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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-30 · Heft 49 (30.11.1857) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 49 (30.11.1857)
Date
1857-11-30
Page
Seite 671 (sequence 7)
Language
German
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671 übersinnlichen Dingen in noch höherem Grade der Fall sei) es ist ihm trefflich gelungen, das „rationalistische Schreckbild von der Gefangennehmung der Vernunft unter den Glauben" als ein Phantom darzustellen, die „rechte und die schlechte" Gefangennehmung — das Gefangennehmen von dem blöden Gefangengeben — zu unterscheiden; aber daß wir die Vernunft unter das Dogma der Schöpfung aus Nichts gefangen nehmen müssen, dieser Kern der Sache, diese vom Vers, unternommene und versprochene Beweisführung scheint uns nicht gelungen. Und dennoch nimmt dies der Vortrefflichkeit des Buches wenig! Zwar hatte der Verf. uns zu der Erwartung berechtigt, daß er uns den Kampf und den Sieg einer in eng geschlossenen Gliedern vorrückenden Reihe von Jnductionen aus an sich unwiderleglichen Thatsachen, gegenüber philiströsem Zweifel und dem Zeugniß blöder Sinne, vorführen würde — d. h. eine Beweisführung, wie die für das kopernikanische System, oder, um Kleineres anzuführen, wie den Beweis des Satzes, daß der Thau nicht fällt — aber wenn dies nicht geleistet worden, so leuchtet zuvörderst jedem Leser ein, daß nur die wärmste Begeisterung für Judenthum und seinen erhabenen Lehrinhalt den Verf. bewogen hat, vielleicht zu sehr magno liialu zu versprechen; und dann, wenn es in Großem genug ist, gewollt zu haben, wie viel mehr in Unmöglichem! Aber im Gebiete des rein Uebersinnlichen, des Göttlichen, wo jede äußerliche Beobachtung abgeschnitten ist, wird eine „eracte Beweisführung" unmöglich fein und bleiben. Und gerade eine Parallele zwischen Naturwissenschaft und Offenbarung wird dies bestätigen. Gesetzt, es gäbe in der Physik ein isolirtes, höchst befremdliches, einmal vorgekommenes, aber nicht mit den Mitteln der Wissenschaft beobachtetes, und nie wieder vorkommendes Phänomen— würde man dann nicht darauf verzichten, dasselbe eract zu erklären, oder gar als nothwendig zu beweisen, würde man sich nicht damit begnügen, das Factum zu registriren, so weit es constatirt ist? Es ist wohl nicht nöthig, die Parallele auszuführen; wir fragen: woher also für die Offenbarung ein „eracter Beweis"; aber auch: wozu? — Wie? Wenn das Ideal eines recht eracten Theologen je erreicht werden, wenn es je gelingen könnte, die Offenbarung als ein physikalisches Phänomen zu begreifen, zu erklären, zu erweisen — das wäre ein Gewinn?! Gewiß, Herr St. denkt nicht daran, das ist sein Ideal nicht! Und wenn die „Schöpfung aus Nichts" in die Reihe der naturgesetzlichen Vorgänge gehörte, wenn Gottes „Es werde" ein Object der 8eieuee8 exactes würde, ist es dann noch das, was es dem Verf. und uns ist? Die Basis des Judenthums ist: „Gott redete alle diese Worte" (Exod. 20, 1.). Das ist uns ein Factum, ein welterschütterndes, welterbauendes. Nur müssen wir nicht mit dem Verf. sagen, daß alles Faktische sich nicht begreifen läßt, genug, daß nicht alles Faktische sich logisch construiren läßt, daß es, um zu sein, nicht erst des Consenses, des Visums unsrer Vernunft bedarf. Wenn das Factum nicht aufhört Factum zu sein, auch wenn wir es nicht begreifen, so hört es auch nicht aus, Wahrheit und Wirklichkeit zu sein, wenn wir es nicht beweisen. — Die Thatsache der Offenbarung steht da, in ihrer erhabenen Wirklichkeit. Die tausende von Versuchen, sie als logisch-nothwendig zu beweisen, sind gescheitert — das Factum ist geblieben, was es war —-; Herrn St.'s Versuch, sie als nicht nothwendig, aber facnsch zu beweisen, ist auch gescheitert — das Factum bleibt. Die Thatsache der Offenbarung steht da und erzwingt sich Anerkennung in immer weiteren Kreisen, trotz alledem — obgleich sie weder mathematisch, noch logisch, noch eract, noch juristisch, noch historisch (durch Monument, auch nur eine verwitterte Inschrift) bewiesen werden kann; und — das ist ihre Beglaubigung, das ist der gesuchte Beweis. So bleibe es, wie es war. Wir sagen: hspt fron — Beweise sind von je gescheitert und werden scheitern: {-mron un *p-jb — die Anerkennung des Gotteswortes, so scheint es, soll nicht erzwungen werden, nicht durch Schwert, nicht durch zwingenden Beweis. rtttm sw haben die Alten gesagt; es mag in Gottes Namen dabei bleiben. Wir wenden uns jetzt mit Vergnügen zur Anerkennung des bleibenden hohen Werthes des von uns besprochenen Werkes. Wir finden ihn vornehmlich in der scharfen und klaren Darstellung des Charakteristischen im Judenthum; in der markigen Zurückweisung jeglicher Einmischung heidnisch-philosophischer Elemente, jeglicher Halbheit und aller Versuche, die schroffen Gegensätze im Gebiete der Lehre abzuschleifen und zu vertuschen; so wie in der Nachweisung jener heidnischen Elemente in jeder Phase der Philosophie, vom gröbsten Materialismus bis zum sublimsten Idealismus und Mystificismus. Einen Glanzpunkt des Buches bildet ferner die Darlegung des dialektischen Ursprungs und in sich znrückkehrenden Kreislaufes der gesummten Philosophie von Thales bis He-

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