Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1857)
- Date
- 1857-11-16
- Page
- Seite 646 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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646 denn auf die den Rabbinen der Umgegend telegraphisch kundgegebene Trauernachricht eilten dieselben, und zwar von Keeskemet, Tapio Szellye, Jrsa, Szolnok und noch andere mehr, mit den betreffenden Vorständen herbei, um dem in Gott Verschiedenen die letzte Ehre zu erweisen« Friede und Ruhe seiner Asche! Ad vocem Nagy-Abony möge hier noch die seltene Erscheinung, ja man könnte fast sagen Eigenthümlichkeit in dieser circa 200 Familien zählenden Gemeinde erwähnt werden, nämlich welch' kräftige, hohe Greise fast seit einem halben Jahrhundert sich da vorfinden; so erreichte der vor 26 Jahren verstorbene Rabbiner Moses Lichtner s. A. daselbst ein Alter von 108 Jahren, und Männer von 90 Jahren und darüber sind eine gar oste Erscheinung, so daß der Vers des Propheten Jesaj. (65, 20.) hier sich fast bewahrheitet: „Jung heißt, wer zu 100 Jahren stirbt." Worin der Grund davon liegen möge? Doch erinnere ich mich, ein Bonmot des gottseligen Rabbi Akiva Eger gehört zu haben, als man ihm nämlich ebenfalls einen Ort anrühmte, der durch nichts Anderes als durch hohe Greise sich auszeichnete, und so gleichsam o^pr nVra?a -ps» war, da soll er mit Blitzesschnelle darauf geantwortet haben: „waS Wunder, Ihr wisset eS ja, und eS ist dies ein um desto sicherer Beweis, daß die Leute dieses Ortes nicht vom Baume der Erkenntniß gegessen!" — Bezirksrabbiner D. L. Straffer. AuS dem Tokayergebirge, im November. (Privatmitth.) Das hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat für die neu begründete israelitische Musterhauptschule in Temesvar zum Lehrer der Religion und hebräischen Sprache den Direktor und Religionslehrer der israelitischen Hauptschule zu Boscowitz in Mähren, Jsaac Goldschmidt, dann zu Classenlehrern den Lehrer in Temesvar, Aron Kohn, den Hauptschullehrer in Boscowitz, Moritz Freund, den Lehrer in Thurviz-Sz.-Marion, Samuel Epstein, und den Lehrer in Temesvar, Abraham Deutsch, ernannt. Auch ist vor Kurzem das Programm der israelitischen Hauptschule in Kecskemet erschienen, welches mehrere zum Theil recht gelungene Aufsätze enthält. Die Abhandlungen von Sr. Hochwürden, dem Herrn Oberrabbinen und Schuldirector Fischmann: „Der Anschauungsunterricht beim Religionsunterrichte", so wie die vom dermaligen Oberlehrer W. Weiß in Tokay: „Ueber Denkübung mit der obern Abtheilung einer Elementarclaffe" verdienen Erwähnung. In einem anderen Aufsatze dieses Programmes ist einer Persönlichkeit Erwähnung geschehen, die wegen ihrer Hingebung zum Schul- und Cultuswesen auch in weitern Kreisen bekannt zu werden verdient. Wir meinen Herrn I. Schlesinger, CultuSvorsteher in KecSkemet. Unermüdet für das Wohl der Jugend zu wirken, gelang eS ihm an der Seite eines eben so thätigen Oberrabbinen, nachdem er kurz vorher jahrelang eben so uneigennützig der Direktion der Szenteser Schule Vorstand, nicht nur die israelitische Schule in Kecskemet den Bedürfnissen der Zeit gemäß zu organisiren, sondern auch das Cultuswesen daselbst durch Einführung von Choralgesang rc. um Bedeutendes zu heben. Auch an den verschiedenen, unter dem Vorsitze der würdigen Herren Dompfarrer abzuhaltenden Lehrerconferenzen betheiligen sich recht eifrig die israelitischen Lehrer, und ist vor Kurzem von der in Groß-BecSkerek abgehaltenen Lehrerconferenz die israelitische Gemeindeschule besucht worden, und von den Mitgliedern der Conferenz recht gut befunden worden. In unserem Bezirke macht daS Schulwesen, trotz unserer Heiligen, große Fortschritte und ist bereits die Gemeindeschule in Tokay mit zwei Lehrern eröffnet. So wurde gleichzeitig die unter meiner Leitung stehende Gemeindeschule in Homonna von der hohen Regierung als öffentliche Gemeinde-Hauptschule anerkannt und von Sr. Wohlgeboren, dem Herrn Oberstuhlrichter Eineigel feierlichst eröffnet. Möge der Himmel die Bemühungen unseres würdigen Direktors vr. Ungar und die des Vorstehers Barkan segnen! Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, die schon seit Jahrhunderten bestehenden Chedorem zu schließen und die dem Chassidismus mehr oder weniger zugethane Bevölkerung dem Schulwesen geneigt zu machen. S. a. Ujhely erwacht aus seinen Parteikämpfen und fängt an, sich wieder mehr für daS Schulwesen zu interessiren, und ist es in diesem Semester Herr Julius Weinberger, der in der Gemeindeschule mit Energie das Classensystem gegen das Fachsystem verfechtet und eingeführt hat. In dem nahe gelegenen Galizien stoßen die Ver-