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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-07 · Heft 50 (7.12.1857) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 50 (7.12.1857)
Date
1857-12-07
Page
Seite 686 (sequence 8)
Language
German
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686 lichen Schule Anstellung und unterrichtet gegenwärtig im Vereine mit einem protestantischen und kacholischen Lehrer die christlichen und jüdischen Kinder, die nur beim Religionsunterricht sich trennen. Bei der jüngsten landwirthschaftlichen Prämienvertheilung erhielt ein Jude in Hoppstädten den zweiten Preis wegen guter Viehzucht, was ich zur Beseitigung eines bekannten Vorurtheils mit Freuden zur öffentlichen Kunde bringe. Dessau, im November. (Privamitth.) In unserer Gemeinde scheint sich jetzt ein regeres Leben zu gestalten. Ucberall hört man von bevorstehenden Veränderungen, die mir Energie ins Leben gerufen werden sollen, und bei dem jetzigen Vorstande ist durchaus nicht zu zweifeln, daß das Wort zur Wahrheit werde. Der Umsicht unseres bisherigen Vorstandes haben wir eine geregelte Verwaltung im wahren Sinne des Wortes zu verdanken und die Gemeinde wußte diesen Dank am besten dadurch zu documcntiren, daß die meisten Mitglieder desselben stets wieder gewählt werden. — Es ist, Gottlob, hier die oft besprochene Unsitte gefallen, daß nur das Vermögen zum Vorsteheramte befähig!; im Gegentheil hat die Intelligenz der hiesigen Vorsteher viel Gutes und Heilsames geschaffen. Der Friede in der Gemeinde wird durch daS wirklich gute Statut erhallen und gehl dieselbe mit Gott einer besseren Zukunft entgegen. Der Bau, oder vielmehr die Renovation unseres Tempels wird nächsten Sommer, so Gott will, unverzüglich in Angriff genommen, und mit der Weihe desselben soll eine neue Synagogenordnung und eine dem Geiste der Gemeinde entsprechende Liturgie ins Leben treten. Ferner wird im Lause dieses Jahres eine Religionsschule errichtet, und nur auf diese Weise kann am erfolgreichsten der förmlichen Erschlaffung in religiöser Beziehung entgegengearbeitet werden. Auch noch andere Verbesserungen bei den verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten stehen in Aussicht. Im Vorstande zeigt sich überhaupt eine Lebendigkeit und ein Eifer, wie man sie seit Jahren nicht wahrgenommen und scheint derselbe wahrhaft zu fühlen, wie es an der Zeit sei, die Gemeinde Dessaus, die zu den ersten in Deutschland gehörte, welche so viel Heilsames für die Religion und die Wissenschaft des Judenthums zu Tage gefördert, aus einem mehr als 25jährigen Schlafe zu erwecken. — Preußen. Breslau, 24. November. Wie in diesen Blättern bereits gemeldet, feierte Rabb. vr. Geiger am 21sten d. seinen 25jährigen Amtsantritt in Wiesbaden. Die „Schles. Ztg." enthält einen Bericht über diese Feier, dem wir Folgendes entnehmen: Den Reigen der Glückwünschenden eröffnete am frühen Morgen die Knaben-Waisen-Anstalt; kurz darauf erschien eine Deputation der früher Confirmirten, darunter mehrere gebildete und angesehene Frauen, und überreichte ein von der einen Dame verfaßtes sinniges Gedicht nebst einer silbernen Fruchtschale. Bald wurde der Jubilar von dem Synagogen-Vorstande zur Synagoge feierlichst eingeholt, das erleuchtete und geschmückte Gotteshaus war gedrängt voll, und der Gottesdienst, durch Herrn Canlor Deutsch immer so würdig gehalten, machte diesmal einen um so crhöhteren Eindruck, als man Allem den warmen Hauch der Weihe und Liebe anfühlte. Der Religionslehrer Herr Dr. Levy sprach daS Altargebek (?) und fügte ein kräftiges und schwungreicheS für den Jubilar bei, woraus dieser vor der lautlosen Menge einen Rückblick auf Vas verflossene Viertel- Jahrhundert gab und daran Gebete für die hiesige Gemeinde nach allen ihren Richtungen für Stadt, Staat und das hohe Herrscherhaus knüpfte. — In der Behausung des Gefeierten erwartete ihn bereits eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten-Gemeinde, die durch ihre Vorsitzenden, Herrn Dr. Sachs und Herrn Sanitätsrath Ile. Grätzer, unter Ueberreichung eines kunstvoll gearbeiteten Pokals, Worte der Anerkennung und Glückwünsche aussprach. Es folgte der Vorstand der Kranken-Verpflegungs- und Beerdigungs-Gesellschaft, von dem Wirken des Jubilars bei Kranken und Leichenbegängnissen Veranlassung nehmend, und ihre Gefühle der Ehrerbietung ausdrückend. In gleichem Sinne sprachen die Armen-Commission und Cultuö-Commission, der Bekleidungsvcrein und andere Deputationen wohlthätiger Vereine. Die Gesellschaften, denen Geiger als Ehrenmitglied angehört, die der Brüder, der Freunde und der Erholung, erschienen, repräsentirt durch ihre Vorstände, und überreichten Adressen nebst sinnigen und werthvollen Geschenken. Die Anstalten, denen Geiger theils als Mitvorsteher, theils als Revisor angehört: Industrieschule, Waisenanstalt, Handlungs-

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