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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-30 · Heft 49 (30.11.1857) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 49 (30.11.1857)
Date
1857-11-30
Page
Seite 672 (sequence 8)
Language
German
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672 gel *), so wie, damit parallel, die des Mythus und der ethnischen Dogmen vom Himalaya bis jenseit der Anden; verbunden mit der daraus resulürenden Ethik, wobei mit Recht darauf hingewiesen ist, daß das Gewissen, die Sittlichkeit, oft trotz der absurdesten theologischen Principien durchbricht**), daß aber wiederum nimmer diese „allgemeine Moral" als das Hauptsächliche und das Dogmatische als indifferente Nebensache gelten könne. — Endlich (im Sinne des Vers, jedoch „vor Allem") die Entwickelung des Lehrsatzes von der Schöpfung aus Nichts und seiner Konsequenzen. Wir können zwar dem Verf. nicht ganz beistimmen, wenn er dieses Dogma zum kunetum ss1i6N8 der Glaubenslehre der Synagoge, zum Kern der ganzen Offenbarung macht; doch kommt darauf wenig an. Die Thora und ihr Lehrinhalt ist ihm, wie uns, ein Ganzes, läßt sich nach ihm, wie nach uns, in kein Compendium bringen; soll ihre Lehre dennoch systematisch dargestellt werden, so mag in der Gruppirung der Sätze jeder Denker seinen Weg einschlagen. Und so ist es dem Verf. ohne Zweifel trefflich gelungen, in diesem Dogma ein Schiboleth hinzustellen, dasselbe nicht nur als ein physikalisches, sondern auch als ein ethisches nachzuweisen, Freiheit, Unsterblichkeit, Gottesstaat und Gottesreich aus ihm abzuleiten — und aus dem entgegenstehenden heidnischen „Vernunstariom" die conträren Gegensätze; wir verweisen auf die Tafel auf der vorletzten Seite. Scharf tritt er entgegen dem süßlich-dämmernden Gefasel, welches im Judenthum lediglich einen rationalen Monotheismus erblickt; der Religionsmengerei, die jede Nichtanbetung von Holz und Stein schon für Judenthum gelten läßt, weist (S. 180. ff.) auch den „Unitarismus" zurück; aber eben so auch die — wir müssen fast sagen dummdreiste — Behauptung, die in Röth gipfelt und auch im Judenthum nur einen Ableger ägyptisch-baktrischer Philosopheme erblickt. Dies, nach unsrer Ansicht, die wichtigsten und glänzendsten Partien des Buches; Einzelnes können wir nicht hervorheben; es bietet jede Vorlesung Treffliches und fast jedes Blatt schöne und anregende Bemerkungen. Wir schließen diese Besprechung mit einigen allgemeinen Bemerkungen. Wir haben das Unternehmen und das *) Natürlich ist dieS nicht absolut neu, auch sind die Systeme nach Kant sehr kurz behandelt. **) Eben dies, und in derselben Tendenz, ist in Hinsicht auf Gnomen und Gesetze des Brahmanismus in einem schönen Aussatz in M. s. d. L. d. A. vor. 2. dargethan. Werk ein zeitgemäßes genannt. Wie das wahrhaft Zeitgemäße sich immer dadurch kennzeichnet, daß es von Mehreren gleichzeitig und von verschiedenen Standpunkten aus erstrebt wird, „in der Lust liegt", so bietet auch das St.'sche Werk manche Berührungspunkte mit andern, unabhängig von ihm zu Tage getretenen. So geht Fabri in seinen „Briefen gegen den Materialismus" (Stuttg. 1856) einen ziemlich ähnlichen Weg. Er weist der Naturforschung ihre Schranken an und hebt Goethe's Ausspruch: „In allem Persönlichen (Lebendigen) giebt es ein Anonymes (Unerforschliches)" hervor. Wo das £ der Naturforschung steht, da ist das A der Theologie. Jene kennt nur das Wie? nicht das Wozu? d. h. nicht das teleologische, sondern Grund und Ursache. — Der Unterschied ist: Unser Verf. stellt ein bestimmtes Factum hin, welches wir durch Offenbarung haben; Fabri postulirt den Glauben als Ganzes, seine Gesammtdogmatik, bei ihm lautet die Frage: Bibel oder Materialismus? und er muß für den einen Adam den Kampf auf Leben und Tod führen. Eine, den Ansichten St.'s entsprechende, entschiedene Wendung zur Anerkennung des Thatsächlichen und zum Aufgeben des blos dialektischen Bauens findet sich auch in H. Ritter'ö „System der Log. und Metaph." „Erfahrung und Spcculation", heißt es dort, „müssen zusammenwirken; unsre Gedanken sind uns weder von Außen gegeben, als sinnliche Vorstellungen, aus deren Vergleichung und Zusammenstellung sie hervorgingen, wie der Sensualismus lehrte, noch sind sie uns angeboren und im Geiste fertig, wie der frühere Rationalismus meinte; sondern sie werden gebildet im Zusammenwirken des Bewußtseins und der Dinge." -— Vielleicht dünkt es Manchem befremdlich, daß Herr St., der doch von der Naturwissenschaft ausgeht, sich nicht auf eine Widerlegung des grassirenden Materialismus eingelassen, und eben so wenig die Willensfreiheit, die voch von ihm so weit definin wird, gegen ihre Bekämpfer in Schutz genommen hat. Möglich, daß er das Werk, welches in der Hauptsache wohl auf längst abgeschlossenen Forschungen ruht, nicht umarbeiten wollte; möglich auch, daß ihn diese allerneuesten Richtungen, die eine vom philosophischen, die andere vom sittlichen Standpunkte aus, pure anwiderten warum sollte das nba bsa 8b — MTinöW D8 8bi nicht auch da gelten? —- Aber in Wirklichkeit hat der Verf. das Alles doch widerlegt, er hat die Lehre Israels in ihrer Reinheit hinge-- stellt, darin liegt die Abfertigung. lind nur in ihr!

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