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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-16 · Heft 47 (16.11.1857) · p. Seite 640

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 47 (16.11.1857)
Date
1857-11-16
Page
Seite 640 (sequence 4)
Language
German
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640 den mehrfachen, großenteils gezwungenen Erklärungen des Wortes „Ghetto" in der ersten Anm. zu S. 107. kann auch die des italienischen Historikers Romanin (A. Z. d. I. No. 39., S. 533., Venedig), die uns, weil auf historischer Basis, die richtigste scheint, gezählt werden. — „Anregungen. Von Joseph Wertheimer." S. 133—142, kann zur Beherzigung nicht genug empfohlen werden. Um Würdigung des Judenthums unter seinen Nichtbekennern zu erzielen, veröffentlicht der uneigennützige Herausgeber eine Preisausschreibung von 25 Ducaten in Gold als Honorar für eine kurzgefaßte Widerlegung der gewöhnlichsten, dem Hasse und der Verfolgung zum Deckmantel dienenden Angriffe in Gesprächsform, und stellt dabei zur Bedingung, daß der Umfang zwei unserer Druckbogen nicht überschreiten und die Einsendung bis Ende Februar 1858 erfolgt sei. Mögen recht gediegene Preisschriften einlaufen. — „Fromme Wünsche. Von Emanuel Hecht in Hoppstetten." S. 143 —153. Bei diesen frommen Wünschen, die wirklich manches Wünschenswerthe enthalten, dürfte Manches wegzuwünschen sein; indessen war's gut gemeint. Eben so hätten unsres Erachtens die „Jüdischen Kinderspiele. Von G. Wolf", S. 154—159, wegbleiben können. — „Ehrentafel österreichischer Juden. Von Joseph Wertheimer." S. 160— 187. Sehr inhaltreich und der Aufschrift ganz entsprechend. Schade, daß nur wenige Gemeinden dem Wunsche des hochgeschätzten Herausgebers entsprechen. Mögen Alle, die es angeht, die Anmerk, zu S. 161. lesen und beherzigen. — „Zustände in Vrody, Lemberg, Tarnow, Stanislau, Tarnopol und Galizien überhaupt. Von Leon Härzberg- Frankel." S. 188 — 203. Diese kurze und übersichtliche Besprechung galizischer Zustände, so ungenügend sie auch scheinen mag, hat ihr Verdienstliches, indem sie einerseits darthut, daß die Wellenschläge der Zeit auch die galizische Judenschaft berührten, andererseits wieder zeigt, wie Viel noch zu thun ist. „Schulen und wieder Schulen!" ruft der wackere Verfasser seinen Glaubensbrüdern in Galizien zu. „Noch ist so viel Versäumtes nachzutragen, und so vielen Anforderungen zu genügen!" ... „Schulen und wieder Schulen! Wir müssen alle Segel spannen, wir müssen alle Hebel ansetzen, der enteilten Zeit ihren Vorsprung abzugewinnen!" Traurig und kennzeichnend ist es jedenfalls, daß aus ganz Galizien nur vier Gemeinden — Brody, als Wohnort des Verfassers, können wir wohl nicht mitzählen — sich bereit finden ließen, dem Verfasser Stoff zur Ausarbeitung dieser Skizze zu liefern. — Folgende Schlußbemerkung des Verfassers verdient auch hier eine unverkürzte Aufnahme. „Vielseitig wird den galizischen Juden der unbedachte Vorwurf gemacht, daß sie ihre Thätigkeit ausschließlich dem Handel zuwenden. Wohin sonst dürften sie ihren Fleiß tragen? Die Aufnahme in die Zünfte ist ihnen erschwert, und jüdische Arbeiter müssen oft lange warten, bis sie Zutritt zu den betreffenden Innungen erhalten. Auf noch größere Schwierigkeiten stößt das Fabrikwesen. Fertige Etablissements giebt es wenige, und können nicht in Besitz von Juden übergehen, wenn sie früher christliche Eigner hatten, während der Bau neuer gewöhnlich an dem Verbot des Grundbesitzes, der immer dazu nöthig, scheitert; oder er kränkelt — wie dies z. B. bei der Fabrikation von Rum und Arak der Fall ist — an der in Galizien noch immer aufrecht erhaltenen Propination, welche gleich großen Nachtheil dem Aerar, wie dem Producenten und Consumenten bringt. — Die Agrikultur ist dem Juden bis jetzt nur im Wege der Pachtung offen, welchen er thunlichst auch benutzt, und mit Fleiß und unverdrossener Ausdauer seine Kraft und Intelligenz auf daS ihm noch neue Gebiet überträgt, auf dem er sich bei ausgedehnterer Freiheit bald heimisch machen dürfte. „Sind die Gewerbe erst freigegeben, der Erwerb von Grund und Boden gestattet, so werden Industrie und Agrikultur tausend Hände gewinnen. Kräfte, die jetzt nothgedrängt und unfreiwillig das kommerzielle Gebiet bebauen, werden alsdann den Pstug ziehen und die Sense führen, das Rad drehen und den Hammer schwingen. Galizien wird einen großen Theil seiner 400,000 Israeliten in wenigen Jahren den vorgeschrittenen Provinzen unserer Monarchie würdig anreihen können! Haben doch schon in den letzten Jahren die Zustände Galiziens einen gewaltigen Umschwung erlitten, und hat doch das letzte Decennium einen größern Fortschritt herbeigeführt, als sonst es ein Jahrhundert zu thun pflegte! Die Eisenbahn und der durch sie erleichterte Verkehr mit den andern Kronländern und der Fremde, die neu errichteten Unterrichtsanstalten, das Streben der erwachten Masse, die sonst an der Scholle klebte, werden bald unsre Provinz in jenes Stadium der Cultur führen, in dem unsere glücklicher» deutschen Brüder längst stehen, und die Achtung und Anerkennung ihrer Zeitgenossen gewannen.—" — ,,Zustände in Czernowitz in der Bukowina. Von David Schwarzfeld." S. 204 — 206. Auch aus diesem kleinen Aufsatze ersteht der Menschenfreund mit Vergnügen, daß zur Anbahnung einer bessern Zukunft gearbeitet wird; mögen die rüstigen Arbeiter nicht ermüden. — „Salo-

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