn Vorsteher D. Fleisch! öffentlich gesprochenen Worte der Erkenntlichkeit, sondern auch durch die bei der Creirung der Schule bewiesene Opferwilligkeit und Strebsamkeit. Es wurde nämlich ein auf einem ruhigen Platze gelegenes schönes HauS um 55,000 Fl. C.-M. zur Errichtung der Schule angekauft; die iy demselben befindlichen 6 Schulzimmer sind licht, geräumig, trocken und gesund, so wie auch mit den schönsten und zweckmäßigsten Lehrmitteln versehen. Ein besonderes Verdienst um die schnelle äußere Organisation der Schule erwarben sich ferner die Herren Vorstandsmitglieder D. Gans und vr. I. Hauser, welche durch ihre weisen Rathschläge und ihre thatkräftige Unterstützung daS Wohl und Gedeihen dieses jungen Institutes auf jede mögliche Weise befördern und mehren. Mit dem nächsten Sommercurse wird in Pesth auch die vom israel. Ungar. Schulfonde dotirte Mädchen- Mustcrhauptschule eröffnet und der löbliche Gemeinde- Vorstand trifft schon jetzt die nöthigen Maßregeln zum möglichst schnellen Aufbau eines zweckmäßigen MädchenschulhauseS. Möge derselbe nur fernerhin zum nachahmungswürdigsten Beispiele der Landgemeinden fortfahrcn, dem Jugend unterrichte und der Kindererziehung seine ungetheilte Aufmerksamkeit zu schenken, und sich keinesfalls von jenen, zwar vereinzelten, doch engherzigen und einflußreichen Gemeindemitgliedern beirren lassen, die da statt Schulzimmer Wollmagazine oder andere Waarennicderlagen angelegt wissen wollten, und die Ausgaben für Schulzwecke im Gemeindebudget mit mißliebigem Auge und als überflüssig betrachten, weil nämlich sie ohne den Besitz der Schreib- und Lesekunst dennoch zu ihrem gegenwärtigen Geldbesitz gelangt sind; doch tempi passati und wer Geld besitzt, besitzt noch nicht Geist und Gemüth, ohne welche bei übrigens leidlicher Gesundheit kein wahres irdisches Glück möglich ist. Die vom hohen Ministerium ernannten Lehrer haben ihre Decrete mit der in denselben angeführten Bemerkung erhalten, daß sie in dem Falle, als später eine israelitische Lehrerbildungsanstalt mit der Musterhauptschule in Verbindung kommen sollte, zur Betheiligung an dem Unterrichte der Lchramtscandidaten verpflichtet sein werden. Dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Totis wurde wegen seines Eifers in Cultus - und Schulangelegenheiten daS silberne Verdienstkreuz mit der Krone verliehen; er dürfte vielleicht der erste Vorsteher sein, dem auS diesem Grunde die allerhöchste Auszeichnung zu Theil wurde; warum? daS'ist eine Frage, die Jene beantworten mögen, denen die Regelung deS Gottesdienstes und der Gemeindeinteressen anvertraut wird. — In TemeSwar wurde die k, k. israelitische. Musterhauptschule in den ersten Tagen dieses MonateS eröffnet, und eö bleiben daher nach dem hohen Ministerialerlasse noch vier derartige vom Schulfonde dotirte Anstalten, deren Errichtung mit aller Erwartung entgegen gesehen wird. Pesth, den 18. November 1857. A. Lederer, Dircctor der k. k. israelit. Musterhauptschule zu Pesth. Wie«, 3. December. (Privatmitth.) Die Vorstandswahl, die am 29. Novbr. hier stattfand, führte zu keinem entscheidenden Resultate. Die Gemeindestatuten setzen nämlich fest, daß drei Viertheile der berechtigten Wähler stimmen müssen, wenn die Wahl eine gültige sein soll. Es wäre dieses eine Zahl von beiläufig 900; eS fanden sich aber blos 368 Wähler ein und es muß daher wiederholentlich zu einer Wahl geschritten werden, die allerdings ein definitives Resultat bringen wird. Wie so es kam, daß die Betheiligung bei der Wahl eine so geringfügige war? Nun, man weiß es, daß in Staaten, wo das parlamentarische Leben nach jung ist, die Betheiligung bei den Wahlen immer schwach ist, dazu mag auch wohl daS schlechte Wetter beigetragcn haben. Es lief übrigens die Wahl nicht ganz ohne Agitation ab. Der Vorstand selber nahm die Wahlangelegenheit in die Hand, um unreinen Elementen den Zugang abzusperren. Es hat sich die Agitation dieses Mal auch in den Journalen kundgegeben. Bisher hat man sich ziemlich fern von diesem Schritte gehalten. Für die Verunglückten in Mainz wird hier aller Orten gesammelt. Der Vorstand der israelitischen