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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-12-07 · Heft 50 (7.12.1857) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 50 (7.12.1857)
Date
1857-12-07
Page
Seite 683 (sequence 5)
Language
German
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«88 tone berauben die Israeliten gewisser Rechte civilisirter Menschen. Ein amerikanischer Bürger hebräischer Confession ist in seinem Vaterlande unter der Garantie der Verfassung aller der Wohlthaten theilhaftig, die sie irgend einem anderen Bürger angedeihen läßt und ist deshalb in seinem Verkehr mit fremden Nationen zu denselben Privilegien und Freiheiten berechtigt, welche durch die Verträge schließende Gewalt irgend einem anderen Theile seiner Mitbürger von anderem Bekenntniß verschafft werden können. In dem besonderen vorliegenden Fall ist der Grund zur Klage der, daß, obgleich die Existenz dieser Cantongesetze und Regulative, die den Gesetzbüchern der finstersten Zeit zur Schande gereichen würden, bekannt war, dennoch die Bestimmungen des Vertrags in der Weise abgefaßt wurden, daß, während er der Majorität unserer Bürger gleichen Schutz zu Theil werden ließ, eine Minorität (die Bürger hebräischer Confession) ohne diesen Schutz und einem gehässigen Unterschied unterworfen blieben. Herr Präsident! die hiegegen Protestirenden wissen recht wohl, daß sie durch ihre Menge allein nur geringen Einfluß auf unsere politischen Begebenheiten ausüben können, aber sie wissen gleichzeitig, daß die Schranken und die Rechte der Negierung nur zum Schutz der Minoritäten festgestellt sind. Sie stützen sich auf ein Recht. Sie berufen sich auf ein constitutionelles Princip und indem sie sich an Sie zu ihrem Schutze wenden, fühlen sie, daß sie ihr Gesuch an einen gerechten Staatsbeamten richten, dessen sorgsame Aufmerksamkeit durch die Schwäche des leidenden Theils vermehrt werden wird. Wenn, Sir, die Lage des Landes die Ausführung des Vertrages nothwendig gemacht, wenn ein großes Staatsinteresse, das die Sicherheit oder die Wohlfahrt des Volkes in sich trug, ein Opfer gefordert hätte, so würden, wie man mir sagt und wie ich glaube, die Israeliten sich schweigend gefügt haben; aber bei der verhältnißmäßig geringen Bedeutsamkeit, bei den geringen Vortheilen, die dem Lande aus diesem Vertrage resultiren, fühlen sie sich nicht durch irgend ein patriotisches Motiv veranlaßt, ihren feierlichen Protest gegen ein so offenbares Unrecht zurückzuhalten. Die Abgeordneten kommen deshalb zu Ihnen, als der erecutiven Gewalt dieses großen Staatenbundes, nicht um eine Handlungsweise vorzuschreiben, selbst nicht um ein Gegenmittel anzurathen, sondern um sich frei über den Charakter ihrer Klage auszulassen und dem Sinne für Gerechtigkeit und Weisheit, der Ihr Privatleben auszeichnete und Ihre öffentliche Laufbahn verherrlichte, den Erfolg ihrer Beschwerde und die Mittel zu ihrer Abhulfe zu überlassen. — Des Präsidenten Antwort und ganze Haltung drückte großen Ernst und Aufrichtigkeit aus; so gut eS aus dem Gedächtniß geht, will ich mich bemühen, sie in ihrer Wesenheit wiederzugeben. Niemand, sagte das Oberhaupt der Republik, hat einen größeren Abscheu vor religiöser Intoleranz als ich. Dies Gefühl, fuhr er fort, wog sein ganzes Leben hindurch in ihm vor. Nach seinem Willen könne ein Jeder seinen eigenen Weg zum Himmel nehmen. Er kenne die Thatsachen nicht, aber er glaube nicht, daß, wenn der Senat gewußt Härte, was für Gesetze und Regulative es seien, auf die sich der Vertrag bezöge, derselbe weder von ihm (dem Senate), noch von seinem (des Präsidenten) Vorgänger sanctionirt worden wäre. Dieselben stünden nicht im Vertrage, sondern wären in demselben versteckt. Er habe nicht auf die Ueberreichung dieses Memorials gewartet, sondern bereits das auswärtige Amt instruirt, jede mögliche Anstrengung zur Abhülfe des Uebels zu machen, durch diplomatische Unterhandlungen sowohl als durch alle geeigneten Mitte! der erecutiven Gewalt. Keine Mühe solle gespart werden, den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Wenn aber Alles sehlschlagen sollte, so sollten sie erwägen, daß, da der Vertrag einmal abgeschlossen wäre, das Land durch ihn gebunden sei, und sollten, obgleich nicht befriedigt, in dem Gefühl des Patriotismus, auf das sie sich in ihrer Adresse bezögen, nachgeben. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im November. Es sind uns ans Rußland mehrfache, und zwar sehr günstige Berichte über eine von Herrn K. Schulmann, Lehrer an der Commerzien- Real-Schule zu Wilna, verfertigte hebräische Uebersetzung der Mysieres de Paris von Eugen Sue, deren erster Band bereits erschienen ist, zugekommen. Immerhin mag diese Uebersetzung eine treffliche sein; wir unsrerseits können darin nur eine Profanation der heiligen Sprache erblicken, wenn sie zur nackten Darstellung so vieler Scheußlichkeiten und Sittenverderbniß benutzt wird. Aus Ungarn, im November. Der A. A. Z. wird geschrieben: Dem Prediger der Szegediner Jsraelitengemcinve, Dr. Löw, ist mittelst Statthalterei - Erlasses die Concesfion zur Herausgabe einer „Monatsschrift für jü-

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