Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-07 · Heft 50 (7.12.1857) · p. Seite 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 50 (7.12.1857)
Date
1857-12-07
Page
Seite 689 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226090--16554-3245418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«89 diesem Briefe giebt Herr Luzzattseine Ueberzeugung von der Existenz deS Satans und den Werke» deS letzter» zu erkennen, und dies ist wohl bei' einem Professor der jüdischen Theologie Zeugniß entschiedeyer Geistesverwirrung genug. Ferner behauptet er, daß noch niemals ein Jude, der streng nach dem Gesetze lebt, von einem AnderSglaubenden gehaßt worden, und daß. nur die »eueren Juden „die Feindseligkeit deS Volkes, des Klerus, der Schriftsteller, der Staatsmänner und selbst einiger Souverainen" auf sich gezogen — eine solche Behauptung kann lediglich der pure Blödsinn, der die Geschichte der Juden seit zwei Jahrtausenden vergessen hat, aufstellen. Nun bedenke man, daß Herr Luzzatto in demselben Briese sagt: „Ehemals, wenn ein Israelit die Völker in Finsterniß wandeln sah, segnete er in seinem Herze» Gott, ihn von diesen getrennt zu haben", — und daß Ä assp 'meint, durch solche Sätze die Liebe der Andersglaubenden uns zuzuwenden, um von der um Luzzatto'S Geist angebrochenen Nacht überzeugt zu werden. Aber auch daS deutet unwiderlegbar dahin, daß Luzzatto in diesem Briese offenbare und absichtliche Täuschungen und zwar über Schriften, die in Jedermanns Händen sind, vorträgt. Er sagt: „Herr Philippson hat im Jahre 1847 in seinem Buche „die Entwickelung der religiösen Idee" geschrieben, daß bald die Völker ihre Jrrthümcr verlassen würden und Israel seine besondern Gesetze, um nur eine Familie zu bilden, und daS würde die messianische Zeit sein." Die erste Lüge ist hier, daß Sie von der messianischen Zeit sprechen, während diese in Ihrem ganzen Werke mit keiner Silbe erwähnt worden. Die zweite, noch größere Fälschung besteht in dem Einschieben des Wörtchens bald, während Sie in Ihrer Schrift S. 186. sagen: „Wir stehen erst am Anfang dieser Bahn, und können froh und zufrieden sein, daß wir schon daS hohe und erhabene Ziel sehen, auf daS die Menschheit hinsteuert, ohne auch nur von dem Wege, der dahin führt, schon eine genauere Kenntniß zu haben." Endlich vergißt der große Gelehrte Luzzatto, daß dies, wenn wir daS Wörtchen „bald" auSgestrichen, die Lehre der Talmudisten selbst ist (f. Abod. sar. 24a.; Nidd. 61 b.; Midi-. Thauch. 55 b. unb Andere). Eine solche Vergeßlichkeit kann einem Luzzatto nur in völliger Geistesschwäche passiren. DaS Lächerlichste hierbei ist, daß er, um Sie zu verdächtigen, Ihnen ein „bald" unterschiebt, und Sie dies doch wieder als „messianische Zeit" bezeichnen läßt; er muß also selbst den Messias sehr Nahe glauben;, vielleicht hält er sich für den Vorboten desselben, waS, da er sich bereits für inspirirt auSgiebt, ihm nicht schwer fallen würde. Sprechen wir unverhohlen unser Bedauern über diesen Geisteszustand des geachteten Schriftstellers aus, so wie chen Wunsch, Herr Luzzatto möge ein wenig auf sich merken, um vielleicht dem Fortgang seiner Krankheit wirksam entgegenzutreten. Anzeigen. 1 18 3 Restauration und Gastwirthschaft von S. Hfrschel* Dresden t Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier. Diensterledigurrg. Die Bewerber um das Vezirksrabbinat Lehrensteinsfeld, womit neben freier Wohnung und außer den Stolgebühren und Emolumenten und der tarifmäßigen Vergütung der Reise- und Zehrungskosten bei der Leitung des Gottesdienstes in den zugehörigen Gemeinden ein aus der israel. Central-Kirchenkasse zu beziehender Firgehalt in dermaligem Betrag von 530 Fl. verbunden ist, werden aufgefordert, unter Angabe ihrer persönlichen und Familienverhältnisse, so wie ihrer Bildnngslanfbahn binnen sechs Wochen bei der K. isr. Ober-Kirchenbehörde sich zu melden. Ausländische Bewerber können auf frankirte Zuschriften von der Kanzlei der K. isr. Ober-Kirchenbehörde in Stuttgart jede wünschenswerte nähere Auskunft erhalten. Stuttgart, den 27. November 1857.. Der Unterzeichnete Cultusgemeinde - Vorstand macht hiermit bekannt, daß zum 24. April 1858 für den hiesigen Stuhl - Bezirk die Stelle eines Religjonsweisers, der am Hiesigen Orte als Vorbeter und Schächter zu fungiren hat, mit dem jährlichen Gehalte von 500 Fl. C. M. und verschiedenen Emolumenten, besetzt werden soll. Bewerber, welche zugleich die Fähigkeit haben müssen, die Matrikel zu führen, wollen sich entweder persönlich oder mittelst srankirten, eigenhändig geschriebenen Briefes an uns wenden. Siklos bei Fünfkirchen in Ungarn, den 15. November 1857. Der israelitische Cultus-Vorstand des Sikloser Stuhl-Bezirks. Adolf Schulhof, Stadt-Arzt. 50**

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.