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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-30 · Heft 49 (30.11.1857) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 49 (30.11.1857)
Date
1857-11-30
Page
Seite 673 (sequence 9)
Language
German
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673 Nimmer wenigstens in dem, die Ansicht unsres Vers, so recht bestätigenden Bekenntnisse Lassaulr's (Philos. der Geschichte 1857), wonach „das Christenthum die glückliche Vereinigung der monotheistischen Erhabenheit und Reinheit des Judenthums mit der pantheistischen Wärme und Lebendigkeit der indisch-hellenischen Religionen" ist. Und nun noch Eins. Herr St. hat die ideelle, die theoretische Seite des Judenthums tief aufgefaßt, trefflich geschildert) aber wie ist es mit der praktischen? und: welches sind die praktischen Resultate seines Werkes? Wir finden eine recht schöne Betrachtung über Sabbath, als wesentliches Symbol des Glaubens und der höheren sittlichen Weltordnung, über Speisegesetz u. A. Aber wird ein Jude im Hinblick auf die „Diagoge" des Aristoteles seinen Sabbath halten? Gewiß ist's, daß das Buch eine Quelle achter Erbauung und Förderung des religiösen Lebens werden kann — für den Denker, und alle Juden sollen denken — aber wie Viele sind's und können's sein, wie die Welt nun einmal ist? Wie klein ist die Zahl Derjenigen, die sich für die reine theoretische Wahrheit, für eine Idee, und wäre es die höchste, begeistern können, wie gering schlägt gewiß der Vers, selbst die Zahl Derjenigen an, die sich von ihm belehren lassen können, die die Erhabenheit des Judenthums in seinem Sinne aufzufassen, den „Kampfpreis" ganz zu schätzen, und zu erkennen vermögen, welches Kleinod sie besitzen und für die Menschheit zu bewahren berufen sind; woher nun für Diese Liebe zum Judenthum und Opserfähigkeit für dasselbe? Daß wir damit den Werth des Buches nicht schmälern wollen und keineswegs verlangen, daß es More nebuchim und Zeena ureena zugleich sei, bedarf keiner Erklärung; aber anmerken wollten wir's, wie auch diese neueste Religionsphilosophie wiederum zeige, daß das Judenthum mehr ist, als bloße Lehre und mehr fordern muß, als theoretisches Erkennen. Daß ferner die Gefahr der Verflüchtigung des praktischen Judenthums in eine bloße Idee nahe liege, das haben schon die Alten erkannt und davor gewarnt*), doch giebt unser Buch dazu keinen neuen Beleg und der Vers, ist dieser Scylla entgangen. Schwerlich aber der Charybdis des Verfallens in Dogmatismus. So scharf ist von ihm der Lehrinhalt detz Judenthums betont und systematiflrt, daß er unvermerkt zum Aufstellen einer regula fidei kommt, einer Orthodoxie in des Wortes enger und dem Judenthum ziemlich fremder Bedeutung. Dahin gehört nicht nur seine scharfe Polemik gegen Mendelssohn's bekannte Behauptung, daß nur Gesetze offenbart seien, sondern noch mehr die Vernrtheilung der Alexandriner, die ihm, weil sie Ewigkeit der Materie u. oergl. lehren, wenig mehr als complere Heiden sind (S. 197. 256.); dahin die Vernrtheilung der „fleischlich-legitimistifchen Messiaslehre" als heidnisch, wobei zugleich Palmerston und Times ihr T'heil bekommen; ja selbst in dem unschuldigen Knöchelchen Lus (welches jedoch keineswegs „sterblichem Auge unsichtbar" ist, Nabb. Koh. 12, 5.) findet er die „Heidenvorstellung von der Ewigkeit der Materie". Wir wollten auch hiermit nicht tadeln, wir haben ja die scharfe und correcte Zeichnung des Dogmas im Judenthnm aufrichtig gelobt; aber das Judenthum ist mehr als bloße Lehre,.' Das ist's, was wir anmcrken wollten. Wir scheiden von dem Vers, mit der Versicherung vollkommenster Hochachtung; möge sein Licht noch lange leuchten und seinesgleichen Viele sein in Israel! Magdeburg, 22. November. Ueber den Austritt aus dem Judenthum. Ein aufgefundener Briefwechsel. Herausgegeben von vr. Abraham Geiger. Leipzig, 1858. Das Heftchen (32 S.) bespricht einen Gegenstand, der mehr als interessant. Man sicht ihm leicht ab, daß es an einem concreten Falle geworden. Ein sog. „Ehrenmann" —• wer erinnert sich nicht dabei an die classische Rede des Antonius in Shakespeares Julius Cäsar: „Doch Brutus ist ein ehrenwerther Mann" — will sich und seine Kinder taufen lassen. Der Verfasser bittet jenen schriftlich um seine Motive; der „Ehrenmann" giebt sie ihm, der Verfasser widerlegt sie. Man wird diese Auslassung mit Spannung lesen; sicher wird dem Leser manche glänzende Stelle aus dem Herzen geschrieben sein; was der Verfasser über die negative Seite, über das Vekenntniß der christlichen Dogmen und seine Widerspruche mit dem jüdischen Bewußtsein sagt, kann schneidender, aber nicht klarer und unumwundener ausgesprochen werden. Demungeachtet erweckte dies Schristchen in uns einen peinlichen Eindruck. Das Ganze erscheint in einer gedrückten Stimmung geschrieben, welche die rechte Freudigkeit, den Aufschwung der Hingebung nicht aufkommen ließ. Wie es einentheils nichts Neues enthält, so beklagen wir, daß, während, wie gesagt, die negative Seite scharf ausgeprägt worden, das positive Moment mit wenigen Worten abgetban ist. Die Pflicht des Juden, offen und ausdauernd die Wahrheit zu bekennen, die Pflicht eines jeden Juden, 49 *) Siehe z. B. zu Succa 28, a pp

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