Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1857)
- Date
- 1857-11-30
- Page
- Seite 674 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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674 auch feilt Zeugniß in die große Wagschale der Wahrheit und des Rechts zu legen, die große, von der göttlichen Vorsehung dem jüdischen Stamme übertragene Mission, die ursprüngliche, ununterbrochen überlieferte und in der Übereinstimmung von Glaube, Vernunft und Herz beruhende religiöse Idee mitten in der Entwickelung der Menschheit zu tragen und zu erhalten, diese erhabene Mission und die Verbindlichkeit jedes einzelnen Israeliten zu ihr, auf welche eine viertausendjährige Geschichte ihre Weihe ergossen hat, das diese Mission und ihr Bekenntniß tragende Gesetz der Heiligung, der diesen ganzen Beruf umfassende religiöse Bund Israels — diese Momente hätten aus der Fülle einer begeisterten Seele mit siegreichem Worte dargestellt und in den Vordergrund gebracht werden müssen. Was der.Verf. vorträgt, ist eine Kritik jenes Schrittes; aber die Lebensbedeutung desselben, das wahrhaft innerliche Wesen ist ihm nicht aufgegangen. Wir beklagen dies, denn sollte einmal eine Schrift über diesen Gegenstand veröffentlicht werden, so mußte nickt blos mit einigen Lanzenspitzen gekämpft, sondern unsre ganze Fahne, unser volles Panier vor den Augen der Zahllosen, die darauf schauen, entfaltet werden. — Der ,,Ehrenmann" harre in seiner Antwort auch gesagt: er fühle sich nicht berufen zum Märtyrerthum, und der Verf. weiß ihm schlagend darauf zu antworten, indem er ihn fragt, was dies für ein Märtyrerthum sei, das er und seinesgleichen jetzt zu tragen habe. Wir fügen hinzu. Wenn man jetzt die Reihe der begüterten Juden durchmustert, so besteht die größte Zahl derselben aus Emporkömmlingen. Da sind Kinder armer Eltern, Waisenknaben, deren sich die jüdische Barmherzigkeit annahm, daß sie nicht verkamen; jüdische Principale nahmen sie in die Lehre, verwandten sie als Commis; jüdischer Credit griff ihnen unter die Arme, daß sie sich etabliren konnten, jüdische Brüderlichkeit unterstützte sie, wenn sie wankten, half ihnen wieder auf, wenn sie gefallen; jüdischer Geist, jüdische Lebendigkeit und Thatigkeit befähigten sie, und so sind sie geworden, was sie sind. Nun, da ihr Haus gefüllt, da sie an Speise, Trank und Kleidung Ueberstuß haben, da in ihren Taschen Mammon klingt, und sie „Ehrenmänner" geworden, jetzt vergessen sie Alles, was ihnen aus dem jüdischen Wesen zugeflossen, und sprechen bei Austern und Champagner von dem Mävtyrerthum, das ihnen das Judenthum auferlege, und zu dem sie sich nicht berufen fühlen! Darüber müßte die Geißel der Satyre geschwungen werden! — Etwas, wor- 'übcr der Verf. auch nur leicht hingeht, ist, daß dieser jüdische Vater mit einer Nonchalance ohne Gleichen über die Taufe seiner Kinder als eine Sache , die sich von selbst versteht, spricht. In Nichts zeigt sich die unsägliche Abschwächung des Geistes in dieser Generation von „Ehrenmännern" mehr als hierin, wie sehr in ihnen Herz und Verstand zusammengeschrumpft sind und aufgegangen in den Gelderwerb und das Bischen äußerer Ehrenhaftigkeit. Seine unmündigen Kinder dem Berufe, der Bestimmung entziehen, in welche die göttliche Vorsehung durch ihre Geburt sie hineingewiesen hat, sie von der Wurzel abschneiden, aus welcher die Hand Gottes sie hervorwachsen ließ, willkürlich für sie ein Glaubensbekenntniß wählen, eine Ueberzeugungsnorm aufstellen, mit denen sie in ihrer ganzen natürlichen Verwandtschaft im Widerspruch sind — das können solche Leute ohne Bedenken, diese zarten Vaterseelen, ohne Besorgniß, ihrer Vaterpflicht mit Fäusten ins Angesicht zu schlagen! — Doch wir müssen abbrechen, um diesen Bericht nicht selbst zu einem Buche über diesen Gegenstand auszudehnen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Mainz, 22. November. (Privatmitth.) ES mag den zahlreichen Lesern Ihres weitverbreiteten Blattes, von denen wohl Mancher um Freunde und Verwandte in unsrer so schrecklich heimgcsuchten Stadt in banger Besorgniß schwebt, und namentlich auch den entfernt wohnenden Familien der hier garnisonirenden jüdischen Soldaten zur beruhigenden Nachricht dienen, daß, während wir all' die Unglücklichen, welche der grauenhaften Katastrophe vom 18. November ein Opfer wurden, tief beklagen, wir rih zu diesen keinen einzigen Glaubensgenossen zu zählen haben. Mehrere waren in großer Gefahr, hart bedroht Alle, erheblich verwundet ist Niemand. Möge unS der Allgütige ferner schützen, aber auch von unsrer geliebten Vaterstadt künftighin jeglicheS Unglück fern halten. .n. Nassau. Wellburg, 18. November. Der wegen Ehrenkränkung von dem hiesigen katholischen Geistlichen, Pfarrer Noll, angeklagte Hanptmann Frhr. v. Ziegesar wurde heute von einem ganz besetzten Kriegsgericht einstimmig freigesprochen. Von den vierzehn Richtern gehörten, so viel bekannt wurde, neun der katholischen Kirche an. Die Klage des Herrn Pfarrers war hervorgerufen durch eine kurze Ansprache, welche der genannte Hauptmann an seine Soldaten