Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 46 (9.11.1857)
- Date
- 1857-11-09
- Page
- Seite 632 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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632 betten keiner derjenigen AuSschließungsgrünbe eintritt, welche die Uebernahme des Amtes eines Geschworenen verhindern, so dürste schon von selbst hieraus sich ergeben, daß das jüdische Glaubensbekenntniß hier eben so wenig wie bei der Eidesleistung für Zeugen, Sachverständige u. s. w. ein Hinderniß sein sollte. Wir glauben aber, daß, wenn das Amtsgericht zu Burgdorf sich selbst nicht für berechtigt hielt, im Geiste des Gesetzes die in dieser Beziehung noch vorhandene Lücke eigenmächtig auszufüllen, es gewiß nur einer einfachen Anfrage bei der höheren Behörde bedurft hätte, um die gewünschte, humanere Entscheidung zu erwirken. Ende vorigen Monats stand der Eisenbahnschaffner Jacob Tachau, mosaischen Glaubens und in Uelzen wohnhaft, vor den Geschworenen in Celle, angeklagt, durch Fahrlässigkeit den Zusammenstoß zweier Güterzüge dadurch veranlaßt zu haben, daß ec als Zugführer den Dienst eines seinen Zug leitenden LocomotivführerS nicht hinreichend überwacht hatte. Der Angeklagte wies indeß genügend nach, daß ihm bei dem erfolgten Zusammenstöße keinerlei Schuld zur Last gelegt werden könnte und wurde von dem Schwurgerichte freigesprochen. Der Thäter eines unlängst an einem jungen Israeliten, Namens Blumenthal aus Springe, welcher die Stütze seiner Eltern war, begangenen Raubmordes ist trotz der angestrengtesten Recherchen unserer Polizei noch immer nicht ermittelt, worden und einige Individuen, welche bereits auf Verdacht gefänglich eingezogen waren, haben ihrer Haft wiederum entlassen werden müssen, da ihnen mit Sicherheit nichts GravirendeS nachgewiesen werden konnte. Den Judenfresser Dr. Sebastian Brunner in Wien fertigt Glasbrenner in seiner humoristischen Wochenschrift „Phosphor" auf folgende treffende Weife ab: „Ihrer gütigen Einladung zu dem Colloquium, in welchem Sie unter Anderm die These erhärten wollen, daß die Juden Christenkinder geschlachtet haben, bedaure ich bis jetzt keine Folge geben zu können. Es würde mir lieb sein, wenn Sie Ihr Colloquium bis zur Beendigtlng meiner historischen Arbeit aufzuschieben geneigt wären, aus der die ungefähre Anzahl der Juden, Männer, Weiber und Kinder, resulliren soll, welche durch Christen geschlachtet sind. Ergebenst Nathan der Weise." Im Augustheste der Blätter für literarische Unterhaltung macht Herr Dr. David Asher darauf aufmerksam, daß, nachdem durch Munk's lehrreiche Forschungen und durch Segerlen's Mittheilungen aus der dem Avicebron zugeschriebenen Schrift „De naateria universali sive de kante vitae“ das System des Soleman ibn Gebirol näher bekannt worden ist, sich aus den oberflächlichsten Blick eine auffallende Aehnlichkeit zwischen dem genannten Systeme und dem Arthur Schopenhauers darbiete. Von einem Plagiate kann hier selbstverständlich nicht die Rede sein. Später werde er diese merkwürdige Uebereinstimmung zweier in der Zeit so weil auseinanderliegenden Systeme näher darthun und müsse der Vergleich beider für den Forscher um so interessanter sein, als es hier der Jude und der Christ ist, die eine und dieselbe Lehre vortragen und zu einem und demselben Resultate gelangt sind. Auch dürste Schopenhauer selbst dadurch zur Ueberzeugung gebracht werden, daß das Judenthum, aus dem ja auch ein Spinoza hervorgegangen, der freien Forschung keineswegeS Eintrag thut und den Ingrimm nicht verdient, mit welchem er es bekämpft hat. Am 7. d. M., welcher Tag in England bekanntlich als Nationalbettag begangen wurde, fand auch in allen Synagogen des britischen Reiches eine besondere religiöse Feier statt, zu welcher Herr Oberrabbiner Dt-. Adler in London eine Gebetordnung verfaßt hat, die mir so eben vorliegt. Nach dem Minchah-Gottesdienste wurde nämlich Psalm 27. abwechselnd vom Vorbeter und der Gemeinde recitirt, alsdann folgte die Predigt und hierauf ein von Herrn Dr. Adler eigens zu diesem Zwecke verfaßtes, sehr schönes hebräisches Gebet, in welchem nicht allein der Sieg für die englischen Waffen in Indien, sondern auch der Beistand Gottes in der Weise erflehet wird, daß die britischen Krieger sich bei ihren Thaten nicht blos von dem Gefühle der Rache, sondern vielmehr von dem der Humanität und Gerechtigkeit leiten lassen mögen. Nach diesem Gebete wurde noch Ps. 102. und 121. recitirt, das Gebet für die Königin und die königliche Familie gesprochen und mit Ps. 67. wurde die erhebende Feier beschlossen. Aus Württemberg, im October. (Privatmitth.) Der Staatsanzeiger für Württemberg bringt folgenden Artikel „vom Neckar": Der Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenhauses „Wilhelmspflege" ist für daS Jahr 1856 auf 1857 auSgegeben. Man erfährt auS demselben,