Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1857)
- Date
- 1857-12-07
- Page
- Seite 684 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226090--16549-3245413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
684 dische Theologie" ertheilt worden, deren erste Lieferung mit Beginn des kommenden Jahres erscheint. Es ist dies in Ungarn daS erste derartige Unternehmen. Dresden, im November. (Rechtfertigung.) In No. 39. dieser Zeitung beschuldigt mich Herr Dr. Herzfeld, in meiner angefangenen Necension der Gesch. d. Juden von Graetz in der ,Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" S. 226. ff. Mehreres aus seiner „Geschichte des Volkes Jisrael" ohne Angabe der Quelle entlehnt zu haben. Wer meine Recenston genau liest, der wird die selbstständige Auffaffuug und Behandlung des Besprochenen im Ganzen wie im Einzelnen nicht verkennen; wer die von Herrn Dr. Herzfeld hervorgehobenen Punkte in derselben mit dem von ihm Gesagten vergleicht, wird heraussinden, daß jene diesem nicht nachgearbeitet, sondern selbstständig gefunden sind; daß die Voraussetzung, Dieses und Jenes könne nicht anders als aus seinem Buche entlehnt sein, auf Jrrthum beruhe, und daß endlich mein Ankläger an mehreren Stellen mich mißverstanden hat, indem ich etwas ganz Anderes sage, als er in den betreffenden Stellen seines Buches. Ich muß übrigens bemerken, daß die Recension schon geschrieben und ich mit der Kopie zum Drucke beschäftigt war, als mir der dritte Theil des Herzfeld'schen Werkes zur Hand kam, daß ich mit der lange schon verzögerten Vollendung des einen Theiles der Recenston eilte und mir nur gönnte, in vem noch unanfgeschnittenen Buche im Ercurse über die Essäer hier und da flüchtig zu lesen. Und mm zur Sache! Ad l. Ich habe Herrn Dr. Graetz eingehalten, 1) daß Horaj. 4 a nicht von factiöser Opposition, überhaupt nicht von Opposition die Rede ist, 2) daß in Synhedr. 88 b Zedukim nicht erwähnt sind und 3) daß der Talmud Tefillin nicht als Tradition, sondern als rein biblisch ansehe; was Herzfeld als aus seinem Buche Seite 386. Anm. entlehnt ansieht.— Nun aber sind Erstens diese Einwendungen jedem Talmudkundigen, der die von Graetz angegebenen Stellen liest, so in die Augen springend, daß ich mir nicht daS Geringste darauf zu Gute thue und mich nur wundere, wie man um die Priorität dieser Entdeckung streiten kann. Zweitens ist von dem zweiten Einwande, daß nämlich Synhedrin 88. Zedukim gar nicht genannt werden, in der beregten Anmerkung nicht einmal die Rede. Drittens habe ich in meinem Einwande angedeutet, daß Graetz in Horaj. keinesweges von einem gewöhnlichen Säten Mamreh geredet wissen will, — va er wohl weiß, daß -n nicht tft heißt — sondern daß er factiöse Synhedrialmitglieder verstanden hat, d. h. Mitglieder des Beth-Din, die sich der Mehrheit widersetzen; worauf Herr Dr. Herzfeld gar nicht eingeht. Daß aber Tefillin im Talmud als biblisches Gesetz gilt, brauchi man doch nicht erst von H'rzfeld zu lernen. Ad 2. Ich habe gegen die Ansicht, daß die Essäer, von welchen Joseph redet, identisch mit Ehaberim wären, eingewendet, daß sich zu große Gegensätze zwischen diesen zeigen, indem die Essäer nicht opferten, sich nicht verehelichten und nicht die Auferstehung des Leibes annahmen. Nun meint Herzfeld, daß er zuerst diese Gegensätze urgirt hätte, und diese also nur aus seinem Buche entlehnt sein könnten. Das heißt doch wahrlich vor der ganzen Literatur über die Essäer bis ans unsre Zeit die Augen verschließen! Diese Gegensätze sind ausgesprochen in Jos. jüd. Kr. II, 8. §§. 2. und 11., wo sogar die Ansicht der Essäer über den Zustand der Seligkeit ziemlich präciskrt erscheint, wenn Jos. nicht den Griechen zu Gefallen geredet hat. Fast das ganze Capitel ist in Frankens Zeitschr. für d. Relig. Inter. HI, S. 444 — 449. übersetzt zu lesen. Ferner in Antiqu. 18, 2., wo Bellermann den §. 5. so erklärt, daß die Essäer keine Opfer brachten, sondern sie an sich selbst vollbrachten im Glauben und im Wandel (vgl. Frankel das. S. 459.). Und so viel ich weiß, haben alle Schriftsteller über die Essäer bis auf die neuere Zeit diese Gegensätze „urgirt" und daher den Essäismus als Annäherung an Christenthum und Mönchsthum bezeichnet. Erst die neuern jüdischen Gelehrten, vorzüglich Rappoport und Frankel, gehen davon ab und mißtrauen dem Jos., weil er erstens nach griechischer Schablone gearbeitet, wie Graetz treffend sich ausdrückt, und zweitens zu seiner Zeit der Essäismus schon seinem Ursprünge durch vielerlei Ausschreitungen untreu geworden sei. Mithin ist Herr Dr. Herzfeld nicht der Erste, der die genannten Gegensätze urgirt, sondern Frankel und Rappoport sind vielmehr die Ersten, welche gegen die bisherige allgemeine Annahme die Essäer mit den Ehaberim identificiren. Ad 3. Ich nehme Anstand an der Erklärung des Herrn Dr. Frankel (Monatsschr. S. 64. u. Skizze S. 459.) in der Stelle Antiqu. 18, 2, 5. eig de ro tegbv ävafrrjjuatu re orzklovreg &valag ovx bineXovai letzteres Wort aufzufaffen: sie bringen nicht selbst ihre Opfer, sondern lassen sie bringen. Und weil Herzfeld S. 392. auch daran Anstoß nimmt, so muß dies von ihm entlehnt sein! Ich sage aber im Gegentheil, daß emrelovoi