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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-09 · Heft 46 (9.11.1857) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 46 (9.11.1857)
Date
1857-11-09
Page
Seite 625 (sequence 3)
Language
German
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623 Zweckes, das; die Leiter des Instituts in jedem 3a(;rc auf eine Anzahl solcher Schriften bedacht waren, weiche durch Inbal: und Form dem größeren Publikum zugänglicber sind, die größere Masse zu fesseln vermögen. Nur aus diese Weise, wenn neben streng wissenschaftlichen Werken auch populäre und insonders belletristische in die Hände der Abonnenten gegeben wurden, genügte das Institut allen seinen Zwecken und konnte aus Bestand rechnen. Und in der That hatte das Publikum das volle Recht, für seine Beiträge auch Erzeugnisse zu verlangen, welche für dasselbe nicht allein Stein, sondern auch Brot seien. Verweilen wir hierbei noch einen Augenblick. Vor einiger Zeit bezeichneten wir in einem Briefe in diesen Blättern als die literärisehen Hauptneigungen der Jetztzeit die literär - historischen Details und die Belletristik. Man bar dies fälschlicher Weise so verstanden, als ob wir diese beiden Richtungen verurtheilten, während wir nur ganz objeetiv das T hatsächliche markirten. Wir wissen den Werth von Specialuntersuchungen sehr wohl zu würdigen; denn nur aus dem Einzelnen baut sich das Ganze auf. Nockinniger aber fassen wir die hohe Bedentnng der Dichtung auch auf unsrem Gebiete auf. Man hat nicht mit Unrecht unsrer Zeit die schöpferische Kraft abgesprochen. Und allerdings, wohin wir unsren Blick wenden, in Gesetzgebung, Philosophie und Theologie ist die Kritik das vorwiegende Element der geistigen Thätigkeit. Denn auch in den eracteu Wissenschaften ist es ein Analoges, was die großen Fortschritte in demselben bedingt. Das Resultat der Kritik, wie sie von Stufe zu Stufe sich entwickelt, ist verneinend; ihre Begleiterin die Polemik — und Beides wirkt nur zersetzend und erkaltend, und die Stimmung, die sie Hervorrufen, ist die des Unbefriedigtseins. Da tritt denn die Dichtung versöhnend, erwärmend, erfrischend, belebend und weckend herein. Die Dichtung mag die Personen und Verhältnisse in ihren äußeren Momenten selbst schaffen; ihr inneres Wesen aber ist Wahrheit, Wahrheit, welche sie durch ihre Gestalten und Situationen dem Leser zur Anschauung, zur sinnlichen Wahrnehmung bringen will. Diese Wahrheit vermag sie aber um so eindringlicher zu machen, als sie nicht blos die Operationen des Verstandes zu Hülse nimmt, sondern sie auch durch die Gefühlswelt hiudurchsührt, und durch die Phantasie den Geist beschwingt, als sie für ihre Darstellung eine glänzende Form sucht und eine befriedigende Harmonie anstrebt. Dies macht die Wichtigkeit der Dichtung in unsrer Zeit aus, und daraus ist das Verlangen nach ihr, das Bednrsniß nach ihr entsprungen. Der erkältenden Kritik gegenüber, welche in Leben uno Wissenschaft ihre zersetzende Geltung hat, ist es die Dichtung allein, welche das erlöschende Feuer wieder anschürt, das Gemüth packt, den Geist über das Gewöhnliche hinaußhebt, welche das Edle linb Schöne in dem Menscheil unsrer Zeit nicht untergehen läßt. Auch aus diesem Gesichtspunkte, da das Institut nicht die Literatur an sich, sondern die Religion des Judenthums als seinen Ziel- und Höhepunkt im Auge hatte, mußte es der Dichtung seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Und wenn, weil Meisterwerke ans dem wissenschaftlichen Gebiete sich viel leichter Herstellen lassen als in der Poesie, hier auch vieles Mittelmäßige gegeben werden muß, so behält dieser Theil der Schriften unsres Institutes dennoch seine hohe Bedeutung. Unter allen diesen Umständen hätte mau voraussetzen sollen, daß das Institut von den jüdischen Gelehrten und Schriftstellern mit einem außerordentlichen Zurufe begrüßt, mit aller Kraft unterstützt, mit aller Anstrengung getragen und gehoben werden müßte. Sie, welche die Träger der jüdischen Literatur sich nennen, dabei aber ihr Publikum täglich mehr schwinden sehen, und die Möglichkeit, ihre Erzeugnisse ans Licht zu bringen, immer mehr verloren, sie mußten doch das Institut in seinen sichtbaren und unsichtbaren Wirkungen als eine wahre Heilsanstalr betrachten, in ihren Kreisen fördern, selbst wenn Irrungen in der Leitung verkamen, es nicht durch Härte und Bloßstellung compromimren; sie mußten dies aus dem allgemeinen Gesichtspunkte der jüdischen Literatur ibm so wie aus ihrem eigenen, persönlichen thun — aber gerade das Gegentheil. Eine Anzahl praktischer Männer, Rabbineri, Lehrer und Geschäftsmänner, welche den wachsenden Oiutii der Religion täglich vor Augen haben, nahmen sich des Instituts mit Feuereifer an, und ihren Anstrengungen ist das Resultat zu danken. Die Gelehrten uud Literaten aber, namentlich die Rabbinen und Prediger der großen Gemeinden, sie Alle schwiegen still, sic Alle nahmen eine zuwartende Stellung an, sie Alle in ihren Kreisen — wir sprechen Thcttsachen aus — riechen von der Theilnahme ab, und als erst der Erfolg gesichert war, da begannen ihre Jntriguen und die Versuche, das Institut in Mißachtung zu bringen und zu untergraben. Und wir sind hiermit noch lauge nicht zu Ende; vielmehr soll oaS Spiel erst recht ansangen. Bald ging man nach Paris, bald nach Lemberg, bald nach Königsberg, um in obscuren Blättern und Blättchen seiner Galle Luft zu machen. Der Eine ruft aus: das Institut fördert die 40 *

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