Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1857)
- Date
- 1857-12-07
- Page
- Seite 682 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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682 lichen Anlagen, Clevelaud war durch Herrn Leopold vertreten und das ferne Chicago durch Herrn Gerstle. Diese Deputation wurde verstärkt durch die drei hiesigen Delegaten: Colonel (Oberst) M. I. Cohen, einen Jugendfreund und Kampfgenossen des Präsidenten in dem Befreiungskämpfe, Herrn Ph. Herzberg und den Unterzeichneten. Wenn Sie von der geringen Anzahl der Abgesandten auf die Gleichgültigkeit und Theilnahmslosigkeit der Israeliten Amerikas schließen wollten, so würden Sie wahrlich unfern Glaubensbrüdern Unrecht thun; nur dem Drucke der Zeiten und der Finanznoth, die so furchtbar auf dem Geschäftsstande lastet, ist es zuzuschreiben, wenn jedes andere Interesse in den Hintergrund treten muß. Am Abende des 29. Octobers kamen wir in Washington an und gleich am andern Morgen machten wir dem Präsidenten Anzeige von dem Zwecke unserer Ankunft und suchten um eine Audienz nach. Schon nach einigen Stunden erschien der Privatsecretär des Präsidenten und sagte uns, daß der Präsident bereit sei, uns morgen (am 31.) um 1. Uhr zu empfangen. Die Deputation, verstärkt durch die drei Abgeordneten Washingtons, die Herren Captain (Capitän) Jonas P. Levy, S. Pibran und L. Oppenheim, verfügte sich um die bestimmte Stunde in das weiße Haus und wurde von dem Präsidenten auf das Herzlichste empfangen. Colonel Phillips von Alatama, Mitglied des Repräsentantenhauses, ein Israelit, der uns bei dem Präsidenten einführte, übernahm es, denselben in einer kurzen, aber sehr beredten Ansprache über den Zweck unseres Hierseins und über die Abhülfe, die wir von ihm erwarteten, zu unterrichten und überreichte demselben am Schluffe seiner Anrede ein von Herrn Bijur verfaßtes und von den Delegaten Unterzeichners Memorial, von dem Sie beiliegend ein Eremplar erhalten. Die Antwort des Präsidenten war kurz, aber bestimmt. Er bedaure sehr, daß ein solcher Vertrag zu Stande gekommen sei, der so sehr den Grundsätzen der Verfassung widerspräche („violative of constitutional principles“), er sei überzeugt, daß dieser Vertrag niemals die Zustimmung weder des Senats noch seines Vorgängers im Amte erhalten haben würde, wären seine Folgen vorausgesehen worden (liad it been understood in its present eflect). Er werde, sein Wort sei uns Bürgschaft dafür, allen seinen Einfluß aufbieten, um die Schweiz zu bewegen, von dieser Clausel abzustehen. Nachdem wir den Präsidenten verlassen hatten, ließen wir uns bei dem Nestor der amerikanischen Staatsmänner, dem Staatssekretär General Lewis Caß, anmelden, der uns sogleich auf das Freundlichste empfing. Er versicherte uns, daß der Gesandte der Vereinigten Staaten in der Schweiz schon Instructionen habe, seinen Einfluß aufzubieten, diese Angelegenheit so bald als möglich zu schlichten und daß er überhaupt dieser Sache sich dringend annehmen wolle. Und so glaubten wir denn unsere Mission beendet; was wir für den Augenblick erreichen konnten, das hatten wir erreicht. Man hat eingestanden, daß man uns Unrecht gethan, man hat uns Abhülfe versprochen. Uebrigens irrt man sehr in Deutschland, wenn man glaubt, daß dieser Vertrag aus irgend einer judenfeindlicheu Gesinnung hierorts genehmigt worden sei, keineswegs; aber es lag gewissen Leuten, die wir hier nicht näher bezeichnen können, Alles daran, diesen Vertrag so schnell als möglich durchzubringen, und so wurde er eines schönen Abends, als ein großer Theil der Senatoren sich schon entfernt hatte, durch den Senat so zu sagen hindurchgeschmuggelt. So viel ist gewiß, wenn die Unterhandlungen mit der Schweiz erfolglos bleiben sollten — ein zweites Mal wird dieser Vertrag nicht ratificirt werden, so viel ist gewiß, ein zweites Mal wird man es nicht wagen, die Interessen der Humanität den Handelsinteressen aufzuopfern. H. Hochheimer, Rabbiner. So eben erhalten wir No. 3443. des „Charleston Evening News“, in welchem ein genauer Bericht über die Audienz der Deputirten beim Präsidenten von Nordamerika gegeben ist, und theilen wir aus demselben die betreffenden Reden mit. Das Mitglied des Kongresses, Herr P. Phillips, redete den Präsidenten folgendermaßen an: Herr Präsident! Die Abgeordneten einer Versammlung von Israeliten der Vereinigten Staaten, welche jüngst in der Stadt Baltimore abgehalten wurde, haben mich mit dem Aufträge beehrt, sie bei Ew. Ercellenz einzuführen und in ihrem Namen ein Memorial zu überreichen, welches von jener Versammlung in Betreff der ersten Clausel Artikel I. des unlängst zwischen diesem Lande und der Schweiz abgeschlossenen Vertrages angenommen wurde. Ihnen, als dem Haupte einer großen Bundesrepublik, deren Bundesverfassung sich nicht allein auf Gleichheit der Staaten unter einander, sondern auch auf die vollkommene Gleichheit der Bürger dieser Staaten gründet, wünscht die Abordnung es auszusprechen, daß sie den Artikel des bezüglichen Vertrages zum mindesten als eine Verletzung des Geistes der Gleichheit betrachtet, welcher unsere Institutionen beseelt und sie ins Leben treten läßt. Bestimmte Gesetze und Regulative der Schweizer Can-