Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-16 · Heft 47 (16.11.1857) · p. Seite 648

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 47 (16.11.1857)
Date
1857-11-16
Page
Seite 648 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226087--16510-3245371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

648 Hypotheken betheiligt war, wird das Ernste dieser Alternative nur zu sehr gefühlt haben. „Eine der größten Segnungen der Civibisation ist das Schwinden der Vorurthcile, und als ein solches müssen wir bezeichnen, wenn der Genuß socialer Rechte von dem Glaubensbekenntnisse — von dem Vcrhältniß deS inneren Menschen zu seinem Schöpfer — abhängig gemacht wird; nichts desto weniger muß auch dem Vorurthcile, vorzüglich, wo eS weit ausgebreitet ist, mit Schonung begegnet werden, wenn humane Gesetze, sich überall und trotz der Vorurtheile Eingang verschaffen sollen. Die Emancipation der Katholiken, und heute noch die Judenfrage in England, geben Beweis, wie sehr eS auch im Interesse Derjenigen, für die daS Gesetz gebracht werden soll, liegen müsse, daß die bessere Erkenntniß und eine unbefangene Anschauung die möglich größte Verbreitung gewinne; der Boden muß vorbereitet sein, damit die Saat der Humanität darauf dauernd fortkomme. „Auch ist die Verordnung, welche die Besitzfähigkeit der Israeliten in Ungarn beschränkt, eine „provisorische" und zeugt als solche von der äußersten Vorsicht, mit welcher die Gesetzgebung diese Frage in den gegebenen Umständen auch bei uns zu behandeln für nvlhwendig fand. Die hohe Weisheit des Monarchen ebnet nach und nach alle Bahnen, auf welchen die seinem Scepter untergebenen Völker in jeder Richtung vorschreiten! Sie wird auch hier den richtigen Moment finden, um einer zahlreichen, intelligenten, wohlhabenden und erwerbsthätigen Classe der Staatsangehörige» Gelegenheit zu bieten, ihr Vermögen ganz oder zum Theil in Grund und Boden zu verwenden, und sie so an den Staat und seine Institutionen fester und dauernder zu knüpfen, als dies der Besitz mobiler Fonds zu thun vermag." Die Schweiz. Ober-Endingen, 19. Oktober. (Privatmitth.) In der Verordnung des Regierungsraths des Cantons Aargau vom 28. Herbstmonat behufs der Gesammtwahlerneuerung derAargauischen Mitglieder deS schweizerischen Nationalrathes für eine fernere dreijährige AmtSdauer enthält §. 4. folgende Stelle: „Auf das Stimmregister sind auch die Aargauischen und die im Canton niedergelassenen schweizerischen Israeliten zu bringen, welche unter denselben Stimmfähigkeitsbedingungen wie die christlichen Einwohner in der Gemeinde ihres ordentlichen Wohnsitzes ihr Stimmrecht auszuüben haben. Das Verzeichniß der stimmfähigen Israeliten in den Gemeinden Ober-Endingcn und Lengnau ist von den Vorsteherschaften den dortigen Gemeinderäthcn zur Einverleibung in daS Haupt-Stimmregister mitzutheilen." Eine ganz gleichlautende Verfügung wurde über die Wahlen der Schwurgerichte erlassen. Sehr interessant ist die von dem Aargauischen Regierungsrathe auf den diesjährigen eidsgenössischen Bettag erlassene Proclamation, welche einen tief religiösen Geist haucht und sich dennoch über allem Confessionellen erhaben hält. Es verdient diese wohl der Erwähnung in der Zeitung des Judenthums. AuS diesem Actenstück läßt sich wohl deutlich genug entnehmen, welch ein großer Geist die Aargauische Regierung beseelt. Aus Charleston, S. C., erhielt ich vor 14 Tagen ein Memorial, welches die dortigen Israeliten an den Präsidenten der Vereinigten Staaten gerichtet. Ueberhaupt sind die amerikanischen Juden sehr thätig, um gegen die Judenclausel im schweizerisch-amerikanischen Vertrag Schritte zu thun und werden zu diesem Zwecke ComiteS gebildet. Das wäre AlleS wohl gut, wenn eS nur nicht post festem wäre! Markus G. DreifuS. Persien. Nach Zeitungsnachrichten hatte, Briefen aus Herat zufolge, das persische Heer bei seinem Einzuge daselbst sämmtliche dort lebende Juden aus der Stadt verjagt und sie mit einer solchen Härte behandelt, daß eine große Anzahl den Mißhandlungen erlegen war. Alle Juden haben den Befehl erhalten, sich nach Mesched zu begeben, wo sie gegenwärtig von Neuem einer unwürdigen Behandlung ausgesetzt sind. Anzeigen. -> rv 2 Restauration und Gastwirtschaft von 8. Hlrschel, Dresden» Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.