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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-09 · Heft 46 (9.11.1857) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 46 (9.11.1857)
Date
1857-11-09
Page
Seite 629 (sequence 7)
Language
German
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ober nie wieder heraus; hat er erst eine freie Stellung sich erobert, dann steht sein Amt der Gründung eines eigenen Herdes durchaus nicht entgegen. Er braucht daher auch die Stellung nicht als Durchgangspunkt für Erlangung einer bessern zu betrachten, er darf in ihr selbst einen Hafen suchen, in den er mit Ruhe einlaufen kann. Die Bewerbung um unsere Kandidatur ist also nicht geschlossen, sondern wer Berus in sich fühlt, stehe nicht an, auch jetzt noch in die Schranken zu treten. Mit ernsten, sittlich gereiften Grundsätzen und Lebensansichten, mit gehörigen jüdisch-theologischen Studien, mit allgemeiner Bildung nach den Begriffen der Zeit ausgerüstet, wird er sich für befähigt halten dürfen, den Bewerbern um die eröffnete Stelle sich zuznzählen, und darf auch versichert sein, in den Männern, die mit der Leitung der Anstalt betraut sind, wohlwollendes und gerechtes Entgegenkommen zu finden. I. Hamburg, kl). Oktober. lPrivatmitth.) Nachdem die Stelle eines Hülfspredigerö am hiesigen Tempel noch nicht besetzt werden konnte, hat der Dr. Frankfurter sich der ganzen schweren Arbeit mit großem Glanz entledigt. Er hat vom ersten Neujahrstage bis gestern — dem Jahrötag der Schlacht bei Leipzig, welcher hier noch immer allgemein kirchlich und im Tempel, als dessen Stiftungstag (1818), noch besonders gefeiert wird — nicht weniger als zwölf vollständige Predigten, und dazwischen zwei Tranrcden meistergültig verfaßt und vortrefflich vorgetragen. Die ganze Gemeinde ist im höchsten Grade befriedigt, und zwar über ihre Erwartung, waS mau wohl, ohne ihn zu verletzen, sagen darf, wenn man erwägt, was schon au körperlicher Kraft dazu gehört, am Jom Kippur vor einem so schwierigen Pubiikum drei lange, sorgfältig ausgearbeitete Reden und außerdem die sechs großen deutschen Gebete aus unserem Gebetbuche, welche an die Stelle der Jozeroth und Piulim gekommen sind, mit starker, das große Gebäude volllomlnen füllender Stimme vorzutrageit und dabei zu wissen, daß selbst für den Rokhfall kein Anshelser vorhanden ist. Durch diesen Erfolg, verbunden mit fortwährende» Verbesserungen in der musikaliseben R'ichlung— diesmal durch eine ncugesetzte Duch an-Melodie— hat sich die Anziehungskraft unseres Tempels sehr gehoben. ES sind einige Bänke mit interimistischen Damensitzen eingerichtet worden und ein größerer Umbau im Parterre, durch welchen aueh die Zahl der Männersitze vergrößert würde, ist nicht lange mehr aufzuschieben. Dem zur Seite stehen die Bemühungen des „Synagogen-Vereins", welcher in einem Privatsaal seine Gottesdienste an Sabbath und Feiertagen hält. Obgleich er einzig und allein einen regelmäßigeren Gemeindegesang anstrebt und sich auch nicht die mindeste Auslassung oder Aenderung der hiesigen deutschen Minhagö erlaubt, wird er doch von der stockstabilen Partei, die, wie man sagt — denn sich officiell auSzusprechen, war noch keine Gelegenheit— auch den Herrn Oberrabbiner Stern zu den Ihrigen zählt, fast eben so sehr bekrittelt als unser Tempel.*) Dies darf übrigens nicht Wunder nehmen; denn es liegt am Tage, daß der Synagogen - Verein, wenn er ein irgend anständiges Ziel verfolgen will, weitergehen und manchen Auswuchs über Bord wird werfen müssen. Die Herren müssen doch einsehen, daß Niemandem damit gedient sein kann, wenn man den Schall der Malkos-Schläge, das Geschrei der KapporeS-Hühner oder gar den Klatsch des Chaliza-Speichels mit Chorgesängen taetmäßig begleitet! Ein hiesiger Klausrabbiner (Lcvin Salomonö Stiflung), Herr MvseS Schlesinger, ein frommer, braver, sonst eben nicht bedeutender Mann, ist neulich an der Cholera gestorben und am Schlußfeste begraben worden. Es wird nächstens eine Coneurrenz zur Wiederbesetznng der Stelle ausgeschrieben werden. Ein kleiner Coiisiiet zwischen unserer Gemeindeverwaltung und dem Bürger - AusnahinSbnreau ist neulich vom Senate zu Gunsten der ersteren entschieden worden. Es betraf die Beurtheilung der EruähruugSfähigkeit eintretendcr fremder Israeliten, die allein der Geincinde zustehen muß, so lange nicht die Stadt, sondern unsere Gemeinde im BerarmungSfalle diese Bürger zu ernähren hat. Ob wohl Israel die Zeichen der jetzigen Zeit diesmal erkennt? Der Prophet Jesaja sagte einstmals: nein, es erkennt sie nicht! und wir haben leider ge- *) Herr i)r. Stern in Frankfurt berichtet in seiner „Geseyiebke re." , die hiesige» Zcmpe'Iprediger seien die erste» jnrisehen Rcligieiiobeamien gewesen, die sieh öffcntlich vo» dem jüdische» Ceremonialgesctz losgesagt. Wir mochten wisse», wo dies geschehe» ist; uns hier in Hamburg ist nichts davon bekannt. Cvrresp.

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