Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1857)
- Date
- 1857-12-07
- Page
- Seite 687 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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diener-Znstitut, Friedländer'sche Mädchenanstalt brachten Wünsche, Blumen, Lieder, Adressen und Uhren; man fühlte, daß sie ihn für einen Mann der Zeithielten. Die Religionsschule ii] einer Auswahl von Schülern aller Claffen dankte in kindlichen Worten und behauptete gleichfalls durch Ueberreichung einer herrlichen Tischuhr, daß er ebenso ihrer Zeit, d. h. der Zukunft angehöre. Eine ganz besondere Freude verursachte dem Jubilar das Erscheinen einer Deputation Studenten jüdischen Glaubens, die in feierlicher Anrede eine lateinische Adresse überreichte, die eben so gediegen im AuSdrucke als bedeutend in kalligraphischem Werthe ist. — Aus der Ferne erschien die Vereins - Gemeinde Posen, vertreten durch ihren würdigen Rabbiner, Herrn Dr. LandSberg, eine Adresse seiner Gemeinde überreichend, und der Gemeinde Wiesbaden, in welcher Geiger seine Amtswirksamkeit vor 25 Jahren angetrete»; sie sandte Adresse und Pokal, und konnte den wehmülhigen Ausdruck nicht zurückhalten, daß der Mann ihr nunmehr blos in der Erinnerung noch angehöre. Am. Abend desselben Tages fand im Saale des Lake restauiant noch ein solennes Festmahl statt, zu welchem sich gegen 300 Personen eingefunden hatten. Oesterreichjscher Kaiserstaat. Wien, 10. November. (Privatmilth.) Im nächsten Frühjahre werden hier drei Einweihungen neuer Gebäude stattfinden. Vor Allem der neue Tempel, der bis dahin hoffentlich vollendet sein wird. Es ist das im vollen Sinne des Wortes ein monumentaler Bau, der zur Zierde der Residenz gereicht. Zwei andere Gebäude, die allerdings minder monumental, aber dem Zwecke aufs Vorzüglichste entsprechen, werden ebenfalls im Frühlinge eingeweiht. Ich meine nämlich die israelitische Kinderbewahranstalt in der Leopoldstadt und das Taubstummeninstitut, Vorstadt Landstraße. Sie werden den spätem Geschlechtern noch als Stätte des Heiles und des Segens sein. Sie werden den kommenden Geschlechtern verkünden, wie stark jüdisches Gefühl und Bewußtsein in der Gegenwart, respective Vergangenheit, waren. Ein freudiges Gefühl durchbebte mein Inneres, als ich diese Räume betrat. Und doch giebt es Leute, die nicht genug Hohn und Spott für die Gegenwart haben. Die hiesigen so wie auswärtige Journale bringen im Auszuge einen Erlaß der hohen Stattbalterei in Betreff der Neubildung jüdischer Cultusgnunnven, den Schreiber dieses den geehrten Lesern der Atigem. Zeit. d. Judenth. im Monal Juli uiittheilte. Wien, 11. November. (Privatmilth.) Die Statuten der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde setzen fest, daß alljährlich Ein Vertreter und drei Beiräihe vom Vorstande auszuscheiden haben. (Bekanntlich bestehet der Vorstand aus fünf Vertretern und fünfzehn Bciräthen, und wurde derselbe im Jahre 1852 nach Genehmigung der Statuten von Seite der hohen Behörden gewählt und zwar für das erste Mal auf fünf Jahre. Von nun an aber tritt der Paragraph in Kraft, daß alljährlich Ein Vertreter und drei Beiräthe durch das Loos auszuscheideir haben, können jedoch wieder neuerdings gewählt werden.) DaS Looö siel dieses Mal auf den Vertreter Herrn Leopold v. Wertheimstein und auf die Beiräthe die Herren Dr. M. Engel, Karl Schlesinger und Alb. Strauß. Ueberdies sind drei Neuwahlen vorzunehmen, da drei Beiräthe im Laufe dieser fünf Jahre ihr Mandat freiwillig zurückgelegt haben. Es wäre unnölhig, auf die Wichtigkeit dieses ActeS hinzuweisen. Die Wiener israelitische Gemeinde gehört zu den größten und bedeutendsten, qualitativ und quantitativ, von ganz Deutschland, von ganz Europa. Wien ist aber nicht blos dadurch bedeutend, daß es als großer Gemeinvecompler bastehet; eS ist tonangebend für die ganze Monarchie und über dieselbe hinaus. Werfen wir nun einen Blick auf die Wirksamkeit des Vorstandes seit den fünf Jahren seines Bestandes, so wird man demselben nicht daS Zeugniß versagen können N2i?2d«2 tos o-.sa D’poon. Er hat mit Eifer und Treue sein Amt während dieser Zeit verwaltet und es gehört dieser Zeitabschnitt zu den wichtigsten des hiesigen Gemeindklebens. Während dieser Zeit wurde der Bau deö neuen Gotteshauses in Angriff genommen und fast zu Ende geführt. Während dieser Zeit wurde die ReligionSfchule reorganisirt, dem hebräischen Momente mehr Rechnung getragen und ein rmommirter Prediger, so wie die beiden jetzt süngirenden Religionslehrer angestellt. Während dieser Zeit nahmen fast sämmtliche Wohlthätigkeitsinstitute der hiesigen Gemeinde einen neuen Aufschwung und die Fürsorge deS Vorstandes war nicht bloö für die Lebenden, sie erstreckte sich auch 50