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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-16 · Heft 47 (16.11.1857) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 47 (16.11.1857)
Date
1857-11-16
Page
Seite 639 (sequence 3)
Language
German
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63» Vorsehung, daß unsere Zeit eine lichtvollere ist, die auch die Strahlen auf die Vergangenheit wirst, um diese zu erhellen." — „Ehrentafel der Humanität im Verhalten von Christen gegen Juden. Von Joseph Wertheimer." S. 86— 103. So lange es noch eine herrschende Religion und in deren Gefolge „christliche Liebe" und „Judenhaß" giebt, gehört diese Partie, weil auf Facta beruhend, folglich anregend zu wirken geeignet, zu den lesenswerthesten dieses Buches. Folgende Stellen verdienen in weitern Kreisen bekannt, daher in diesem Blatte mitgetheilt zu werden. „Das Hospital für Christen und Juden in Palanka. Das Namensfest Ihrer Majestät der Kaiserin wurde im verflossenen Jahre durch eine schöne Handlung der Humanität gefeiert. Der Dechant und Ehrendomherr Jacob v. Szuknovits (lies —witsch) hatte ein großartiges Spital gebaut und eingerichtet, und es überdies mit einem großen Fonde dotirr. Am gedachten Elisabethtage wurde dieses Spital für alle Leidende ohne Unterschied der Religion eingeweiht. Der Menschenfreundliche Geistliche gab dieser Absicht sofortigen Ausdruck, indem er einen kranken, verkrüppelten Israeliten in das neue Krankenhaus aufnahm. Nicht damit zufrieden, fördert er auch als Schulinspector den Unterricht der israelitischen Jugend mit dem größten Eifer." „Edle Wohlthätigkeit zweier ungarischer Domherren. Aus Steinamanger wird uns berichtet: „Wir beklagen den Tod zweier christlicher Wohlthäter. Herr Carlo v. LE, Domherr, ließ bei seinen zwei Mal in der Woche stattfindenden Armenvertheilungen jüdische Arme Theil nehmen, und sehr oft war es der Fall, daß Juden namhafte Geldvorschüsse von ihm erhielten. Durch gleiche Mildthätigkeit war Domherr Kransich (spr. —fitsch) loser Umwandlung einer Sage, und ein solches hat uns der berühmte Geschichtschreiber Niebuhr in seiner römischen Geschichte, Th. I, p. 50., (3te Aufl. p. 44., 4te Aust.) aufbewahrt. Unter Anderem erzählt er uns über die Sage vom Kaufmann von Venedig, Shylok, folgende traurige und zugleich trostreiche Umwandlung. Er sagt: „Und im 16. Jahrhunderte findet sich die Novelle von Shylok, als wirklich geschehen, so erzählt, daß es ein Christ ist, dessen teuflische Unerbittlichkeit gegen einen Juden durch den Ausspruch eines klugen Richters, Papst Sirius V., vereitelt wird." — Die oben erwähnte Novelle findet der geschätzte Leser unter der Aufschrift: „Papst Sixtus V. und die Shyloksage" in Stein's israelitischem Volkskalender 1855, S. 388. ff. u. 424. ff. von Steinheim mitgetheilt. — Anm. d. Referenten. ausgezeichnet. Als vor einigen Jahren ein sehr achtbares Mitglied unserer Gemeinde starb, blieb eine Wittwe mit fünf unversorgten Töchtern zurück. Sie konnte es nicht über sich gewinnen, die öffentliche Unterstützung anzusprechen, und lebte in den mißlichsten Verhältnissen. Domherr Kransich hörte von dieser Wittwe, ließ sie zu sich holen, und fragte sie, ob er denn nicht im Stande wäre, ihr Elend in Etwas zu mildern? Die Arme brachte unter Thränen hervor, daß, wenn eine ihrer Töchter das Putzmachen verstände, sie dann vor dem Bettelbrot gesichert wäre. Da ließ sie der Domherr ihre Tochter nach Wien schicken, woselbst sie die Putzmackerkunst auf seine Kosten erlernen sollte. Wirklich verwandte der edle, nunmehr dahingeschiedene Geistliche an 400 Fl. aus eigenen Mitteln daran, wofür aber auch das Mädchen nunmehr im Stande ist, Mutter und Geschwister ganz allein durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren." „Edelmuth eines ungarischen Bauern. Auch aus dem Bauernstände, bei welchem — aus Vorurtheil — nur Vorurtheil gesucht wird, wird uns ein Zug schönen Wohlwollens mitgetheilt. Ein jüdischer Handelsmann in Szarvas (sprich — wasch) war durch unglückliche Verhältnisse genöthigt worden, sich zahlungsunfähig zu erklären. Als er sich nun mit seinen Gläubigern vergleichen wollte, diese aber ohne Bürgschaft nicht daran wollten, wer trat da als Bürge auf? Ein reicher Bauer, der, von den uneigennützigsten Beweggründen geleitet, den Vergleich des jüdischen Handelsmannes durch seine Unterschrift annehmbar machte." „Collecte zum S y n a g o g e n b a u auf dem Balle eines ungarischen Stadtrichters. Wie in den meisten ungarischen Ortschaften, herrscht auch in Szarvas ein gutes Einvernehmen zwischen den Anhängern der verschiedenen Confessionen, um welche sich das schöne Band der Menschenliebe schlingt. So gab im vorigen Winter auf einem israelitischen Balle der humane Stadtrichter Ignatz Viskovitz (—witsch) den ersten Impuls zu einer bei den christlichen Einwohnern zu veranstaltenden Collecte für den Synagogenbau, indem er mit einer namhaften Spende voranging, und dadurch eine Summe von 600 Fl. erzielt wurde. Bei der am 24. September v. I. erfolgten Einweihung der Synagoge legten die Bürger eine erfreuliche Theilnahme an den Tag." Nach einer etwas übermäßigen Abschweifung kehren wir wieder zu unsrem Jahrbuche zurück, und zwar zu — „Amsterdam von der westöstlichen Seite. Von Mar Grünbaum." S. 104 —131. Sehr schön erzählt. Zu 47*

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