Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 46 (9.11.1857)
- Date
- 1857-11-09
- Page
- Seite 633 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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«33 daß auch in diesem Jahre Seine Majestät der König und deffm erhabene Gemahlin, so wie Ihre kaiserliche Hoheit, die Frau Kronprinzessin, der WilhelmSpflege reichliche Wohlthaten erwiesen haben. Auch auS dem fernen AuSlande sind reiche Gaben geflossen; so hat Banquier Commerzienrath Oppenheimer auS Cöln 200 Fl. beigesteuert und unser Landsmann, Rabbiner Dr. Schwabacher in Lemberg, hat den Ertrag einer Sammlung, die er zur Gründung eines israelitischen Waisenhauses für Posen veranstaltet hatte, mit 224 Fl. der Wilhelmspflege überwiesen. An Stiftungen sind Heuer 1600 Fl. eingegangen. Die laufenden Ausgaben betrugen 3580 Fl. In Folge der Feier deS 25jährigen Bestehens der Anstalt sind Heuer reichere Spenden geflossen, die eine Zunahme deS VereinSvermögenS um 2905 Fl. ermöglichten, so daß der Grundstock auf 34,604 Fl. angewachsen ist. Diese schönen Erfolge der rettenden Menschenliebe, die Heuer wieder acht Waisenkindern eine sichere Zufluchtsstätte geboten, hat man zum großen Thcil dem Leiter der Anstalt, Dr. Adolph Levi in Stuttgart, zu verdanken, der auch in der israelitischen Gemeinde Stuttgarts einen Krankenverein mit begründen half, so daß die freie Armen- und Krankenpflege fast hinreicht, ohne öffentliche Kosten deshalb in Anspruch zu nehmen. Möge die Wilhelmspflege, die stets mit dem Jahrestage des Regierungsantritts unseres Königs ihr Bestehen feiert, unter den Augen ihres königlichen Schutzherrn segenverbreitend fortwirken. Preußen. Posen, 15. Oktober. (Privatmitth.) Gestern wurde der neue Tempel der hiesigen israelitischen Brüdergemeinde eingeweiht. ES ist dies im Innern wie Aeußern ein großartig schönes, sehr bedeutend hervortretendes Gebäude. Auch dieses Bauwerk bietet in seiner Vollendung ein herrliches, ja rührendes Beispiel jüdischer Opferwilligkeit. Die Brüdergemeinde nämlich besteht zwar nicht nur in intellektueller, sondern auch in materieller Beziehung aus den größten Capacitäten Posens; — besitzt aber dennoch kein bedeutendes Vermögen, und mußte daher beim Bau des Tempels zur Zeichnung verzinslicher Aktien ihre Zuflucht nehmen. Ungeachtet diese Zeichnungen sehr reichlich auSfielen, wurden noch an den vergangenen hohen Festtagen dieselben von sehr vielen Mitgliedern als Opfergaben gespendet, so daß die Schuldenlast um einige Tausend Thaler gemindert wurde und jetzt nach der Einweihung noch mehr verringert werden wird. — Die Einweihungsfeier verband sich mit einer Feier deS Geburtstags Sr. Majestät des Königs. Sie war ein Ereigniß für unsere Stadt, und wohnte ihr der größere Theil der Behörden bei. Die 'ganze Cereremonie ward mit ausgezeichneter Eraclitude ausgeführt. Den eigentlichen Glanzpunkt der ganzen Feier bildete jedoch Predigt und Weihegebet deS Herrn Rabbiner Dr. Landsberger, die außerordentlich und allgemein gefallen haben. Aber daß die Predigt auch einen entschiedenen Anklang bei den zahlreich anwesenden Christen fand, ist um so mehr hervorzuheben, als der Redner gerade die weltgeschichtliche Aufgabe Israels dahin bezeichnete, daß gerade durch dieses alle anderen Völker eine reinere Gotteserkenntniß in sich ausgenommen haben. Von Seiten der Gemeinde fand Herr Dr. Landsberger die Anerkennung, daß ihm am Abend des folgenden Tages bei Gelegenheit eines glänzenden Soupers der Vorstand ein prachtvolles Geschenk mit den ehrendsten Worten überreichte. Auch unser vortrefflicher Cantor, Herr Schönfeld, hat viel durch seinen erhebenden Gesang und die eigene Composition deS Schlußpsalms zur würdevollen Ausführung der Feier beigetragen. Frankreich. Nancy, 11. Oktober. (Privatmitth.) Der Moniteur de Ja Meurthe enthält einen Bericht über die öffentliche Prüfung der israelitischen Religionsschule, bei welcher zugleich Preise an die fleißigsten und sittlichsten Schüler vertheilt wurden. ES wurden von den Mitgliedern des Comite, dem Großrabbinen von Nancy, Herrn Liebermann, und Herrn Banquier Levy-Bing, so wie vom Präsidenten des ConsistoriumS, Herrn I. Le'vylier, sehr gehaltvolle Reden gehalten. AuS der Ansprache des Herrn Levy-Bing heben wir folgenden Passus hervor: * „Wir können, meine lieben Kinder, nur wünschen daß Ihr so fortfahrt zu arbeiten, wie Ihr bisher gethan. Befleißigt Euch mehr und mehr der Kenntniß der heiligen Sprache, sie ist für Euch gleichzeitig der Schlüssel zu Eurer Geschichte und zur Erkenntniß Eurer Pflichten. Wenn wir sehen, wie rings um unS diese herrliche Sprache nicht allein von der gelehrten Welt, sondern auch von den Schülern der Religionen, 46**