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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-16 · Heft 47 (16.11.1857) · p. Seite 643

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 47 (16.11.1857)
Date
1857-11-16
Page
Seite 643 (sequence 7)
Language
German
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643 hat der Großrabbiner von Straßburg die öom nban abgeschafft; ein anderer Rabbiner hat die Selichoth- Masse für jeden Tag auf drei Selichoth reducirt, und das Alles im Elsaß! — Herr M. St. veröffentlichte zum 63stcn Geburtstag des Ur. Zunz ein literär-historisches Schriftchen über „die Schriften deS vr. Zunz", dem wir nur manche der begleitenden Anmerkungen weggewünscht hätten. Herr S. hat bei Abfassung der Brochüre an das Midraschwort '121 -i-pan yibpa naanien wohl nicht gedacht; daß aber eine Selbstvergötterung nur zu sehr aus den pointirten „Untersuchungen der wenigen Forscher" hervorleuchtet, wird dem unbefangenen Leser deS schmähreichen SchriftchenS wenigstens als Vermuthung gestattet sein. — Der vor Kurzem in Frankfurt am Main verstorbene Antiquar, Herr A. L. Wimpfen, hat seine Privatbibliothek, aus 12000 Bänden bestehend, der dortigen israelitischen Gemeindeschule, deren mehrjähriger Vorsteher der Verstorbene gewesen, testamentarisch vermacht. — Der türkische Gesandte in Neapel, vr. Spitzer, hat vom österreichischen Kaiser das Comthurkreuz des Franz-Joseph-Ordens erhalten. Aus Kurheffen, im October. (Privatmitth.) Schon seit 20 Jahren erwarten wir vom kurhessischen Landrabbinate (einer Behörde, die aus 5 Rabbinern besteht) vergeblich eine Synagogcnordnung. Wir haben noch immer, mit Ausnahme einiger Städte, den alten unregelmäßigen Gottesdienst, wir haben immer noch die den Gottesdienst so sehr herabwürdigende Mizwothverstcigerung, wir haben noch das Durcheinanderschreien der ganz überflüssigen Piutim. Wir haben unsere Gemeindeältcsten, welchen die Leitung des Gottesdienstes und Handhabung der Ordnung beim Gottesdienste anvcrtraut ist. Fast alle mir bekannten Synagogengcmeinden auf dem Lande werden aber leider von solchen Acltesten dirigirl, die ungebildet sind, und weder Sinn noch Kenntnisse haben, Ordnung und gehörige Andacht beim Gottesdienste zu befördern. Sie suchen sich vielmehr daö Ansehen von Befehlshabern zu verschaffen, brüsten sich auf ihre Amtsführung, geben zu mancher Störung deS Gottesdienstes Veranlassung, weil ihre Sucht, zu gebieten, fast alle Grenzen überschreitet. Daß wir auf dem Lande und selbst in mehreren Städten keinen zeitgemäß geregelten Gottesdienst haben, hat den Nachtheil, daß wissenschaftlich gebildete Israeliten sich von der Synagoge fern halten, weil sie dort keine Erbauung finden, wohl aber noch in ihrer Andacht gestört werden. Wie mancher Walzer, wie manch' anstößige Melodie wird von Solchen, die sich als Vorsänger auswerfen, sogar am nawn und -nso dt von den gemiethcten n^rn abgetrillert. Hier wäre anzuwendcn bia1' awn ns biüb NLNN ba sb „Nicht Jeder ist fähig, ein heiliges Amt zu versehen." Wie viele solcher Miethlinge hat man, die nicht allein nicht wissen, was sie beten, sondern sogar kaum richtig lesen, wohl aber schön singen können. Im Großherzogthum Hessen im Rabbinatsbezirke Obcrhessen auf dem Lande sind die Gottesdienste in jeder Hinsicht noch so unregelmäßig traurig wie bei uns, und geschieht dort auch zur Verbesserung derselben gar Nichts. T. Preußen. Aus Schlesien, 15. October. (Privatmitth.) Die Personalftatistik der Justizbeamten in Preußen zeigt, daß die angebliche Ueberfüllung des Justizfaches bereits vor 1853 statthatte, aber jetzt— will man sie als Motiv, keine Juden zu diesem Fache zuzulassen, geltend machen! Es thut wirklich n.oth, immer wieder aufmerksam zu machen auf daS Anwachsen des fanatischesten Judenhasses, der sich wohl in der neuesten Zeit gar sehr kund giebt. Bei der Ende vorigen Monats in Salzburg stattgefundenen Versammlung der katholischen Vereine sprach der bekannte vr. Zander, Redacteuc des berüchtigten „Volksboten" aus München: „Die Judenblätter und die Frcimaurcrblättcr seien oben aus." — Man weiß wirklich nicht, hat man bei dieser Aeußerung im Kreise der Vertreter einer ganzen Confession mehr die kolossale Unverschämtheit und Lügenhaftigkeit anzustaunen, oder den totalen Blödsinn, der sich hierbei kund giebt, zu bemitleiden? Sollte denn gar keiner der in der Versammlung anwesenden frommen Herren sich des Spruches vom Splitter und Balken, und nebenbei mit Schamerröthen der Zustände in Italien und im Kirchenstaate — also in ganz katholischen Ländern — und der daselbst erscheinenden Blätter erinnert haben? —n. Trier, 1. November. (Privatmitth.) Am 6. October fand die feierliche Grundsteinlegung zur hiesigen

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