Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1857)
- Date
- 1857-11-16
- Page
- Seite 638 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226087--16500-3245361- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
638 Der Name Restulus ist gewiß aus dem bekannteren Restitutus corrumpirt, auch No. 2779. findet sich eine Restttta. Charakteristisch ist für unsere dem Juden geweihte Inschrift, daß das sonst so gewöhnliche v. M. 8. (Diis manibus sacrum) fehlt) im Uebrigen ist Alles acht römisch. Dr. M. A. Levy. Aus Galizien, 1. November. Jahrbuch für Israeliten 5618 (1857—58). Herausgegeben von Joseph Wertheimer. Neue Folge, vierter Jahrgang. Wien, 1857. Leopold Sommer. Dieses 36ste und 399 Seiten starke, mit einem köstlichen Stahlstiche „Der Seder" nach einem Gemälde von Oppenheim gezierte Jahrbuch zeichnet sich durch Gediegenheit und Vielseitigkeit des Inhalts besonders vortheilhaft aus, und sollte in keinem israelitischen Hause, wo Sinn für das Bessere vorhanden, fehlen. Den Reigen beginnt: „Der Prophet Jeremia. Eine biographische Skizze von Dr. H. Grätz." S. 1 — 30. Dieses nach allen Seiten hin abgerundete und vollendete Bild des vielgeprüften Propheten führt der Verfasser u. A. mit folgenden schönen, ewig wahren Worten den Lesern vor: „Nur Wenige haben ein klares Bild von jenen Herolden mit hellem Blicke, überströmendem Herzen und feuriger Sprache. Hellas hatte seine Künstler und Dichter, welche über das Leben den Zauber des Schönen ausgegosfen; Rom seine Krieger, Senatoren und Staatsmänner, welche ihren Willen den Völkern des historischen Erdkreises als Gesetz aufgedrungen und Könige vor ihren Triumphwagen gespannt haben. Judäas Propheten find aber um so viel größer, als Sittlichkeit und Religiosttät höher stehen, denn Kunst und Eroberung." — Mit angenehmer Ueberraschung wendet der Leser sein Auge von dem längst dahingeschwundenen, grauen Alterthume ab der lebensvollen Neuzeit zu, indem sein Blick auf — „Die jüdische Gemeinde in Paris. Von Dr. Albert Cohn." S. 31—37. fällt. In dieser Skizze bietet der edle Verfasser in engem Rahmen des Interessanten und Erhebenden so viel, daß es dem Referenten schwer fällt, daraus Etwas auszüglich mitzutheilen; er kann daher nur auf das Buch verweisen, das schon dieser Skizze wegen von keinem Gemeindevorstande ungelesen bleiben sollte, denn wahrlich, manche Gemeinde in Israel hätte so Manches von der Gemeinde in Paris zu lernen. — Hieran reihen sich auf sehr würdige Weise die geistreichen „Musterungen zur Charakteristik der Erzieherwelt. Von Simon Szanto." S. 38 — 73., in 4 Abschnitten; I. Zum neuen Jahre, H. Die Mutter, III» Zur Naturgeschichte jüdischer Lehrer. Dieser Abschnitt beginnt mit folgenden Worten: „Wen die Götter Haffen, den machen sie zum Jugendlehrer", sagten schon die Römer. Die haben nun freilich gar heidnisch gesprochen. Uebersetzen wir das aus dem Heidenthum in das liebe Judenthum, und sagen mit dem weisen Könige: Wen Gott liebt, den züchtigt er, und wir armen Lehrer sind dann nicht mehr die Stiefkinder olympischer Herrschaften, sondern die mit besonderer Aufmerksamkeit großgehätschelten Schoßkinder Gottes. Das ist freilich ein ehrsamerer Titel, aber wir gestehen gern, daß wir der Sache nach um nichts besser gestellt sind, ob wir so heidnisch grausam gehaßt, „oder so jüdisch nachsichtslos geliebt werden." IV. Sündenbekenntniß. Diese „Musterungen" wird gewiß kein Leser unbefriedigt aus der Hand legen; mögen sie eben so nützen, wie sie ergötzen. — „Historische Miscellen, mitgetheilt von Dr. Bärwald." S. 74 — 77. I. Lebensrettung Kaiser Otto II. durch den Juden Kalonymos. II. Arnold weist in seiner Verfassungsgeschichte der deutschen Freistädte, Bd. I. S. 71., auf eine merkwürdige Urkunde des Bischofs Rüdiger von Speier hin, es heißt darin: 6um ex 8piren8i villa urbera facerem, putavi millies amplificare honorem loci, si et Judaeos colligerem. Zu deutsch: Indem ich die Ortschaft Speier zur Stadt erhebe, glaubte ich die Ehre des Ortes tausendfach zu erhöhen, wenn ich auch die Juden mit einbegreife* **)). III. enthält die Formel des Judeneides, wie sie im 14. Jahrhundert in Böhmen gebräuchlich war. — „Wienerisch Jndenschaft. Ein Actenstück. Mitgetheilt von G. Wolf." S. 78—85. EinedankenswertheMittheilung,deren ZweckZerstreuung falscher, historischer Annahmen ist. „Wir Juden", sagt der geschätzte Mittheiler dieses historischen Actcnstückes einleitend, „wir Juden haben nämlich nicht nur zu beklagen, daß man uns oft die Gegenwart geraubt und die Zukunft abgeschnitten hat, man hat auch öfters unsere Vergangenheit gefälscht und die Geschichte, das Weltgericht, zu unserem Nachtheile geschrieben^). — Danken wir es der *) Diese und ähnliche Stellen verdienen, besonders in Oesterreich, die ausgedehnteste Verbreitung, und zwar nicht so sehr der Geistlichkeit als vielmehr jener kleinen Stadttyrannen (Bürgermeister) wegen, die, um sich wichtig zu machen, die Juden auf alle erdenkliche Weise zu quälen und zu veriren, nicht ermüden. NW22 bdr^w^b b3 ©an. — Sinnt, d. Referenten. **) Einen ähnlichen Punkt berührt Dr. S. L. Steinheim in seinem Werke „Die Glaubenslehre der Synagoge als eracte Wissenschaft." „Wir haben", sagt er S. 299., „auch neuere Beispiele von absichtlicher und auch abstchts-