Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1857)
- Date
- 1857-11-23
- Page
- Seite 655 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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655 schlüsse Mohammeds nachahmen. Wir dürfen also die Hindus, die sich nicht überzeugen lassen, nicht durch Gewalt zu einem falschen Christenthum treiben. Die Macht der Regierung darf nicht dazu aufgeboten werden, die Eingebornen in ihrer Religion zu stören oder zu controliren. Vollkommene Duldung muß gewährt sein. Wenn ich von Duldung spreche, mein' ich nicht etwa blos, daß man jede Art Zwang vermeiden muß, soudern man muß sich eben so sehr der Verführung enthalten, die nicht weniger schlimm, die nur eine plumpe Sorte von Betrug ist. Weder durch Gewalt, noch durch Belohnungen darf man den Eingebornen, bei dem keine Ueberzeugung frommt, zum Christen machen.*) Ein so Bekehrter wäre um kein Haar besser, als die Anhänger des alten Glaubens. Aber jedenfalls sollten wir unfern Glauben offen bekunden und ihm nachhandeln. Wir können im Privatleben jene Tugenden ulrd charakteristischen Eigenschaften entfalten, wodurch der Eingeborne sich bewogen fühlen würde, dem Glauben Derjenigen zu folgen, die er zu achten und zu bewundern innerlich gezwungen wäre.**) Es kann sicherlich den Eingebornen nicht so schwer werden, den Gegensatz zu erkennen zwischen dem Lebenswandel und der Politik ihrer christlichen Regenten, verglichen mit dem abscheulichen Lügensystem, der Ruchlosigkeit, den Verräthereien und Greueln, die vor ihren eigenen Augen von ihren ehemaligen Machthabern begangen wurden. Durch solche Beispiele wird die Ausbreitung des Christenthums auf dem indischen Festland bewerkstelligt werden. Ich wiederhole, von der Regierung darf kein Bekehrungsversuch ausgehen. Politik, Pflicht und Glaube verbieten es. Aber dies gilt nicht von Individuen. Diesen (das heißt den Missionären) ist die Regierung nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, freien Spielraum zu schaffen."***) *) Und was sagt der Herr Herzog zu der Weise, wie die Missionaire ihre Bekehrungen machen? und was sind es anders als ,,Belohnungen" des Uebertritts, wenn man z. B. auf den Uebertritt die Erlangung von Staatsämtern setzt? **) Dann müßten die Engländer sehr wählerisch mit Demn sein, die sie nach Ostindien hinüberlassen, und die Operation wird sehr langsam vor sich gehen. ***) Also die Herren Missionaire sollen freien Spielraum für ihre Künste haben — und doch werden die Missionaire allgemein mit als Haupturheber des furchtbaren Ausstandes angegeben! — Man sieht: das Wort ist leicht, die That ist schwer! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im November. (Privatmitth.) Man schreibt aus Hamburg: Vor Kurzem ist der Premier-Lieutenant und Platz-Adjutant Meyer zum Hauptmann bei der hanseatischen Infanterie avaneirt. Er ist der erste Jude, der dort (er war früher Rechuungsführer des Bataillons) Officier wurde. Auch bei der Bürgergardc soll endlich ein Jude Ofstcier werden. — In einer kreisratblichen Zuschrift vom 31. Oetober c. ist der hiesige Prediger, Dr. Lewysohn, beauftragt worden, in den israelitischen Landgemeinden deö hiesigen KreiseS halbjährlich eine Predigt und Revision der Religionsschule abzuhalten. — Das Mädcheninstitut der Frau Dr. Adler (Wittwe des hiesigen verstorbenen Predigers) erweitert sich immer »lehr und zählt jetzt unter ca. 90 Schülerinnen 23 christlichen Glaubens, was gewiß von der Tüchtigkeit der Anstalt Zeugniß giebt. — Dr. Goldschinidt, welcher dem Bundestag die Vorstellung der Ritter- und Landschaft des Herzogthums Lauenburg einreichte, ist ein Israelit und gehört zu den renommirtcsten Advocaten Frankfurts a. M. — Dr. S. Stern in Frankfurt a. M. hält jetzt einen Cyclus von 6 Vorlesungen über altdeutsche Geschichte. — Man schreibt aus Warschau: Aufsehen machte neulich ein kaiserlicher Ukas, worin dem hiesigen Juden Rosengold die Ehrcnbürgerrechte verliehen wurden, demselben, der für die Aufdeckung früherer Mißbräuche unter der ehemaligen Verwaltung zwölfjähriges Gesängniß erduldet hatte, und erst bei Gelegenheit der allgemeinen Krönungsamnestie aus der unverdienten Oubliette entlassen wurde. Die Urheber der von ihm aufgedeckten Mißbräuche, theilweise nicht mehr am Leben, sind freilich für jetzt noch straflos davongekominen, weil sonst gar zu viel Schmutz hätte aufgewühlt werden müssen; eine eclatante Entschädigung hat jedoch die Gerechtigkeit deS Kaisers jetzt dem schuldlos Verfolgten zu Theil werden lassen. Preußen. Wormditt (Prov. Preußen), im November. (Privatmillh.) Die Ertremc berühren sich. Während in dem nur drei Meilen von hier entfernten Städtchen Guttstadt im vorigen Jahre die größte Brutalität bei