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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-07 · Heft 50 (7.12.1857) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 50 (7.12.1857)
Date
1857-12-07
Page
Seite 688 (sequence 10)
Language
German
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688 auf die Todten. «Bekanntlich wurde der Gottesacker erweitert, Familiengrüfte eingerichtet rc.) ES galt auch während dieser Zeit gar oft unsere Rechte nach außen hin zu vertreten und es ist bekannt, mit welcher Energie stets der Vorstand für seine Glaubensgenossen eintrat, wie derselbe seine hervorragende sociale Stellung zum Besten Israels verwendete. Wir erinnern in dieser Beziehung an die Bemühungen des Vorstandes zur Zeit als daS provisorische Gesetz über Besitzfähigkeit erschien und das loyale, aber doch entschiedene Vorgehen desselben, wo es sich darum handelte, jüdische Volksschulen hier zu errichten. Die Gemeinde weiß diese Verdienste zu würdigen und es waltet kein Zweifel ob, daß der größte Theil, wo nicht Alle, die auStreten sollen, wieder neuerdings gewählt werden. Herr L. v. Wertheimstein ist Vorsitzender im Vorstande und man darf es sagen, er ist Künstler als Tact- und Tonangeber. In demselben Maße, wie er es verstehet, mit Klarheit die divergirenden Ansichten zusammenzufassen, so verstehet er eS, mit Klarheit und Wahrheit, mit Glaubenswärme das Recht seiner Glaubensbrüder den Behörden gegenüber zu vertreten. Seine hervorragende sociale Stellung bestimmt ihn überdies zu der hervorragenden Stellung in der Gemeinde. Herr vr. Engel zeichnet sich aus durch geistige Begabung und Befähigung; überdies ist sein Feuereifer für den Glauben seiner Väter, für das Wohl der Gemeinde nicht genug zu würdigen. Die Schulcommission aber, wo derselbe sich befindet, würde durch seinen Austritt einen sehr bedeutenden Verlust erleiden. Er gehört zu den Wenigen, die eine Schule zu würdigen und zu beurtheilen verstehen. Ich darf es nicht übergehen, daß er bei der jüngst obschwebenden Religionslehrerfrage seine geliebte Gattin, die bereits seit Jahren am Krankenlager gefesselt ist, zum ersten Male verließ, um für die Gemeinde zu wirken. Nicht minder sind die Verdienste des Herrn Strauß um die Gemeinde bekannt, der bereits seit Jahrzehenden in mannigfacher Richtung für dieselbe thätig ist. Eben so hat Herr Schlesinger stets gestrebt, für das Wohl der Gemeinde zu wirken. Man kann daher aiinchmen, daß die Wiederwahl dieser Vorstandsmitglieder gesichert ist. Es würde sich nun wieder um die Bestimmung der Neuzuwählende» handeln. Eine Gemeinde wie Wien hat vor Allem Männer von mannhaftem Charakter und mannhafter Gesinnung zu wählen, die Herz und Sinn für Juden und Judenthum haben. ES kann sich hier nicht fragen, zu welcher Richtung im Judenthume der Kandidat gehört, denn obschon der Vorstand die vollkommenste Autonomie besitzt, so kömmt es demselben doch nicht in den Sinn, rein religiöse Fragen irgendwie entscheiden zu wollen. Gewiß ist es aber, wie einmal Ihr geistreicher Hamburger Korrespondent bemerkte: Ein Vorstand, der trefa ißt, sorgt für Diejenigen, die koscher essen, nicht so umgekehrt. ES ist übrigens auch nicht so weit hier gekommen. So sehr wir freilich wünschen, daß auch Diejenigen, die sich hier orthodor nennen (bekanntlich ist hier der Unterschied zwischen orthodor und rcform nicht groß, mit Ausnahme einer unbedeutenden Zahl extravaganter Köpfe), im Vorstände vertreten sein sollen, so möchten wir uns dagegen verwahren, als würde „frumm" hier allein das Kriterium für den Vorsteher sein. Außer oben angeführter allgemeiner Bedingung giebt es drei Momente, di-e als Maßstab dienen können: hervorragende sociale Stellung, hervorragende geistige Befähigung und Reichthum, mit dem ein edler Sinn verbunden ist. In dieser Richiung erlaube ich mir zum Schlüsse einige Namen zu nennen, die zumeist die Chancen des Erfolges einer Neuwahl haben und die des Vertrauens würdig erscheinen. Es sind die Herren: Anton Bing, JacgueS Brandeis, Adolf Landesmann, Sigm. Lederer, Sigm. Pollak, Fried. Schey und Philipp Wertheimber rc. - Italien. Aus Oberitalien, im November. (Privatmitth.) Die Andeutung, die jüngst in diesen Blättern stand, daß der Herr Professor Luzzatto in Padua an seinem Verstände gelitten, muß ich, so schmerzlich es ist, leider bestätigen. Das Schlimmste für ihn ist, daß er damit nicht hinter dem Berge hält, sondern es für Jedermann zur Schau trägt. So lese ich eben einen Brief von ihm im „Univers isra6lite“, welcher die unzweideutigsten Beweise dieser Geistesverwirrung trägt. Daß ihn Herr Bloch dennoch in seiner Monatsschrift abdruckk, kann nicht verwundern; denn da kein vernünftiger Mensch mehr mit Herrn Bloch zu thun haben will, so greift er nach dem Unvernünftigen. In

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